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24. August 2010 |  Kommentar

Mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Frauen – und für Männer

von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall –

 

Die Zahl der Zahnärztinnen unter den „Berufsausübenden“ steigt, und sie wird es weiter tun. Vor Jahren sprach ein Standespolitiker angesichts der Prognosen des Instituts der Deutschen Zahnärzte schon von der „drohenden Feminisierung des Berufsstands“. Klar ist, dass sich damit das Bild der zahnärztlichen Berufsausübung verändern wird. Schon heute ist ein Trend zur Berufsausübungsgemeinschaft, aber auch zur – zeitweisen – Angestelltentätigkeit zu erkennen.

Ob dies auf Dauer so sein wird, vermag man heute noch nicht zu sagen. Sicher wird es weiterhin überwiegend freiberuflich und selbstständig tätige Zahnärzte und Zahnärztinnen geben, aber gerade jetzt ist bei den möglichen Formen der Berufsausübung so viel im Fluss, dass genaue Prognosen zu den Praxis- oder Arbeitsformen der Zukunft – angestellt in MVZ, Zweigpraxis, Praxisklinik, selbstständig in eigener Praxis oder im Praxisverbund, Franchise-Ketten – kaum möglich sind.

Zahnärztinnen sind genauso erfolgreich als Praxisinhaber tätig wie ihre männlichen Kollegen, aber viele von ihnen zahlen für den realisierten Wunsch, auch Kinder zu haben, durch die damit verbundene Doppelbelastung einen hohen Preis. Das zeigt auch die aktuelle Umfrage der Bayerischen Landeszahnärztekammer (siehe Seite 1). Wie bei fast allen berufstätigen Frauen steht dabei die Forderung nach mehr, qualitativ besseren und flexibleren Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs ganz oben an, aber auch der Wunsch nach flexibleren Arbeitsmöglichkeiten.

Die erste Forderung können auch Kammern und KZVen auf Landesebene unterstützen, bei der zweiten sind sie aktiv und gemeinsam gefordert: Es gibt noch immer eine Reihe von Vorschriften und Regelungen für die (vertrags-)zahnärztliche Tätigkeit, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren. Das gilt für Anwesenheitspflichten, für Weiterbildungsvorschriften, auch für die Beschäftigung von Vertretungen oder angestellten Zahnärzten.

Ein weiterer Punkt ist die finanzielle Absicherung im Alter, die offensichtlich vielen Frauen Sorge bereitet. Darauf müssen sich die Versorgungswerke einstellen, damit Frauen am Ende für die Doppelbelastung Beruf und Kind nicht noch mit niedrigen Bezügen zahlen. Immerhin 75 Prozent der Teilnehmerinnen an der Bayern-Umfrage meinten, sie hätten ohne Kinder heute ein höheres Einkommen.

Mehr Zahnärztinnen in die Standespolitik – die Aufforderung steht, und man kann sie nur unterstreichen. Momentan allerdings sieht es hier mehr als düster aus: Nach dem Ausscheiden von Dr. Brita Petersen in Bremen und Dr. Antoinette Röttele in der Bezirkszahnärztekammer Freiburg gibt es keine Frauen mehr unter den Kammerpräsidenten. Und bei den hauptamtlichen Vorständen der KZVen ist aktuell Dr. Ute Meier in Baden-Württemberg die einzige Frau auf weiter Flur. In vielen Kammervorständen sucht man derzeit Frauen vergeblich, in KZV-Vorständen ohnehin. Das liegt auch an den immer noch herrschenden Strukturen und Umgangsformen in den standespolitischen Gremien.

Aber es gibt Bewegung und positive Beispiele, wie sich Frauen in die Berufs- und Standespolitik einbringen können – auch ohne gleich von berufspolitischen Gruppierungen vereinnahmt zu werden. Wenn Bayerns Kammerpräsident jetzt erklärt, dass es neue Beteiligungsformen für die Zahnärztinnen und Zahnärzte und mehr Zahnärztinnen in der Selbstverwaltung braucht, so kann man ihm nur zustimmen. Man wird sehen, wie es nach der Kammerwahl in Bayern damit weitergeht.

Gut beraten sind auf jeden Fall alle, die dieses für die Zukunft des Berufsstands überaus wichtige Thema ganz oben auf ihre Agenda setzen und diese neuen Beteiligungsformen schaffen. Damit – überspitzt gesagt – nicht weiter alte Männer Politik für junge Frauen machen. Und damit junge Zahnärztinnen und Zahnärzte künftig Familie und Beruf – der für viele immer noch Berufung ist – besser vereinbaren können. Denn in einem Punkt stimmen bei allen Belastungen alle Zahnärztinnen und Zahnärzte mit Kindern überein: Es ist schön, Kinder zu haben.

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