Prothetik | CAD/CAM

Alveolenmanagement auch bei Brückenversorgungen sinnvoll

Dr. Marion Marschall: Sie führen konsequent das Alveolenmanagement bei Ihren Patienten durch. Wo sehen Sie die Vorteile?
Dr. Ralf Roessler: Das Alveolenmanagement beziehungsweise die präimplantologische oder präprothetische Augmentation gelten inzwischen als etablierte Methoden zur Kompensation des Knochenverlustes nach Zahnextraktion (DGI-Statement, ITI-Konsensus, Position in der GOZ). Oft ist das Aufklärungsgespräch zu den möglichen Versorgungskonzepten wie Implantation oder einer konventionellen Brückenversorgung zum Zeitpunkt der Extraktion noch nicht erfolgt oder die Kostenfrage ist ungeklärt. Bis zur Klärung dieser Fakten und Entscheidung des Patienten können Wochen bis Monate vergehen. Bis dahin ist ohne präventive Augmentationsmaßnahmen oft schon ein großer Substanzverlust eingetreten, sodass zum Zeitpunkt der Versorgung umfangreich augmentiert werden muss oder gar eine eventuell geplante Implantation nicht möglich ist.

Wir wissen heute, dass das Auffüllen der Alveole mit einem langsam resorbierbaren Knochenersatzmaterial wie Geistlich Bio-Oss Collagen essenziell dafür ist, damit das ursprüngliche Volumen des Alveolarkamms nahezu erhalten bleibt. Der Vorteil für uns und den Patienten besteht darin, dass sich der Kieferkamm selbst nach mehrmonatiger Ausheilung in seiner ursprünglichen Breite zeigt. Mit meinem Konzept bin ich also auf der Zeitachse wesentlich flexibler, und der Patient kann in Ruhe seine Entscheidung zu der von ihm gewünschten Versorgung treffen. Wir profitieren also beide davon.

Marschall: Sie wenden das Alveolenmanagement auch standardmäßig bei Brückenversorgungen an. Ist das notwendig?
Roessler: Auf jeden Fall. Gerade unter einem Brückenglied kommt es über die Jahre zu einer Kieferkammatrophie, die zu ästhetischen und phonetischen Problemen führt. Will man dies später ausgleichen, muss man die Brücke abnehmen und keramisch unterfüttern. Wurde die Alveole hingegen mit einem langsam resorbierbaren Knochenersatzmaterial aufgefüllt, ist die Kieferkammsituation unter dem Pontic langzeitstabil. Mit diesem Wissen finde ich es fast unverantwortlich, den Patienten nicht auf die Möglichkeit der Kompensation durch eine Socket- beziehungsweise Ridge-Preservation hinzuweisen. Für den Patienten und mich bedeutet dies: keine späteren Probleme, keine nicht-kalkulierten Kosten, sondern ein zufriedener Patient.

Marschall: Warum verwenden Sie gerade Geistlich Bio-Oss Collagen?
Roessler: Hier muss ich zugeben, nicht nur aus wissenschaftlichen sondern auch aus praktischen Gründen. Geistlich Bio-Oss Collagen ist für die Socket- beziehungsweise Ridge-Preservation sehr gut geeignet, da es einfach und zeitsparend in der Handhabung ist und ein geringes Komplikationsrisiko aufweist. Man kann den Geistlich-Bio-Oss-Collagenblock mit einer Schere bearbeiten und damit den anatomischen Verhältnissen genau anpassen. Zusätzlich scheint durch den Kollagengehalt das Koagulat in einer früheren Phase stabiler zu sein.

Marschall: Gibt es Ihrer Meinung nach etwas, was man unbedingt bei der Durchführung des Alveolenmanagements beachten muss?
Roessler: Entscheidend dabei ist, dass wie bei allen augmentativen Verfahren, auch bei einer einfachen Socket-Preservation, das Einbringen des Knochenersatzmaterials nur in endzündungsfreien Gebieten durchgeführt werden darf. Aus diesem Grund ist die sorgfältige postextraktionelle Kürettage (oder auch andere „Reinigungsmethoden“ wie zum Beispiel die photodynamische Therapie) der Alveolen einer der entscheidenden Schritte. Meiner Meinung nach ist das Alveolenmanagement aufgrund der nahezu nicht vorhandenen Chirurgie eine sehr effektive, einfache und vorhersagbare Therapie und ein guter Einstieg in die Augmentation.

Dr. med. dent. Ralf Roessler
Dr. Roessler, Dr. Gehrke