Wrigley Prophylaxe Preis 2015

13. November 2015
Wrigley Prophylaxe Preis 2015
Zahnschäden durch Drogen: Gewinnerarbeit signalisiert Handlungsbedarf

Der mit insgesamt 12.000 Euro dotierte Wrigley Prophylaxe Preis wurde heute zum 21. Mal verliehen. Der erste Platz geht an eine Arbeit aus München, die erstmals die verheerenden Auswirkungen der Szenedroge Crystal Meth auf die Zahngesundheit untersuchte. Welche Arbeiten außerdem prämiert wurden.

Den zweiten Platz belegt eine Untersuchung aus Dresden zum erosionsprotektiven Potenzial von Pflanzenextrakten. Den Sonderpreis teilen sich ein Prophylaxeprojekt für Grundschulkinder in Wuppertal und eine Kooperationsinitiative zwischen Zahn- sowie Kinder- und Jugendärzten in Mönchengladbach.

Der Wrigley Prophylaxe Preis zeichnet seit 22 Jahren herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Kariesprophylaxe aus. Er fördert erfolgreiche Präventionsinitiativen, rückt aber auch Probleme mit dringendem Handlungsbedarf in den Fokus der Öffentlichkeit. Sowohl der Preis als auch die Stifterorganisation Wrigley Oral Healthcare Program genießen in der Dentalbranche einen exzellenten Ruf.

Wrigley Prophylaxe Preis-Verleihung 2015 (von links): Prof. Klaus König (Jury, Nijmegen/ Niederlande), Prof. Werner Geurtsen (Jury, Hannover), Dr. Jürgen Zitzen (Sonderpreis, Mönchengladbach),  Elke Damann (Jury, Barmer GEK, Wuppertal), Prof. Edgar Schäfer (Jury, Münster), Dr. Marie-Theres Weber (2. Platz, Dresden), Laurence Étienne (Wrigley), Jens Christmann (Wrigley), Andrea Keller (Ehrung, Grünhain-Beierfeld), Prof. Joachim Klimek (Jury, Gießen), Dr. Dr. Niklas Rommel (1. Platz, München), Prof. Hendrik Meyer-Lückel (Jury, Aachen), Prof. Marco Kesting (1. Platz, München), Dr. Andreas Struve (Sonderpreis, Wuppertal)

(Foto: Wrigley Oral Healthcare Program / Thomas Mumbächer)

Crystal Meth ruiniert auch die Zahngesundheit
Dieses Jahr vergab die Jury den ersten Platz an das Münchner Autorenteam um Dr. Dr. Niklas Rommel für eine Grundlagenstudie zu den Auswirkungen der Szenedroge Crystal Meth auf die Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit. Die Gewinner sichern sich damit 6.000 Euro Gewinnerprämie.

Die Vergleichsstudie an 200 Patienten mit und ohne Drogenkonsum liefert erstmals umfangreiche Daten zum Zahnschädigungspotenzial von Crystal Meth: Die abhängigen Patienten hatten signifikant häufiger Karies, Gingivitis, Parodontitis und Zahnhartsubstanzverluste, eine schlechtere Mundhygiene, eine reduzierte Speichelfließrate und -pufferkapazität.

Hauptursache ist wahrscheinlich der sympathomimetische Effekt der Substanz mit resultierender Mundtrockenheit und Zähneknirschen. Brennpunkt sind vor allem die Grenzregionen zu Tschechien, da die dortige liberale Drogengesetzgebung seit 2010 zu einem massiven Anstieg des Konsums auch bei deutschen Jugendlichen geführt hat.

Mit ihrer Entscheidung für die Gewinnerarbeit macht die Jury auf eine bislang wenig bekannte Folge des Drogenkonsums aufmerksam: „Crystal Meth hat nicht nur ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial, sondern ruiniert auch die Zahngesundheit. Die prämierte Studie liefert erstmals eine solide Basis für die Entwicklung von Präventions- und Therapiekonzepten“, begründet Prof. Dr. Edgar Schäfer, Universität Münster, die diesjährige Preisvergabe.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung ist neu im Kreis der Jury und konstatiert: „Das Problem Crystal Meth lässt sich nur in den Griff bekommen, wenn alle Disziplinen an einem Strang ziehen. Hier sind auch die Zahnärzte gefragt“.

