„Langer Weg zur Neubeschreibung der PAR“

„Langer Weg zur Neubeschreibung der PAR“
Parodontaltherapie: Interview mit Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV

„Im Kampf gegen Karies sind die Zahnärzte in den vergangenen zwanzig Jahren sehr erfolgreich gewesen, beim Kampf gegen die Volkskrankheit Parodontitis steht der Berufsstand erst noch am Anfang.“

Dr. Wolfgang Eßer: „Die derzeitige Situation im Bereich der vertragszahnärztlichen Parodontalbehandlung ist für alle Beteiligten unbefriedigend. Wir benötigen ein neues, ein modernes Versorgungskonzept im Bereich der Parodontitistherapie.“
(Foto: KZBV/Baumann)

Mit diesem Statement lenkte der Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. Wolfgang Eßer (61), bereits auf dem Deutschen Zahnärztetag 2014 den Blick der Vertragszahnärzteschaft und der Öffentlichkeit auf eine Erkrankung, deren Erforschung in den vergangenen Jahren viele neue Erkenntnisse, aber auch neue Fragen mit sich gebracht hat.

Für Eßer als KZBV-Vorsitzenden steht die Weiterentwicklung und Neubeschreibung der Parodontaltherapie im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ganz oben auf der Tagesordnung der Vertragszahnärzteschaft. Sein Ziel: Die Volkskrankheit Parodontitis soll durch Prävention und moderne PAR-Therapiekonzepte sowie durch Sensibilisierung und Förderung der Eigenverantwortung der Patienten so erfolgreich eingedämmt werden, wie es schon bei der Karies in weiten Teilen der Bevölkerung gelungen ist.

Zwingende Neubeschreibung der PAR-Therapie

„Die derzeitige Situation im Bereich der vertragszahnärztlichen Parodontalbehandlung ist für alle Beteiligten jedoch unbefriedigend. Wir benötigen ein neues, ein modernes Versorgungskonzept im Bereich der Parodontitistherapie, das neben der Instrumentierung vor allem die Schwerpunkte bei der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention setzt, und ein verändertes Mundgesundheits- und Krankheitsbewusstsein in der Bevölkerung bezüglich Parodontalerkrankungen in den Fokus der Bemühungen rückt. Als zwingender Bestandteil gehört dazu eine Neubeschreibung der PAR-Therapie in der Behandlungsrichtlinie des G-BA sowie im Bema“, erklärt Eßer im Gespräch mit der DZW-Redaktion, das in der Ausgabe 11/16 vom 16. März erscheinen wird. Bis dahin sei es allerdings noch ein weiter Weg.

Vorstoß der Patientenvertreter konstruktiv begleiten

Die Initiative der Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Jahr 2013 mit einem Antrag auf Richtlinienänderung und Bewertung der Methodik der systematischen Behandlung von Parodontopathien begrüßt er daher: „Wir haben die Initiative der Patientenvertreter im G-BA begrüßt und begleiten sie konstruktiv, da sie in großen Teilen mit unseren Zielsetzungen übereinstimmt. Nun müssen wir diesen Schwung nutzen, um beim Thema PAR im Interesse der Patienten und der Zahnärzteschaft in der GKV-Versorgung substanzielle Verbesserungen zu erreichen. Das ist Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung, die die KZBV als Körperschaft des öffentlichen Rechts und wichtigste Interessenvertretung der Vertragszahnärzte wahrzunehmen hat“, meint Eßer.

Schulterschluss der Zahnärzteschaft dringend erforderlich

Die Durchsetzung eines so bedeutenden Versorgungskonzepts mit neuen Leistungspositionen sei politisch nur in einem engen Schulterschluss von KZBV, BZÄK, Wissenschaft, politischen Verbänden und Zahnarztpraxen möglich. Für „Besserwisserei, wahltaktische Spielchen, Verunglimpfungen und Nörgelei“ sei da kein Platz. „Ich setze darauf, dass der Berufsstand geschlossen hinter der KZBV steht und sie nach Kräften unterstützt“, so seine Aufforderung.

Mehr zum umfassenden neuen PAR-Konzept und zum langen Weg bis in die Praxis im DZW-Gespräch mit Dr. Wolfgang Eßer in der DZW-Ausgabe 11/16 vom 16. März 2016.

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