„Mindestens genauso gut wie Zahnseide“

23. April 2015
„Mindestens genauso gut wie Zahnseide“
Klinische Studie an der Universität Köln hat Einfluss des neuen Philips Sonicare AirFloss auf die Zahnfleischgesundheit untersucht (4)

An der Universität zu Köln wurde der neue AirFloss Ultra von Philips von Dezember 2014 bis Januar 2015 in einer klinischen Studie (Prof. Dr. Michael Noack, Dr. Sonja Derman, ZÄ Isabelle Ensmann) unter Einbeziehung der Universität Witten/Herdecke (Prof. Dr. Stefan Zimmer, PD Dr. Mozghan Bizhang) untersucht (die DZW berichtete in Ausgabe 8, 9 und 10/15). DZW und DZW-TV waren an beiden klinischen Untersuchungstagen vor Ort dabei. Ende Februar erläuterte Prof. Dr. Michael Noack die vorläufigen Ergebnisse, die er offiziell beim Philips-Presseevent am Dienstag präsentiert hat.

Ziel der Studie war es, die Effektivität des Philips Sonicare Airfloss Ultra bei der Reinigung der Zahnzwischenräume zu beurteilen. Der Goldstandard Zahnseide diente der Kontrolle. Erhoben wurde neben den zentralen Indizes Plaque-Biofilm und Papillenblutung inklusive Messung typischer Entzündungsmarker an ausgewählten Zähnen auch die Adhärenz der Probanden, also die Frage, ob und wie die Patienten sich an die – gemeinsam erarbeitete – Empfehlung, den AirFloss zu nutzen, gehalten haben. „Mit dieser Studie wollten wir eigentlich zwei Fragen beantworten. Erstens: Ist AirFloss Ultra in der Lage, Zahnbelag im Zahnzwischenraum mit dem Wasserstrahl wegzuschießen, und zweitens, ob das Gerät in der Lage ist, innerhalb eines Monats eine entzündungsfreie Gingiva zu schaffen“, so Noack zu den beiden zentralen Fragestellungen.


Video: Luft und Wasser oder Zahnseide? – Klinische Studie an der Universität KölnIm Video „Luft und Wasser oder Zahnseide? – Klinische Studie an der Universität Köln“ können Sie verfolgen, wie eine klinische Studie abläuft und welcher Aufwand dahinter steckt: Prof. Dr. Michael Noack, ZÄ Isabelle Ensmann und Prof. Dr. Stefan Zimmer erklären Vorgehen und Hintergründe, die Studienteilnehmer berichten von ihren Erfahrungen bei der Zahnzwischenraumreinigung mit Zahnseide und mit dem AirFloss Ultra – und Noack erläutert schließlich die Ergebnisse.


Die Studie basierte auf zwei klinischen Teilen. Der erste Termin im Dezember 2014 diente dazu, die Ausgangsbefunde für die AirFloss- und die Zahnseide-Gruppe zu erheben, die Probanden in der Anwendung beider Hilfsmittel zu instruieren, um sie dann vier Wochen lang mit der einen oder anderen Methode die Zahnzwischenräume reinigen zu lassen.

Am zweiten Untersuchungstermin Ende Januar stand die erneute Befundung nach vier Wochen Anwendung durch die Probanden im Zentrum, außerdem wurde jetzt mittels Fragebogen die Adhärenz zur Nutzung des Geräts abgefragt. Weitere sechs Wochen dienten der statistischen Auswertung.

„Gesund und entzündungsfrei“
Was ist bei der Studie herausgekommen? „Am ersten Studientag wollten wir ermitteln, ob AirFloss Ultra überhaupt in der Lage ist, Biofilm im Zahnzwischenraum zu entfernen. Und nach der statistischen Auswertung können wir sagen, dass die Plaquebiofilm-Entfernung mittels AirFloss Ultra mindestens genauso gut ist wie mit Zahnseide – aber die Patienten haben angegeben, vielleicht noch ein bisschen komfortabler und einfacher.“ Aber wie sieht es hinsichtlich des primären Studienziels – macht sich das bemerkbar bei der Bekämpfung von Zahnfleischentzündung? – aus? Kann Mundgesundheit unter Airfloss-Ultra-Anwendung dauerhaft sichergestellt werden? „Auch da konnten wir am zweiten Tag und nach der statistischen Auswertung zeigen, dass Probanden, die AirFloss Ultra benutzen, wirklich in der Lage sind, ihr Zahnfleisch gesund und entzündungsfrei zu halten, mindestens genauso gut wie mit dem Goldstandard Zahnseide“, so Noack.

Wie haben die Patienten das Benutzen des Geräts empfunden – Stichwort Adhärenz? „Die Mehrheit hat angegeben, dass sie das Gerät sehr gerne weiterbenutzen werden, dass sie die Benutzung viel einfacher empfinden, als sich Zahnseide um die Finger herumzuknoten.“ Der Fragebogen habe aber auch gezeigt, dass es sowohl bei Zahnseide als auch bei AirFloss Ultra sehr schwer ist zu spüren, dass es wirkt. „Man hat zwar das Gefühl, dass es wirkt, aber da man es nicht sehen und nicht fühlen kann, ist es offenbar auch nicht so ganz einfach, es zu kontrollieren“, so Noack weiter.

Studie unter journalistischer Beobachtung
Insgesamt, so Noack, sei er mit der Durchführung der Studie und dem gesamten Team sowie der Entscheidung, die Studie unter „Beobachtung der Medien“ durchzuführen, sehr zufrieden. „Ich muss zugeben, wir sind schon ein bisschen stolz drauf, dass diese Studie mit Medienbegleitung organisiert werden konnte, das heißt, die Journalisten konnten sich davon überzeugen, welche Resultate ermittelt wurden, wie sie zustande kommen, aber auch, wie viel Aufwand es ist, so eine Studie zu machen und wie viel Mühe wir uns gegeben haben, alle wissenschaftlichen Kriterien zu erfüllen.“

Selbstverständlich, so Noack, werde man die Fachöffentlichkeit über die Ergebnisse der Studie informieren. „Es ist selbstverständlich und gehört zu den ethischen Regeln, dass man alle Resultate der Öffentlichkeit bekannt gibt. Natürlich werden wir unsere Studienergebnisse veröffentlichen.“ Allerdings bedürfe es für ein komplettes Bild über AirFloss Ultra noch weiterer Resultate, vor allem größerer Patientenzahlen.

Auch die Zusammenarbeit mit einer weiteren Universität sei eine richtige und wertvolle Entscheidung gewesen: „Ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Kollegen aus Witten/Herdecke, Prof. Zimmer, Prof. Bizhang, dabei waren, uns hinsichtlich der Erhebung der Indices kalibriert haben, damit man unsere Studienergebnisse vergleichen kann. Wir planen jetzt gemeinsam eine umfangreiche klinische Studie, um diese Pilotstudie in größerem Umfang nach zu untersuchen“, so Noack mit einem Ausblick auf die weiteren Pläne.

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