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apoBank-Studie: Niederlassung oder Anstellung?

Die Freiheit in der Berufsausübung ist das stärkste Argument für die Gründung einer eigenen Praxis oder Apotheke. Wo aber Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren sind, da gehen die Meinungen auseinander. Das ergab die Studie „Niederlassen oder lieber lassen?“ der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), eine modifizierte Neuauflage der Befragung aus dem Jahr 2014. Insgesamt 800 Heilberuflerinnen und Heilberufler aus den Bereichen Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie – davon 400 Angestellte und 400 Selbstständige – beantworteten Fragen rund um die Entscheidung für oder gegen die Selbstständigkeit beziehungsweise für oder gegen die Anstellung.

Pro Niederlassung: Gestaltungsfreiheit, Flexibilität und gutes Einkommen

Auf die Frage, welche Kriterien bei der Entscheidung für die Niederlassung wichtig waren, nannten 80 Prozent der befragten Selbstständigen die vielen Gestaltungsmöglichkeiten, 79 Prozent die Chancen zur Selbstverwirklichung und 78 Prozent die therapeutische Selbstbestimmung. Doch auch die Aussichten auf ein gutes Einkommen (74 Prozent) und flexible Arbeitszeitgestaltung (72 Prozent) haben den Entschluss beeinflusst. Ein enges Verhältnis zum Patienten beziehungsweise Kunden war für 68 Prozent ebenfalls ausschlaggebend.

Ein Blick in die Besonderheiten der einzelnen Heilberufsgruppen zeigt, dass gerade für Ärzte die Selbstständigkeit eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bietet (74 Prozent), für die Zahnärzte ist es die Nutzung moderner Technologien (71 Prozent), während für die Apotheker das breite Aufgabenspektrum in der eigenen Offizin ein Anreiz war (71 Prozent).

Im Umkehrschluss sprechen gegen die Anstellung aus Sicht der Selbstständigen vor allem vier Kriterien: Weisungsgebundenheit, geringere Vergütung, vorgeschriebene Arbeitszeiten und hierarchische Strukturen. Für die Ärzte ist es noch zusätzlich die Arbeit im Schichtdienst, die sie letztlich auch in der Entscheidung gegen die Tätigkeit im Krankenhaus bestärkt hat.

Zeitliche Organisation beim Gründungsprozess anspruchsvoll

Wenn die Entscheidung zur Niederlassung steht, beginnt der Gründungsprozess mit all seinen Herausforderungen: Für 47 Prozent der Befragten war vor allen Dingen die zeitliche Organisation umständlich. Gut ein Drittel empfand die Suche nach einer geeigneten Apotheke beziehungsweise Praxis als mühsam. Die Finanzierung der Gründung zählte ein Viertel der befragten Selbstständigen zu den herausfordernden Aufgaben.

Die Betrachtung einzelner Heilberufsgruppen zeigt, dass 53 Prozent der Fachärztinnen und -ärzte vor allem das Erlangen der Kassenzulassung Schwierigkeiten bereitet hat. Für gut ein Fünftel der selbstständigen Humanmediziner war die Auswahl der adäquaten Berufsausübungsform nicht einfach, bei Apothekengründerinnen und -gründern war es eher die Suche nach passenden Kooperationspartnern.

Froschperspektive auf vier Mediziner mit Schutzkleidung und zahnärztlichen Handgeräten

Bei der Work-Life-Balance scheiden sich bei Niedergelassenen und Angestellten die Geister.

Contra Niederlassung: zu viel Bürokratie, hohe finanzielle Belastung und Workload

In der neuen Studie hat die apoBank auch angestellte Heilberufler gefragt, was sie von der Selbstständigkeit abhält. Die am häufigsten genannten Vorbehalte sind zu viel Bürokratie (62 Prozent), die hohe finanzielle Belastung (59 Prozent) sowie die hohe Arbeitsbelastung (57 Prozent). Doch genauso häufig (57 Prozent) passt die Niederlassung einfach nicht zu der persönlichen Lebenssituation. Jeder Zweite gab außerdem an, dass der Aufwand für die eigene Praxis oder Apotheke einfach zu hoch sei. Bedenken hinsichtlich des Workloads äußern vor allem Apothekerinnen und Apotheker, während Ärztinnen und Zahnärzte vorwiegend die Bürokratie fürchten.