Erosionspräventives Potenzial von Pflanzenextrakten
Der zweite Platz ging mit 4.000 Euro an die Arbeitsgruppe um Dr. Marie-Theres Weber, Dresden. Sie zeigte, dass Johannisbeerkraut- und Oreganoextrakte vor erosiven Prozessen schützen können. Offenbar festigen pflanzliche Polyphenole die schützende Pellikel auf der Zahnoberfläche und reduzieren die Säurepermeabilität.

Das Ergebnis der kontrollierten Studie an zwölf Probanden nach Verwendung von Pflanzenextrakten oder Fluorid: Unter dem Einfluss der Pflanzenextrakte war die Pellikel dicker und schützte effektiver vor Erosionen – vergleichbar wie Fluoride oder besser.

Die Studienergebnisse lassen vermuten, dass Extrakte aus Johannisbeerkraut und Oregano die Wir-kung der Fluoride ergänzen. Beide Extrakte sind als Mundgesundheitspräparate in Apotheken und Drogerien erhältlich. Für eindeutige Aussagen bedarf es jedoch weiterer Forschung, so die Autoren.

Sonderpreis für Prophylaxeprojekt in der Grundschule
Zudem verlieh die Jury zum zweiten Mal den mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis „Niedergelassene Praxis und gesellschaftliches Engagement“. Diesen Preis teilen sich zwei engagierte Prophylaxeprojekte mit jeweils 1.000 Euro.

Der Wuppertaler Zahnarzt Dr. Andreas Struve beeindruckte mit einem Grundschulprojekt, das er seit 2003 betreut: Einmal pro Jahr geben Struve und sein Praxisteam Prophylaxeunterricht bei Zweitklässlern, werten Ernährungstagebücher aus und führen bei allen Kindern einen Speicheltest zur Bestimmung des individuellen Kariesrisikos durch. Das Ergebnis erhalten die Eltern zusammen mit schriftlichen Therapieempfehlungen und einer Einladung zu einem Elternabend. Die Testergebnisse der letzten Jahre zeigen deutlich, dass viele Kinder ein sehr hohes Kariesrisiko haben. Frühzeitige Prophylaxe und Aufklärung seien daher dringend notwendig, so Dr. Struve.

Ausgezeichnet: Kinder- und Jugendärzte kooperieren mit Zahnärzten
Ebenfalls mit dem Sonderpreis und einer Prämie von 1.000 Euro ausgezeichnet wurden Dr. Jürgen Zitzen, Dr. Stephan Kranz, Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange und Klaus Büssenschütt von der Zahnärzte Initiative Mönchengladbach ZIM.

Seit 2008 kooperieren Zahnärzte mit Kinder- und Jugendärzten der Stadt in der Aktion ZIMkid. Was mit einer gemeinsamen Fortbildung begann, ist heute ein eingespieltes Netzwerk. Beispielsweise informieren Kinderärzte bei der zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat anstehenden U5 die Eltern zum Thema Zahngesundheit, weisen auf den ersten Zahnarztbesuch hin und überreichen den Eltern den zahnärztlichen Kinderpass. Ein Erfolgsmodell par excellence, wie die Statistik zeigt: Seit Bestehen der Initiative stieg die Zahl der zahngesunden Kinder in Mönchengladbach von 60 auf mehr als 70 Prozent an – mit steigender Tendenz.

Jurymitglied Elke Damann, Barmer GEK, Wuppertal, war beeindruckt: „Zahn- und Kinderärzte arbeiten dort Hand in Hand. Kinderärzte schicken ihre kleinen Patienten früh zum Zahnarzt und sprechen bei den Untersuchungen das Thema Zahnpflege an. Das stärkt die Zahngesundheit von Anfang an.“

Früh übt sich: Prophylaxe für die Kleinsten
Mit einem Büchergutschein geehrt wurde das Spiel- und Lernprogramm „Abenteuer im Knabber-Schnapper-Lecker-Schmecker-Wunderland“ von Andrea Keller, Leiterin einer Kindertagesstätte im sächsischen Schwarzenberg. Die Sozialpädagogin entwickelte das Konzept, um Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren auf spielerische Weise für die tägliche Zahnpflege zu begeistern und ihnen ein Gefühl für den eigenen Körper zu vermitteln.

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