Abrechnung individueller Medikamententräger

27. Februar 2015
Abrechnung individueller Medikamententräger
Kasse oder privat? – Christine Baumeister-Henning mit Tipps für den Praxisalltag (25)

Eine in der Praxis durchaus häufiger eingesetzte Form von Schienen sind Medikamententräger, zum Beispiel Fluoridierungsschienen. – Im Rahmen der Individualprophylaxe unter Position IP4 darf eine konfektionierte Schiene als Medikamententräger benutzt werden. Wird jedoch eine individuelle Schiene als Medikamententräger angefertigt, so ist dies eine Leistung, die mit dem Patienten – oder in diesem Fall mit dem Zahlungspflichtigen – vereinbart werden muss. Auch bei über 18-jährigen Patienten in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist die individuelle Medikamententrägerschiene eine außervertragliche Leistung.

Bei einem individuellen Medikamententräger handelt es sich um eine für einen oder beide Kiefer hergestellte Kunststoffschiene, die mit Fluorid- oder Chlorhexidin-Gel beschickt ist und in den Mund eingesetzt wird. Die Applikation eines Wirkstoffs mittels einer Schiene hat den Vorteil, dass seine Verdünnung durch den Speichel nicht oder deutlich langsamer erfolgt als bei schienenloser Anwendung.

Diese Medikamententräger kommen bei folgenden Indikationen zum Einsatz:
• bei bakterieller Gingivitis,
• bei vorübergehend eingeschränkter Mundhygiene, zum Beispiel nach Operationen, die die manuelle Geschicklichkeit einschränken,
• bei dauerhaft eingeschränkter Mundhygiene, zum Beispiel bei Patienten mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen, die eine effektive Zahnpflege unmöglich machen,
• zur intensiven Reduktion (Senkung) kariesrelevanter Keime,
• bei Xerostomie, der altersbedingten Mundtrockenheit,
• bei Radio-Xerostomie, hervorgerufen durch die Therapie mit Röntgenstrahlen im Kiefer- und Speicheldrüsenbereich mit gleichzeitiger Schädigung der Speicheldrüsen.

Mit der Nummer 1030 „Lokale Anwendung von Medikamenten zur Kariesvorbeugung oder initialen Kariesbehandlung mit einer individuell gefertigten Schiene als Medikamententräger, je Kiefer“ der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) findet sich eine Gebühr für den Medikamententräger. Voraussetzung zur Abrechnung der GOZ-Nummer 1030 (90 Punkte) ist die individuelle Anfertigung der Schiene. Eine konfektionierte Schiene, auch wenn diese individualisiert wird, löst lediglich die GOZ-Nummer 1020 (Lokale Fluoridierung zur Verbesserung der Zahnhartsubstanz, zur Kariesvorbeugung und -behandlung, mit Lack oder Gel, je Sitzung – 50 Punkte) aus.

Eine weitere Voraussetzung zur Abrechnung der GOZ-Nummer 1030 ist, dass die Schiene zur Medikation aus Gründen der Kariesprophylaxe genutzt wird. Medikamententrägerschienen, die aus anderen Gründen angefertigt werden, müssen analog nach Paragraf 6 Absatz 1 GOZ berechnet werden; diese Schienen sind nicht in der GOZ verankert.

Die Leistung nach GOZ-Nummer 1030 honoriert lediglich die Anwendung dieser Schiene, nicht die Anfertigung. Für die Anfertigung bedarf es zunächst der Indikationsstellung durch den Zahnarzt, dann müssen die Kiefer abgeformt werden. Die zahnärztliche Leistung im Zusammenhang mit der Herstellung und Eingliederung des Medikamententrägers ist im Leistungstext nicht beschrieben und kann daher nach Paragraf 6 Absatz 1 GOZ analog berechnet werden.

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Die Anwendung der Medikamententrägerschienen nach GOZ-Nummer 1030 ist je Sitzung und je Kiefer zu berechnen. Sind in einem Zeitraum von zwölf Monaten mehr als vier Sitzungen nach der GOZ-Nummer 1030 erforderlich, muss dies in der Rechnung begründet werden (zum Beispiel Intensivprophylaxe in der Behinderten- oder Alterszahnheilkunde). Diese Bestimmung gilt aber nur bei der Anwendung eines Medikamententrägers zur Fluoridierung! Das Medikament ist Bestandteil der Leistung und kann nicht gesondert berechnet werden.

Eine Leistung nach der Nummer 1030 GOZ ist mit Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vereinbarungsfähig, da eine vergleichbare Leistung im Sachleistungskatalog der GKV nicht enthalten ist. Die IP4 umfasst lediglich die Applikation des Fluorids mit konfektionierten Masken als Träger für das Fluoridgel. Ein Abrechnungsbeispiel zeigt die Tabelle.

Die GOZ-Nummer 1030 umfasst nur die Anwendung von Medikamenten zur Kariestherapie, jedoch nicht die Anwendung von Medikamententrägerschienen, die zum Zwecke von Parodontalprophylaxe und Parodontaltherapie oder anderen Therapiemaßnahmen dienen. Diese Maßnahmen sind nicht von der Leistungslegende der GOZ-Nummer 1030 umfasst und sind somit nach Paragraf 6 Absatz 1 GOZ analog berechnungsfähig.

Christine Baumeister-Henning, Haltern am See

 (wird fortgesetzt)

 

 

Christine Baumeister-Henning ist ausgebildete Zahnmedizinische Verwaltungsassistentin (ZMV), Auditorin, Business Coach und -Trainerin. Sie ist seit 1982 im zahnärztlichen Praxismanagement tätig, und seit 1998 ist sie als Dienstleisterin und erfahrene Beraterin für Zahnarztpraxen im eigenen Unternehmen mit Sitz in Haltern am See selbstständig. Ihre thematischen Schwerpunkte sind das zahnärztliche Gebührenrecht, Praxismanagement und Organisationsentwicklung, Teamentwicklung sowie Kommunikation. Darüber hinaus ist sie als Sachverständige für das zahnärztliche Gebührenrecht bei Gericht anerkannt. Regelmäßig veröffentlicht sie als kompetente Autorin Artikel für die Fachpresse und hat im Autorenteam eigene Fachbücher zum Thema Abrechnung geschrieben. Mehr Infos unter www.ch-baumeister.de.

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