03. März 2010 |  Politik aktuell

„Für eine private, qualitätsorientierte Zahnheilkunde“

Dr. Michael Cramer über die PZVD-Jahrestagung im Kurhaus Wiesbaden –

 

Die Privatzahnärztliche Vereinigung Deutschlands (PZVD) konnte auf ihrer Jahrestagung im Kurhaus Wiesbaden (die DZW berichtete in Ausgabe 3/10) mit einer bemerkenswerten Referentenschar aufwarten. Dr. Wilfried Beckmann, alter und neuer Präsident der Vereinigung, die nach einigen Turbulenzen wieder Tritt fassen konnte, hatte eine interessante Themenfolge zusammengestellt: von „Erfolg und Motivation in Zeiten der Veränderung“ über die „Souveränität für Patient und Zahnarzt“ und die „Kalkulation privatzahnärztlicher Honorare“ bis hin zur kritischen Analyse der aktuellen Politik – eine spannende Veranstaltung.

Motivationstrainer Jörg Löhr zeigte, wie die eigene Sicht von der Brille abhängt, durch die man gerade schaut.

Beckmann hob in seiner Einleitung darauf ab, der privaten Honorierung mehr Raum zu geben, um von denjenigen mehr verlangen zu können, die hohe Kosten verursachen. Gleichmacherei der Honorare belohne den Schnellarbeiter zulasten der Qualität. Die PZVD stehe dafür, bei der anstehenden Novellierung der GOZ ihre Stimme einzubringen für eine private, qualitätsorientierte Zahnheilkunde in Deutschland. Dabei müsse darauf abgestellt werden, dass die Rechnungslegung für den Patienten transparent sei und beide Parteien in der Gestaltung ihrer Rechtsbeziehungen frei sein sollten.

Jörg Löhr, quirliger Motivationstrainer, mischte die Veranstaltung mit seinen kernigen Statements und Forderungen auf. Wenn auch nicht zahnarztspezifisch, konnte er doch viele Anregungen für den Umgang mit sich selbst und besonders mit Mitarbeitern loswerden. Im Ohr blieben seine 72-Stunden-Regel: Was in dieser Zeit initiiert wird, hat zu 90 Prozent Erfolg. Den „Wow“-Effekt schaffe man durch Erhöhung der Ansprüche, durch Bestimmung und Abschaffung limitierender Überzeugungen. Denn begeisterte Zahnärzte schafften begeisterte Mitarbeiter, die begeisterten Patienten, die wieder andere zu begeistern vermögen. Man müsse einfach besser sein, nur mit sich zufrieden sein, reiche zur Begeisterung nicht. Erheiternd seine Demo auf die Sicht der Dinge: Immer abhängig von der Brille, durch die man gerade schaut.

Prof. Arnulf Baring, eloquenter Politologe und Historiker, bewertete die aktuelle Parteienlandschaft; die FDP müsse wieder eingefangen und auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht werden, auch die CDU trete schwach und wenig glücklich auf. Kritisiert wurde das derzeitige Mittelmaß des Schulsystems; der Aufstieg Deutschlands zur Industrienation habe früher an der guten Ausbildung gelegen. Baring forderte eine stärkere Eigenverantwortung und Eigenvorsorge des Bürgers, um nicht alles den politischen Parteien zu überlassen.

Vor dem Referat von Dr. Regina Klakow-Frank zur Honorierung privatärztlicher Leistungen erläuterte Präsident Beckmann das Modell der PZVD für angemessene Honorare in der Privatmedizin. Er forderte einen Zugang zur Privatmedizin in altem Umfang, kritisierte Basistarif und Zusatzversicherungen, medizinische Versorgungszentren und „Rosinenpicken“ zulasten Dritter. Kostenerstattung müsse ohne Abzüge möglich sein, Mehrkostenregelungen und Festzuschüsse seien in vielen Fällen das Mittel der Wahl.

RA Dr. Thomas Ratajczak präsentierte die Entwicklung des zahnärztlichen Gebührenrechts anhand wunderschöner historischer Taxordnungen ab 1623 und Rechnungen. Er konnte zeigen, dass bereits im Dreißigjährigen Krieg eine Gebührenordnung existierte, die aber damals schon durchbrochen werden konnte. Danach gab es Taxen nur für geringe Leistungen, ansonsten freie Vereinbarungen. Die Starrheit des Gebührensystems in Deutschland kam dann erst sehr viel später. Er forderte, mit mehr Kreativität an den Verordnungsgeber heranzutreten und sich nicht allein im Grabenkampf der HOZ zu verbeißen.

Michael Schwarz, Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, machte am Beispiel seiner eigenen physiotherapeutischen Behandlung und parallel an seinen teuren, aber sehr lange haltbaren Luxusschuhen Werbung für die HOZ; sie solle eine individuelle Honorarordnung für jede Praxis sein. Beispielhaft nannte er Österreich, wo eine Honorarordnung nur für Gutachter gedacht ist, welche die Rechnungen von Zahnärzten zu bewerten haben. Seine Einschätzung, dass die HOZ keine Chance habe, ist durch die aktuelle Entwicklung hoffentlich Schnee von gestern.

Interessant dann noch die Vorstellung von Prognos, dem ständig zitierten Kalkulationssystem privatzahnärztlicher Honorare, durch den Geschäftsführer Dr. Axel Seidel. Prognos hat für die Bundeszahnärztekammer ein Schema erstellt, auf das jeder Zahnarzt zugreifen kann und mit dem er anhand betriebswirtschaftlicher Daten und der eigenen Gewinnerwartung seine Honorare kalkulieren kann.

Abschließend die Ausführungen von RA Peter Küpper aus der BLZK zum Unterschied einer Honorierungsordnung und Erstattungsordnung unter einer umfassenden Gebührenordnung. Er hinterfragte kritisch, ob Leistungsträger und Kostenerstatter damit gleichzeitig zufriedenstellend arbeiten können und verwies ebenfalls auf die HOZ sowie auf eine Trennung von Leistung und Erstattung, wenn auch mit finanziellen Risiken für die Zahnärzteschaft.

Dr. Michael Cramer, Overath    

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