Um sich für die Selbstständigkeit zu entscheiden, müsste es laut der befragten Angestellten eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf (63 Prozent), eine geringere finanzielle Belastung (56 Prozent) sowie den Abbau von regulatorischen Anforderungen (48 Prozent) geben. Doch für ein Fünftel der Apothekenangestellten stellt Selbstständigkeit auch unter veränderten Rahmenbedingungen keine Option dar. Für 35 Prozent der Fachärztinnen und -ärzte würde der Wegfall von Zulassungsbeschränkungen die Niederlassung möglich machen.

Work-Life-Balance - für alle ein besonderes Anliegen

Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist grundsätzlich von hoher Relevanz für alle Befragten. Doch ob die gewünschte Work-Life-Balance besser in der Niederlassung oder in der Anstellung zu realisieren ist – da gibt es unterschiedliche Meinungen. Denn für 83 Prozent ist es einerseits das häufigste Kriterium bei der Entscheidung für die Anstellung gewesen, andererseits ist das auch – vor allem für die selbstständige Ärzteschaft – eines der Hauptmotive für die Niederlassung.

„Dieses ambivalente Ergebnis kann durchaus auf die unterschiedlichen Erfahrungen, die Ärztinnen und Ärzte in ihrem Berufsalltag gemacht haben, zurückgeführt werden. Aus Gesprächen mit Praxis- und Apothekeninhabern wissen wir allerdings, dass sich gerade durch die Flexibilität als eigener Chef oder eigene Chefin sehr gute Möglichkeiten für eine ausgewogene Work-Life-Balance ergeben“, erläutert Daniel Zehnich, Bereichsleiter Gesundheitsmarkt und Beteiligungen bei der apoBank. „Dass auf der anderen Seite die Arbeit im Krankenhaus häufig mit starker Belastung und Unzufriedenheit einhergeht, hat die Ärzteschaft schon häufig zum Ausdruck gebracht, und ein weiteres Ergebnis der Studie untermauert diese Situation: So wollen nur sieben Prozent der befragten Angestellten langfristig in der Klinik arbeiten, die Gemeinschaftspraxis war mit Abstand der Favorit.“

Neben der Work-Life-Balance ist die Scheu vor unternehmerischer Verantwortung vor allem bei Humanmedizinern ein häufiger Grund für die Anstellung, das geben 72 Prozent an. Feste Arbeitszeiten sind mit 81 Prozent den Apothekenangestellten besonders wichtig, mit 78 Prozent schätzen am meisten die Zahnärztinnen und -ärzte den kollegialen Austausch.

Mehrheit mit der Entscheidung zur Niederlassung zufrieden

Die Studie zeigt auch, dass der Schritt in die Selbstständigkeit nur selten bereut wird. Demnach würden sich 85 Prozent der Befragten auch heute wieder selbstständig machen – das sind im Vergleich zu der letzten Erhebung im Jahr 2014 fünf Prozentpunkte weniger. Vor allem Fachärztinnen und -ärzte sind mit ihrer Entscheidung zufrieden: Ganze 93 Prozent würden den Schritt in die Selbstständigkeit wieder tun.

„Insgesamt spiegeln uns die Studienteilnehmenden: Niederlassung ist anspruchsvoll – nicht zuletzt aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen –, aber sie lohnt sich“, fasst Zehnich zusammen. „Die Freiheit in der Berufsausübung scheint ein hohes Gut zu sein und natürlich die Möglichkeit eines höheren Einkommens. Trotzdem haben wir nicht genügend Nachfolgerinnen und Nachfolger für die zur Abgabe stehenden Praxen und Apotheken. Dabei könnte weniger Regulatorik den Entschluss zur Niederlassung begünstigen, genau wie gezielte finanzielle Förderprogramme oder eine bessere Vorbereitung auf unternehmerische Aspekte.“

Mehr Ergebnisse aus der Studie finden sich unter apoBank-Studie

 
Methodik

Die apoBank-Studie „Niederlassen oder lieber lassen?“ ist eine modifizierte Neuauflage der Studie „Chance Niederlassung“ aus dem Jahr 2014. Mit der Durchführung wurde das Marktforschungsinstitut DocCheck Insights (Köln) beauftragt. Befragt wurden 800 Heilberuflerinnen und Heilberufler, davon jeweils 200 Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, 200 Fachärztinnen und -ärzte, 200 Zahnärzte und -ärztinnen sowie 200 Apotheker und Apothekerinnen, die sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre für oder gegen die Niederlassung entschieden haben. Die Befragung wurde vom 25. Juli bis 5. September 2022 online auf Basis einer quotierten Stichprobenziehung aus dem DocCheck-Panel durchgeführt.