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24. August 2010 |  Politik aktuell

Berufstätigkeit steht und fällt auch für Zahnärztinnen mit der Kinderbetreuung

Umfrage der BLZK unter Zahnärztinnen zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Dr. Alexandra Reil: „Wir brauchen bessere Vernetzung und bessere Kooperationsmöglichkeiten“ –

 

In immer mehr Zahnarztpraxen sind heute Zahnärztinnen tätig, sei es selbstständig oder – in steigender Zahl – auch angestellt. Nach den Prognosen des Instituts der Deutschen Zahnärzte von 2005 wird der Frauenanteil bei den Berufsausübenden bereits 2017 mehr als 50 Prozent betragen. Bei den Studienanfängern in der Zahnmedizin haben die jungen Frauen an einigen Universitäten Anteile von 80 Prozent, und auch beim Anteil an den Studienabgängern haben sie vielfach mit ihren männlichen Kommilitonen gleichgezogen oder sie überholt. Viele dieser jungen Zahnärztinnen wünschen sich Familie.

Dr. Alexandra Reil und BLZK-Präsident ZA Michael Schwarz. – Foto: BLZK

Wie es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktuell bestellt ist, welche Wünsche sie haben und was sich auch in der Berufs- und Standespolitik tun muss, wollte die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) auf Initiative Dr. Alexandra Reil, Vorstandsmitglied im Zahnärztlichen Bezirksverband Oberpfalz, nun von den bayerischen Zahnärztinnen wissen. So wurde im Mai dieses Jahres 4.283 Zahnärztinnen ein detaillierter Fragebogen zugesandt, gut 30 Prozent davon kamen ausgefüllt zurück. Über die Ergebnisse dieser Befragung und die Konsequenzen daraus sprachen Dr. Reil und BLZK-Präsident ZA Michael Schwarz in einem Interview mit der DZW – Die ZahnarztWoche.

DZW: Die Zahnmedizin wird weiblich, heißt es in den Zukunftsprognosen zur Entwicklung des Berufs Zahnärztin/Zahnarzt seit einigen Jahren. Deutlich mehr junge Frauen als junge Männer beginnen heute ein Zahnmedizinstudium, auch weil sie oft einen besseren Abiturdurchschnitt haben und so an ihren männlichen Mitbewerbern vorbeiziehen. Wie viele Zahnärztinnen gibt es heute in Bayern, und wie sehen Ihre Prognosen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte aus?
ZA Michael Schwarz: Heute zählen die acht Zahnärztlichen Bezirksverbände 5.163 Kolleginnen zu ihren Mitgliedern, vor zehn Jahren waren es 3.895. Insbesondere die Zahl angestellter Zahnärztinnen steigt. Die Entwicklung überrascht uns jedoch nicht; auch in den anderen Heilberufen wächst der Anteil weiblicher Berufsträger. Es zeigt sich, dass der freie Heilberuf zumindest für Frauen an Attraktivität – trotz sich verschlechternder Rahmenbedingungen – nichts verloren hat.

DZW:  Sie haben jetzt – unterstützt vom Institut der Freien Berufe Nürnberg – gezielt Zahnärztinnen in Bayern nach ihrer Lebenssituation und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefragt. Der Rücklauf war mit 30 Prozent sehr hoch, auch wurden die Fragen sehr genau beantwortet. Hat Sie das überrascht?
Schwarz:
Schon 2007 hat die Bayerische Landeszahnärztekammer eine große Umfrage unter den Kolleginnen und Kollegen durchgeführt. Bereits da lag die Beteiligung bei über 25 Prozent. Die Ergebnisse haben wir unter der Überschrift „Zukunft der Praxis – Praxis der Zukunft“ publiziert. Mir persönlich zeigt die Beteiligung, dass große Teile des Berufsstands sich nicht damit zufrieden geben, alle vier Jahre einmal zur Wahl gerufen zu werden. Viele wollen mitreden, wollen auch mitgestalten. Dafür werden wir in den nächsten Jahren neue Beteiligungsformen schaffen müssen. Wir brauchen neue Formen der Partizipation. Das ist eine große Herausforderung für die Selbstverwaltung, aber auch eine große Chance.

