
DZV mit Kampfansage gegen Selektivverträge
Nulltarif und Fremdbestimmung „nein Danke“ – DZV will die Patienten mit einer Aufklärungskampagne informieren –
Mit einer bundesweiten Aufklärungskampagne macht der Deutsche Zahnärzte Verband (DZV e.V.) Front gegen die „Selektivverträge“ einiger Krankenkassen. In den Wartezimmern der Zahnarztpraxen informiert nach Angaben des DZV seit Ende vergangener Woche eine Vielzahl von Flyern und Postern die Patienten über Brisanz und Hintergründe dieser Verträge: Zahnersatz zum Nulltarif aus Billiglohnländern, Preisdumping, Einschränkung der freien Arztwahl, gezielte Steuerung von Patienten.
Die Kampagne findet laut DZV breite Zustimmung. Zahlreiche Kassenzahnärztliche Vereinigungen, Verbände, regionale Initiativen und lnnungen unterstützten diese Aktion oder hätten sich bereits angeschlossen.
„Nulltarifangebote werden von einigen Kassen im Zusammenspiel mit Handels- und Managementgesellschaften aggressiv beworben, um Kunden zu gewinnen“, so DZV-Vorsitzender Martin Hendges. „Es wird höchste Zeit, die Hintergründe aufzudecken. Solche Selektivverträge sind schleichendes Gift für unser Gesundheitssystem.“ Obwohl erst einige hundert von insgesamt 55.000 praktizierenden Zahnärzten unterzeichnet haben, sei für den DZV das Maß voll, heißt es in der Presseerklärung des 1999 in Nordrhein gegründeten Verbands. Nach Vorträgen quer durch die Republik, Gesprächen mit Versicherern und Politikern und zahlreichen juristischen Maßnahmen stoße die Kampagne jetzt branchenweit auf hohe Zustimmung.
Der DZV befürchtet durch die Selektivverträge gravierende Folgen für die zahnmedizinische Versorgung der Patienten: „Unsere Patienten werden massiv verunsichert und nicht neutral über die Inhalte solcher Selektivverträge informiert. Vielmehr wirbt man mit vordergründigen und plakativen Versprechen wie Nulltarif, Dumpingpreisen für Professionelle Zahnreinigung und lmplantatversorgungen, ohne die Bedingungen und Pflichten für Patienten klar zu benennen. So wird das so enorm wichtige Arzt-Patienten-Verhältnis erheblich belastet, weil Patienten für gewisse Leistungen in andere Praxen gelotst werden“.
„Therapiefreiheit, freie Arztwahl und freie Entscheidung, welches Labor den Zahnersatz herstellen soll, werden geopfert“, so Hendges. „Hier müssten auch bei der Regierung die Alarmglocken schrillen.“ Werde doch im schwarz-gelben Koalitionsvertrag die freie Arztwahl als Ausdruck eines freiheitlichen Gesundheitswesens und Basis für das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gewürdigt.
Für die Zahnärzte führten fremdgesteuerte Selektivverträge in die Domestizierung und zum Verlust der Solidarität, sind die Initiatoren der Kampagne überzeugt. „Exzessives Preisdumping führt unsere hochwertige Zahnmedizin ad absurdum und zieht Kollegen in einen ruinösen Unterbietungswettbewerb“, konstatiert Hendges. „Die Patientenbeschaffung auf Kosten von Kollegen ist schlicht unmoralisch.“
Bereits im Herbst 2009 hatte die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns als Reaktion auf den ersten bundesweiten Selektivvertrag für Zahnersatz zwischen der DAK und Indento einen Flyer aufgelegt, der unter dem Motto „Ihr Zahnarzt informiert: Vorsicht Mogelpackung – ‚Zahnersatz zum Nulltarif‘ hat Risiken und Nebenwirkungen“ vor „Billigzahnersatz aus dem Ausland“ warnte. Der Flyer war laut KZVB ganz oder teilweise auch von anderen KZVen, so Berlin, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, übernommen und als Patienteninformation für Zahnarztpraxen angeboten worden.
Einige Anbieter von Auslandszahnersatz hatten sich daraufhin gegen die pauschale Abwertung von Auslandszahnersatz als „Billigzahnersatz aus Fernost“ in diesem Flyer verwahrt. Für die dort getroffenen Behauptungen zur Qualität der Zahnersatzversorgungen etc. gebe es keine repräsentativen Untersuchungen der Quellenverweise, die die Argumentation der KZVB stützen könnten.
So kritisierte Dentaltrade, dass der Flyer nur polemische Verunglimpfung statt objektiver Information biete. Fakt sei, dass sich viele Patienten eine Zahnersatzversorgung made in Germany nicht leisten könnten oder nicht leisten wollten. Zahnersatz aus internationaler Produktion habe sich als innovative Gesundheitsdienstleistung definitiv am Markt etabliert, so das Bremer Unternehmem in einer Presseinformation.
Die Autoren des Flyers suggerierten ferner, dass Zahnersatz aus internationaler Produktion aufgrund günstiger Preise deutschen Standards per se nicht entsprechen könne. „Weder Quellen noch Studien stützen diese Argumentation, sodass nebulös bleibt, welche Richtlinien gemeint sind. Zur Erinnerung: zu den Standards in internationalen Laboren gibt es sehr wohl Vorgaben – eben jene, die auch für deutsche Labore gelten. Wobei die Zertifizierung und Ausstattung ebenbürtig sein dürfte, wenn nicht gar besser“, so der Bremer Anbieter von Auslandszahnersatz in seiner Reaktion auf den KZVB-Flyer.
Das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hatte im Juli 2009 eine Studie vorgestellt, nach der im Ausland gefertigter Zahnersatz etwa 10 Prozent der Zahnersatzversorgungen in Deutschland ausmache (die DZW berichtete).
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