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15. November 2011 |  Kommentar

Licht und Schatten

von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall *

 

Die Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) war das beherrschende politische Thema des diesjährigen Deutschen Zahnärztetags in Frankfurt am Main. „Viel Schatten, wenig Licht“ – so das Fazit eigentlich aller Redebeiträge auf der Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer zu diesem Thema. Dennoch hat sich die Mehrheit der Delegierten nach langem Ringen in beiden Gremien entschlossen, die Politik nicht dazu aufzufordern, diese Novelle zurückzuziehen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Blick in die Zukunft und auf die möglichen Folgen einer Totalablehnung noch mehr Düsternis verhieß.

Daran änderte auch der Auftritt des Bundesgesundheitsministers nichts, dessen Ankündigung, auch nach 2013 noch in diesem Amt sein zu wollen, doch eher als Pfeifen im Walde denn als echte Erwartung aufzufassen war. In seinem dramaturgisch durchaus geschickt angelegten Vortrag wurde aber auch deutlich, wie eng die Grenzen für die Zahnärzteschaft in der GOZ gesteckt waren und wie gering sein Spielraum, aber wohl auch seine Bereitschaft waren, den Zahnärzten mehr von ihren berechtigten Forderungen zuzugestehen und damit Krach in der ohnehin labilen Koalition zu riskieren.

Umso wichtiger erscheinen damit die einheitliche Positionierung der Zahnärzteschaft in ihrer Kritik an der GOZ und der Entschluss, diese GOZ-Novellierung rechtlich vor dem Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen. Das ist sich der Berufsstand schuldig. Das Verfahren wird jedoch dauern – bis dahin gilt es, den niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten alle nur möglichen Hilfen zukommen zu lassen für das Arbeiten mit dieser neuen GOZ. Die Beschlüsse sind gefasst, nun müssen sie rasch mit Leben gefüllt werden.

Hinter die GOZ-Diskussion traten auch die Themen zurück, bei denen sich für die Zahnärzteschaft doch endlich erste Erfolge abzeichneten, so das Versorgungsstrukturgesetz mit der Aufhebung der strikten Budgetierung. Es gibt Veränderungen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), die eine bessere Berücksichtigung des zahnärztlichen Bereichs versprechen. Ein vielleicht für die Praxen wirtschaftlich kleiner, für die politische Arbeit der Zahnärzte aber großer Erfolg ist die  Aufnahme eines ersten Moduls für die bessere vertragszahnärztliche Versorgung von alten, pflegebedürftigen und behinderten Menschen in das Versorgungsstrukturgesetz. Gerade dieses Engagement der Zahnärzte stößt immer stärker auf positive Resonanz in Politik und Öffentlichkeit. Es geht voran bei der Approbationsordnung und bei der Neuformulierung der Lerninhalte des Zahnmedizinstudiums. Ein Lichtblick für die Zukunft des Berufsstands sind auch die in KZBV und BZÄK gefassten Beschlüsse für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Wenig Licht war allerdings nach wie vor bei der Diskussionskultur im Berufsstand selbst zu erkennen, vor allem in der Bundesversammlung. Dass die angekündigten Attacken auf den BZÄK-Vorstand und den Bundesgesundheitsminister milder ausfielen beziehungsweise unterblieben, war wohl zum einen dem unerwarteten Rückzug von BZÄK-Vize Frank geschuldet, der zuletzt im Sommer zur Zielscheibe massiver und sehr persönlicher Angriffe geworden war, die mit der strittigen Sache in keiner Weise mehr zu rechtfertigen waren. Zum anderen war es der Vorsitzende der BV, Dr. Liepe, der mit mahnenden Worten und geschicktem Agieren die angekündigten Proteste umging.

Frankfurt machte zudem erneut klar, dass sich die standespolitischen Strukturen verändern müssen, um den Anforderungen des Wandels im gelebten Beruf gerecht werden zu können. Wer junge Frauen und Männer für die Mitarbeit gewinnen will, muss die Wege überdenken, auf denen Veränderungen angestoßen werden können. Junge Menschen sind heute andere, projektbezogene Vorgehensweisen gewohnt, sie wollen die Erfolge, die Problemlösungen schneller sehen, als sie die Ochsentour des immer noch üblichen Antragswesens zulässt.

Er habe in der Sache kompetent und hart, aber im Ton immer verbindlich verhandelt und sich damit den Respekt seiner Gesprächspartner erworben, erklärte ein früherer BZÄK-Präsident auf die Frage, wie es ihm gelungen sei, die Zahnärzteschaft in Politik und Gesellschaft erfolgreich zu positionieren. Das ist auch für den Berufsstand intern sicher nicht der schlechteste Weg, miteinander umzugehen.

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