
Zurück zu den Wurzeln
von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall *
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, kurz Apo-Bank, hat wieder ruhigeres Fahrwasser erreicht. Noch im vergangenen Jahr wurden sie und ihre Genossenschafter in großen überregionalen Tageszeitungen seziert und mit wenig freundlichen Kommentaren zum „Größenwahn“ der kleinen Heilberuflerbank überschüttet, die auch im großen Finanzgeschäft mitspielen wollte und kläglich auf die Nase fiel. Davon ist aktuell keine Rede mehr. Die Berichterstattung nach der jüngsten Vertreterversammlung in Düsseldorf (siehe DZW 25/11) war selbst in der Finanz- und Wirtschaftspresse wohlwollend-freundlich.
Dabei hatte es auch das vergangene Jahr in sich, eine Verbindung zu einer Affäre um Geschäfte mit Luxusimmobilien und zwei „gegangene“ Vorstände sorgten für Aufsehen. Doch die Art, wie Aufsichtsrat und Rest-Vorstand unter Herbert Pfennig diese Angelegenheit nach innen und außen offen anpackten und für die beiden nach heutigem Stand nicht belasteten Vorstände Mühr und Verfürth zu einem hoffentlich einvernehmlichen Ende führten (so hieß es zumindest), zeigte einen anderen Geist im Haus.
Die Apo-Bank ist als Genossenschaftsbank gegründet worden, und nur als solche wird sie eine Zukunft haben. Zurück zu den Wurzeln – das ist die Linie, nach der Vorstand und Aufsichtsrat die Geschicke der Bank jetzt steuern. Rückbesinnung auf das klassische Existenzgründer- und Finanzierungsgeschäft, Kundenbindung, intensivere Kundenbetreuung, attraktive und solide Angebote in der Vermögensanlage und Vorsorge für Privatkunden heißen die Eckpunkte, wie sie auch jede Sparkasse oder Genossenschaftsbank für sich definiert. Und die sind – neben einigen großen Banken – die schärfsten Mitbewerber um die nach wie vor interessante Klientel der Heilberufler.
Offensichtlich ist es der Bank gelungen, bereits im vergangenen Jahr verloren gegangenes Vertrauen bei den Kunden zurückzugewinnen, ein Zuwachs von 14.000 Neukunden spricht dafür. Jetzt geht es um das Vertrauen der abgewanderten Mitglieder, braucht die Bank doch deren Einlagen, um die strengen Eigenkapitalkriterien von Basel III zu erfüllen.
„Die Bank im Gesundheitswesen“, der „Partner der Heilberufler“ – auch darin stecken in einem sich wandelnden Umfeld noch große Herausforderungen. Eine neue Zielgruppe sind angestellte Ärzte, Zahnärzte und Apotheker, der man sich verstärkt widmen und die man aktiv als Kunden gewinnen möchte. Ihr großer Vorzug, die unbestrittene Expertise in der Finanzierung von Existenzgründungen und Bewertung von Risiken im Gesundheitswesen, belohnt durch sehr niedrige Ausfallrisiken, greift bei dieser Gruppe, die auch von anderen Finanzinstituten intensiv umworben wird, ja zunächst nicht. Und auch bei der Finanzierung von Existenzgründungen hat die Bank in den vergangenen Jahren den veränderten Risiken und Anforderungen Rechnung tragen müssen. Wer Geld haben möchte, dessen Konzept muss stimmen, auch bei der Apo-Bank.
Baustellen gibt es auf jeden Fall noch genug, und auch Risiken wird es weiterhin geben – siehe Griechenland oder Bankenabgabe. Die Mitglieder, die in ihrer Vertreterversammlung noch 2009 den damaligen Vorstand für seine Geschäfte und Versprechen hoch gelobt und gefeiert hatten, sind vorsichtig geworden, der Schrecken sitzt tief. Auch für sie steht Sicherheit jetzt oben an, vor dem Wunsch nach Gewinn und hoher Dividende. Die Wahl eines Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers in den Aufsichtsrat ist ein Zeichen für Professionalisierung, das die VV bewusst gesetzt hat. (Wer dabei mit dem Finger auf die „dummen Heilberufler“ zeigt, wie das im vergangenen Jahr geschehen ist, übersieht, dass es auch genügend Kommunalpolitiker gegeben hat, die ihre Sparkassen in Bedrängnis brachten.)
Der Hauch von Glamour und großer Welt, der die Bank noch vor zwei Jahren umgab, ist futsch. Geblieben ist eine kleine, aber feine, in ihrem Kerngeschäft professionelle, profitable und leistungsfähige Bank für Heilberufler, eine schlichte, normale Genossenschaftsbank. So normal und bodenständig wie der Großteil ihrer Kunden. Und das ist auch gut so.
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