
Jetzt sind KZBV und KZVen am Zug
von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall –
Ein echtes Ende der Budgetierung bedeutet das GKV-Versorgungsstrukturgesetz für die Vertragszahnärzte – und sie sind nach wie vor die große Mehrheit der niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte – immer noch nicht. Aber es gibt jetzt gute Chancen, bislang nicht vergütete Leistungen vor allem bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen endlich auch bezahlt zu bekommen und für 2013 und die Folgejahre Honorarvolumina mit den Kassen auszuhandeln, die der regionalen Versorgungsrealität und den tatsächlich erbrachten zahnärztlichen Leistungen gerecht werden. Die strikte Anbindung an die Grundlohnsummensteigerung wird wegfallen, auch wenn der Bundesfinanzminister, der „dank“ steuerfinanzierten Gesundheitskosten immer öfter in die Gesundheitspolitik hineinredet, die Kontrollmechanismen nicht ganz aufgeben wollte.
Jetzt liegt es vor allem in der Hand der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und der regionalen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen), ob mehr und, wenn ja, wie viel mehr Honorar in den Praxen ankommen wird. Immerhin hieß es im Vorfeld der Spar-GOZ-Novelle schon vollmundig aus KZV-Kreisen, jetzt gelte es über das Versorgungsstrukturgesetz via KZVen in der GKV mehr Honorar für die Zahnärzte zu erreichen. Nun sind sie also am Zug.
Den KZVen und der KZBV wird dabei rasch ein ungewohnt strammer Wind der Verhandlungen um die Nase wehen, hatten sich viele doch in den vergangenen fast 15 Jahren „seit Seehofer“ recht gemütlich im streng budgetierten System eingerichtet und Honorarverteilungsmaßstäbe (welch ein Wort!) „gebastelt“, die nicht immer im Interesse der Kolleginnen und Kollegen waren. Die Klagen und Gerichtsentscheide dazu in einzelnen KZVen sprechen dazu eine eigene Sprache, sie haben vor allem den Juristen ein schönes Einkommen beschert.
Die Erwartungen in den von solchen HVM und „Puffer-“ oder „Spartagen“ besonders gebeutelten KZVen sind also entsprechend groß. Die Einschätzung von KZBV-Vize Dr. Wolfgang Eßer im DZW-tv-Interview, dass „grundsätzlich völlig andere Vertragsstrukturen zu entwickeln sind, als wir sie bisher hatten“, stimmt da mit Blick in die Geschichte nicht unbedingt optimistisch. Zumindest sind die Vorbereitungen für die jetzt nötigen Datensammlungen offensichtlich bereits im Gange, man will sich auch untereinander abstimmen und auf die „komplizierten Verhandlungen“ entsprechend vorbereiten.
Wie wichtig gute und valide Daten für die Verhandlungen sind, hat die Zahnärzteschaft gerade bei der GOZ erfahren müssen. Sollen die Möglichkeiten, die im Gesetz für die Vertragszahnärzte stecken, möglichst umfassend in den Verhandlungen mit den Kassen zum Tragen kommen, gilt es jetzt, beherzt auch veraltete „KZV-Glaubensbekenntnisse“ über Bord zu werfen und den Mut zu Neuerungen aufzubringen. Die Kassenseite wird durch die anhaltende Fusionswelle immer mächtiger und agiert längst über Länder- und KZV-Grenzen hinweg. Und auch wenn aktuell mehr Geld im Gesundheitsfonds und in den Kassentöpfen ist als erwartet, ist die Bereitschaft zu Mehrausgaben gerade für die Zahnärzte bei den Kassen mit Blick auf die ungeliebten Zusatzbeiträge mit Sicherheit nicht sehr groß.
Überregionaler Austausch, Rückkopplung mit den anderen KZVen, Lernen von den Besten sind angesagt. Die Kassen werden das auf ihrer Seite mit Sicherheit tun. Und auch wer schon immer alles anders gemacht hat als die anderen, sollte sich jetzt im Interesse aller Kolleginnen und Kollegen mit den anderen abstimmen.
Die Vertragszahnärzte erwarten zu Recht, dass die von ihnen gewählten – und gut bezahlten – Vorstände in KZVen und KZBV das Beste für sie erreichen, nicht zuletzt angesichts der mageren GOZ-Novelle und der von der bürgerlich-liberalen Koalition verordneten „Honorar-Sparjahre“ 2011 und 2012 (Stichwort halbierte Grundlohnsummensteigerung). Nicht „das Schlimmste verhindern“, sondern „das Bestmögliche“ erreichen steht auf der standespolitischen Agenda. Nicht dagegen sein, sondern aktiv gestalten. Dass so etwas – auch im Schulterschluss mit den Kammern – gelingen kann, haben die Zahnersatz-Festzuschüsse gezeigt.
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