DZW:  Gut ein Drittel der Zahnärztinnen gab an, keine Kinder zu haben. Ein knappes Drittel hat zwei Kinder, fast 24 Prozent haben ein Kind. Dabei war der Anteil der angestellten Zahnärztinnen unter den Kinderlosen sehr hoch. Gibt es hier eine Korrelation mit dem Alter, das heißt, sind unter den Angestellten vielleicht sehr viele junge Kolleginnen, die noch vor der Familienphase stehen?
Schwarz: Für mich ist hochinteressant, dass die Entscheidung für Beruf und Kinder keine Entweder-Oder-Entscheidung ist. Das sehen wir an den Antworten der Teilnehmerinnen dieser Umfrage. Wobei die Kolleginnen, die beides unter einen Hut bringen, meine größte Hochachtung haben. Erst recht, wenn sie sich dann auch noch für die Mitarbeit in der Selbstverwaltung entscheiden. Die Zahl der angestellten Zahnärztinnen ohne Kinder muss man in der Tat vor dem Hintergrund sehen, dass dazu auch Kolleginnen zählen, die sich noch in der vertragszahnärztlichen Vorbereitungszeit befinden und von daher zunächst berufliche Prioritäten setzen.

DZW:  Ein sehr hoher Anteil der Teilnehmerinnen – 75,6 Prozent – hat angegeben, ohne Kinder heute vermutlich ein höheres Einkommen zu haben. Machen sich die Zahnärztinnen auch Sorgen um ihr Auskommen im Alter?
Dr. Alexandra Reil: Diese Aussage muss uns natürlich zu denken geben. Aber es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, dass sich die überwiegend von Frauen geleistete Erziehungsarbeit in den Familien eher negativ auf deren Einkommen und dementsprechend auch auf die Altersversorgung auswirkt. Viel wichtiger aber ist die Erkenntnis, dass sich auch Akademikerinnen dennoch für Kinder entscheiden. Eine der Befragten schreibt: „Trotzdem sind die Kinder letztlich das Aller-, Allerbeste!“ Das trifft es gut.


DZW:  Ganz oben an steht der Wunsch nach besseren Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Das ist im Freistaat Bayern ja auch ein politisches Thema, andere Bundesländer sind in der Frage Ausbau der Betreuung für Kleinkinder und nicht zuletzt für Schulkinder schon weiter. Werden Sie dieses Thema im Interesse der Zahnärztinnen gegenüber der Landesregierung künftig auch aufgreifen?

Reil: Viele von uns sind ja auch in der Kommunalpolitik engagiert, auch dort muss man ansetzen. Da könnte die Kammer Anleitungen – auch für eigene Initiativen – entwickeln. Das Problem ist natürlich, dass wir als Freiberuflerinnen – anders als die Industrie – in kleinen Einheiten arbeiten und denken. Deshalb muss die Vernetzung der Betroffenen verbessert werden. Und auch die Kooperationsmöglichkeiten sind zu verbessern. Hier stehen wir noch ganz am Anfang. Eine Teilnehmerin beschreibt die Praxisgemeinschaft von mehreren Zahnärztinnen mit mehr oder weniger gleichaltrigen Kindern als sehr gutes Modell. Da lässt sich dann vielleicht sogar die Kinderbetreuung untereinander regeln. Vielleicht ließen sich die Betreuungsstunden ja auch auf die jeweils vereinbarte Arbeitszeit anrechnen? Da sind kreative Vertragsformen gefragt, bei denen uns die Juristen unterstützen müssen.

(Artikel gekürzt)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 34/10 auf Seite 1.

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