DMS V: Zahnärztliche Prävention auf Erfolgskurs

DGZ: Differenzierte und individualisierte Präventionskonzepte für die Mundgesundheitsprobleme in allen Altersgruppen sind nötig
26. September 2016
DMS V: Zahnärztliche Prävention auf Erfolgskurs
Mundgesundheit hängt von Sozialstatus ab – neue Zukunftskonzepte gefragt

Mit Spannung war die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) erwartet worden –und sie zeigt beeindruckend: Die präventionsorientierte Zahnmedizin ist mit ihrem Konzept auf Erfolgskurs, so die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung e.V. (DGZ) in einer Stellungnahme.

Seit der letzten Erhebung vor zehn Jahren hat sich der Kariesrückgang in Deutschland weiter fortgesetzt – 81 Prozent der 12-jährigen Kinder sind kariesfrei, mehr als 10 Prozent mehr als noch 2005 und doppelt so viele wie 1997.

 

Beleg für Erfolg der Gruppen- und Individualprophylaxe

Was besonders erfreulich ist: Erstmals sind Karies und Parodontalerkrankungen auch bei den Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren deutlich zurückgegangen. Diese Jahrgänge waren die ersten, die im Kinder- und Jugendalter Anspruch auf Gruppen- und Individualprophylaxe hatten – heute sieht man den Erfolg.

Auch bei den Senioren hat sich etwas getan: Die Zahnlosigkeit bei den 65- bis 74-Jährigen hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 23 auf 12 Prozent fast halbiert und schwere Parodontalerkrankungen nahmen deutlich ab. Es gelingt immer besser, Zähne langfristig zu erhalten. Dieses Ziel vertritt  die DGZ mit ihren modernen präventionsorientieren Konzepten zur Verhütung oraler Erkrankungen und mit zahnsubstanzschonenden, minimal-invasiven Verfahren seit langem aktiv in der Zahnärzteschaft.

 

Daten zeigen bekannte und neue Herausforderungen

Bei allen Erfolgen auf dem Feld der Zahnerhaltung zeigen sich anhand der aktuellen Mundgesundheitsdaten aber auch bekannte und neue Herausforderungen. Karies ist nicht besiegt, sondern es sind vielmehr eine Verschiebung in höhere Altersgruppen und ein verändertes Erscheinungsbild zu beobachten.

Bereits 14 Prozent der 35- bis 44-Jährigen sind von Karies an freiliegenden Oberflächen der Zahnwurzeln betroffen, und die Häufigkeit nimmt bei den über 65-Jährigen (26 bis 28 Prozent) deutlich zu. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter der Schweregrad von Wurzelkaries, bei den älteren Senioren (75 bis 100-Jährige) sind durchschnittlich 16 Prozent der freiliegenden Wurzeloberflächen kariös.

Für diese Altersgruppe stehen jetzt erstmals bevölkerungsrepräsentative Daten zur Verfügung. Besonders bei den Pflegebedürftigen besteht erheblicher Handlungsbedarf, denn etwa die Hälfte dieser Personen ist völlig zahnlos und nahezu jede dritte kariöse Läsion ist unversorgt. Wenn mehr Zähne bis ins hohe Alter erhalten werden können, heißt das eben auch, dass Kariesprävention eine lebenslange Aufgabe ist. Speziell für Personengruppen mit reduzierter Belastbarkeit und zunehmender Gebrechlichkeit braucht es zahnärztliche Versorgungskonzepte.

Neben Karies tritt mit dem Phänomen Erosion (Zahnschäden durch Säuren, etwa aus Getränken) eine neue Zahnerkrankung auf, die bereits junge Leute betreffen kann. Fast jeder zweite Erwachsene weist mindestens einen Zahn mit einer Erosion auf, sodass künftig zu beobachten sein wird, ob klinisch relevanter Behandlungsbedarf entsteht.

 

Mundgesundheit hängt von Sozialstatus ab

Insgesamt sei, so die DGZ, die Krankheitslast nach wie vor deutlich mit dem Sozialstatus assoziiert. Trotz der nachweislichen Erfolge der solidarisch finanzierten, flächendeckenden Prävention hätten Kinder mit niedrigem Sozialstatus bereits doppelt so viele Kariesläsionen wie Kinder mit höherem Sozialstatus.

Ein ähnliches Bild zeige sich auch bei den jüngeren Senioren zwischen 65 und 74 Jahren. Während hier nur 4 Prozent bei hohem Sozialstatus komplett zahnlos seien, vervierfache sich diese Zahl bei niedrigerem Sozialstatus.

Die DMS V zeige, dass die präventionsorientierte Zahnmedizin viel erreicht hat: Menschen in Deutschland bleiben heute länger mundgesund, zweifellos ein Zeichen, dass die Präventionskonzepte der Zahnerhaltung sich wirklich auszahlen. Aber die Bemühungen der Fachgesellschaften dürfen nicht nachlassen, denn der Ausbruch der Erkrankungen verschiebt sich zum großen Teil ins höhere Lebensalter.

Effektive Maßnahmen zur Bekämpfung von Karies und Parodontalerkrankungen sind bekannt – zukünftig notwendig sind differenzierte und individualisierte Präventionskonzepte für die Mundgesundheitsprobleme in allen Altersgruppen. „Vorsorgen statt versorgen“ ist der richtige Weg, um das wichtigste Ziel der DGZ und ihrer Tochtergesellschaften DGPZM, DGR²Z und DGET zu erreichen: „Erhalte Deinen Zahn“.

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