Jetzt Kunstkalender 2012 bestellen! Nur begrenzte Stückzahl...

31. August 2010 |  Kommentar

Die große Enttäuschung

von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall –

 

Vom einstigen jungen Hoffnungsträger der FDP in der Gesundheitspolitik ist nicht mehr viel übrig, so scheint es. Umfragen unter Apothekern und Ärzten bescheren ihm Kellerplätze in der Wertschätzung. Bei den Apothekern ist er unten durch, so zumindest die jüngste Umfrage. Die Hausärzte laufen Sturm gegen seine Sparpläne. Und auch in den Medien – so kürzlich im Spiegel – bekommt der junge liberale Minister keine Bonuspunkte. Immer wieder vorgeführt von seinen Widersachern in der CSU, ohne neue Konzepte für die Probleme des Gesundheitswesens, sondern mit dem Griff in die Kiste der üblichen Kostendämpfungsmittelchen, die sich schon unter seinen Vorgängern als nur kurzzeitig wirksam erwiesen haben – Philipp Rösler bekommt derzeit von keiner Seite gute Noten.

Dr. Marion Marschall

Auch die Zahnärzte sind vielfach enttäuscht, starteten in Niedersachsen sogar eine Postkartenaktion mit Mahnungen an ihren Landsmann in Berlin. Ob tatsächlich alle Zahnärzte in Niedersachen „sauer“ auf Rösler sind, darf man bezweifeln. Dort ist KZV-Wahlkampf, da ist Aufmerksamkeit bei den Kollegen durchaus willkommen. Die vonseiten des dortigen FVDZ gleich bekundete Treue zum Minister werden viele Zahnärzte aber ebenso kaum mittragen wollen.

Schaut man aber genauer hin, so sind nicht Rösler und die FDP allein die Enttäuschung für viele Hoffnungen der Heilberufler und Apotheker. Die wirklich große Enttäuschung für die Zahnärzte in dieser „bürgerlichen Koalition“ ist eigentlich die Union. Und hier nicht nur die CSU mit ihrem ewigen Störfeuer gegen Rösler, sondern auch ganz wesentlich die CDU. Während das FDP-geführte Ministerium zum Beispiel in seinen Entwurf des neuen GKV-Finanzierungsgesetzes die Wünsche der Standespolitik zur Entbudgetierung  aufgenommen hatte, sind diese wohl vor allem auf Betreiben der CDU nun aus dem Referentenentwurf wieder verschwunden. Sie sollen in die Reform der ambulanten Versorgung aufgenommen werden, heißt es aus der Union. Aber ob diese Reform, für die die ersten Gespräche im Spätherbst dieses Jahres laufen sollen, jemals kommen wird, wer weiß das schon?

„Sauer“ sind auf jeden Fall die Kolleginnen und Kollegen in den neuen Bundesländern und Berlin, und das mit Recht. Denn die angekündigte Honoraranpassung Ost-West klingt besser, als sie bei näherem Hinsehen tatsächlich ist. Ab 2013 bis 2014 ganze 5 Prozent mehr, in Berlin nur 4 Prozent, und das noch auf der Basis eines Punktwerts und eines Volumens, die zuvor zwei Jahre lang nur um die Hälfte der Grundlohnsummensteigerung wachsen dürfen – das wird im besten Fall die Hälfte dessen, was die Zahnärzteschaft auf aktuellem Stand als nötig errechnet hat. Eine echte Angleichung rückt damit noch weiter in die Zukunft.Während die Ärzte ihre Reform und damit mehr Geld noch unter Schwarz-Rot bekommen haben, werden die Zahnärzte nun ein zweites Mal auf später vertröstet. Dafür kommen neue Zumutungen auch aus Unionskreisen in die Diskussion, so die Gewerbesteuerpflicht auch für Freiberufler.

Dass gespart werden muss im Gesundheitswesen, ist unbestritten. Ob die jetzt von der Standespolitik angekündigten Proteste und Gespräche noch Wirkung zeigen werden, ist ungewiss. Aber eins ist wichtig: Die Politik immer wieder daran zu erinnern, dass sie mit anderen Plänen angetreten ist und nun in die gleiche unstrukturierte Streich- und Sparpolitik verfällt wie ihre Vorgänger seit gut 20 Jahren. Viele Menschen in Deutschland, nicht nur die Zahnärzte und Heilberufler, wollten einen Wandel, sie wollten echte Reformen, als sie FDP und Union mit ihren Stimmen vor gut einem Jahr zum Wahlsieg verhalfen. Daran kann man Merkel und Co. gar nicht oft genug erinnern.

Eigenen Kommentar hinzufügen

* - obligatorisches Feld

*




*

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.
Drucken / als PDF ausdrucken
DZW im Abo

DZW im Abo

Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement

DZW TV

DZW TV

Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf
interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.

Kommende Veranstaltungen

Abrechnung Herbst-Seminar = GOZ-Power-Seminar 08.02 Fulda
Abrechnung Herbst-Seminar = GOZ-Power-Seminar 08.02 Frankfurt
Abrechnung Herbst-Seminar = GOZ-Power-Seminar 09.02 Heidelberg
alle Termine öffnen
Hier gelangen Sie zum Umfragearchiv.