
The Bad, the Good and the Ugly
„Eine attraktive Homepage ist zum wichtigsten Marketinginstrument geworden“ –
Die Praxishomepage hat sich – wie auch die Implantologie – längst etabliert. Beide Themen sind aus einer modernen, strategischen Zielsetzung nicht mehr wegzudenken, und beide Bereiche zeichnen sich durch ständige Entwicklungsprozesse und Innovationen aus. Für die Pioniere der Implantologie (Prof. Per-Ingvar Brånemark und Prof. Andre Schroeder) standen rein funktionale Aspekte im Vordergrund. Osseointegrierte Implantate der ersten Generation sitzen auch heute noch fest im Knochen. Zu Beginn des Internets war es wichtig, erst einmal im Netz vertreten zu sein. Über die ersten Homepages aus den Anfängen stolpert man leider auch noch im World Wide Web.
The Bad Für das www wurden anfänglich Inhalte und Gestaltungsmerkmale aus Printmedien einfach gedankenlos übertragen. Diese Internetauftritte schrecken seitdem so manchen Surfer ab. Die zweite Generation der Homepages legte mehr Gewicht auf Kreativität und Animation. Zur Zeit der Boris-Becker-Plug-and-Play-Versprechungen wurde Coolness zum wichtigen Gradmesser von gutem Webdesign. In der Implantologie drehte sich damals noch alles um die Entwicklung neuer Oberflächen und Sofortbelastungskonzepte, an die sich heute niemand mehr gerne erinnert. Flashverliebte Homepagegestalter arbeiteten mit einem Feuerwerk von animierten Blinkern, sich drehenden Illustrationen und ständig wechselnden Überblendern. Passend zu dem avantgardistischen Engagement der kreativen Köpfe waren auch die Rechnungsbeträge der Agenturen.
The Good Mit dem Erwachsenwerden des Internets haben sich die Kriterien für das Web-Design nachhaltig verschoben. „Ästhetische Rehabilitation – ein umfassendes prothetisches Konzept“ – das passt auch zu den neuen, ästhetischen Ansprüchen, die an die Homepage gestellt werden.
Gestaltung: Eine gute Homepage lebt von der Gestaltung und der Qualität der Informationsaufbereitung. Sie prägt entscheidend das Erscheinungsbild, das Image der Praxis und die Erwartungshaltung des Patienten. Eine klare, interessante Gestaltung und verständliche Informationsaufbereitung sorgen für längere Besucherzeiten. Ein gezielt nach Informationen suchender Patient bleibt auf einer Homepage, wenn Inhalte überzeugend, in einem ausgewogenen Verhältnis erklärender Abbildungen und verständlicher Texte präsentiert werden. Nirgendwo ist das Marketing einem höheren Wettbewerb ausgesetzt als im Internet. Priorität hat die Gestaltung, weil diese den Patienten konditioniert, sich weiter mit den Inhalten der Seite zu befassen.
Inhalt: Für den Erfolg einer Homepage ist entscheidend, den Besucher mit Lösungsvorschlägen für sein medizinisches Problem zu halten. Seine Erwartungen und Wünsche bestimmen das Surfverhalten. Von einer implantologisch ausgerichteten Internetseite lernt der ratsuchende Patient, dass ihm die Implantologie wieder Sicherheit in allen Alltagssituationen verspricht. Implantate sind das Synonym für neue Lebensqualität. Die Homepage muss verdeutlichen, dass Implantate schmerzfrei gesetzt werden können, dass implantatgetragene Zähne wie natürliche funktionieren, sich auch so anfühlen und wie diese aussehen. Die Aussicht auf ein prothetisch perfektes Ergebnis motiviert. Wieder fest zubeißen können überzeugt.
Keine wissenschaftlichen Abhandlungen auf der Homepage: Ob das Implantat offen oder geschlossen einheilt ist weder für die Motivation noch für spätere Entscheidung des Patienten relevant. Zu viele Details vorab komplizieren das Beratungsgespräch. Aus Sicht der meisten Patienten ist die Implantologie erfolgreich, wenn die Prothetik ästhetisch überzeugt. Genau das soll die Homepage vermitteln.
Suchmaschinenoptimierung: Eine von Anfang an suchmaschinenoptimierte Homepage arbeitet mit den richtigen Suchbegriffen, die nicht einfach aus einer kostenpflichtigen „Keyword-Datenbank“ entnommen werden sollen. Gute Marketingagenturen programmieren suchmaschinengerecht und machen es diesen einfach, Ihre Homepage zu finden. Sie verzichten konsequent auf Flash und Textinhalte in Imagemaps. Diese sind für Suchmaschinen nicht lesbar. Da Flashprogrammierungen zusätzlich berechnet werden können, werden sie von einigen Agenturen immer noch gerne empfohlen.
The Ugly Dubiose Angebote überteuerter Suchmaschinenoptimierungen, die selten halten, was sie versprechen, sind zu einer neuen Unsitte geworden. Noch schlimmer sind Seminare, die einem die Suchmaschinenoptimierung in wenigen Stunden vermitteln sollen. Erfahrene Informatiker und Programmierer, die sich täglich mit Homepages beschäftigen, stoßen bei dem Thema Optimierung oft schon an ihre Grenzen. „Lasst jedermann das tun, was er am besten versteht“ (Cicero).
Usability und Suchmaschinenoptimierung: Wenn Suchmaschinenoptimierung zum alleinigen Erfolgskriterium wird, wird die Homepage zur Designer-Hausmannskost. Agenturen greifen dann gerne zu schon vorhandenen Content-Management-Systemen, in deren Gestaltungsraster die Homepage gequetscht wird. Das Resultat sind Homepages in einem grafischen Einheitsbrei. Dieser neue Trend führt in eine Sackgasse. Was nutzen Besucher, die nach dem zweiten Klick erschrocken die Seite verlassen?
Empfehlung: Die Medienpräsenz der Implantologie sorgt für erhöhte Aufmerksamkeit. Eine attraktive Homepage, die patietengerecht das Thema Implantologie aufbereitet, ist zum wichtigsten Marketinginstrument geworden. Lassen Sie sich von einer Agentur die erfolgreiche Vermarktungen des Themas Implantologie präsentieren, bevor Sie sich an diese binden.
In der aktuellen Euphorie der „Nach-Schmidt-Ära“ empfehlen wir, Angebote zu hinterfragen und die vom Präsidenten der Bundesärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe geforderte „neue Vertrauenskultur im Gesundheitswesen“ nicht in die virtuelle Welt der neuen Medien zu übertragen.
Herbert Kogel, Aachen
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 44/09 auf der Seite 14.

Herbert Kogel studierte Wirtschaftswissenschaften an der RWTH Aachen.
Er war von 1995 bis 2002 Bereichsleiter Marketing bei Nobel Biocare. Im Jahr 2002 gründete er mit erfahrenen Experten aus Pharma, Medizintechnik und Marketing die Agentur Hoc Modo (www.hoc-modo.de), die exklusiv Zahnarztpraxen, Oralchirurgen, MKG-Chirurgen und Zahnkliniken betreut. In den Jahren 2004 und 2005 war Kogel Bereichsleiter Marketing und Mitglied der Geschäftsführung bei der Straumann GmbH.
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