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04. Oktober 2011 |  Politik aktuell

„Aus der Konfrontation ist Kooperation geworden“

Anlässlich der 75-Jahr-Feier der Zahntechniker-Innung Rheinland-Pfalz am 1. Oktober 2010 waren sich Zahnärzte und Zahntechniker einig, dass sich aus einer ursprünglichen Konfrontation im Laufe der vergangenen Jahre eine erfreuliche Kooperation entwickeln konnte, die nicht überall selbstverständlich ist. Dies war für DZW-Chefkorrespondent Dr. Karlheinz Kimmel ein guter Anlass, den Präsidenten der Landeszahnärztekammer (LZK) Rheinland-Pfalz, Dr. Michael Rumpf, und den rheinland-pfälzischen Landesinnungsmeister, Zahntechnikermeister Manfred Heckens, über diese positive Situation zu befragen. Daneben war auch die gegenwärtige Lage der Zahnärzteschaft und des Zahntechniker-Handwerks in Rheinland-Pfalz Gegenstand des Gesprächs.

Trafen sich zum Gespräch in Mainz: Dr. Michael Rumpf, Dr. Karlheinz Kimmel und Manfred Heckens (v. l.).

DZW: Im Ursprung ging die Aussage über die gute Kooperation von Ihnen, Herr Kollege Rumpf aus, die von Herrn Heckens gerne bestätigt wurde. Ist es das Bewusstsein, gemeinsam einen Beitrag zum Wohle der Patienten leisten zu können, der aus gewissen Gegensätzen auf der standespolitischen Ebene eine solche Symbiose entstehen ließ?
Dr. Michael Rumpf: Es war mir, aber auch meinen Vorgängern, immer schon ein großes Anliegen, in unserer dentalen Familie Synergien optimal zu nutzen. Dazu gehört für mich in verstärktem Maße eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem zahntechnischen Handwerk, welches für eine optimale und qualitätsorientierte Behandlung unserer Patienten unabdinglich ist.
ZTM Manfred Heckens: Es ist weit unkomplizierter. Wir haben einfach angefangen, miteinander statt übereinander zu reden, und das lange, bevor Dr. Michael Rumpf Präsident der Landeszahnärztekammer wurde. Dabei hat sich eine erfreuliche Kooperation bei der Veranstaltung des Kongresses „Zahnheilkunde“ entwickelt, die jetzt schon viele Jahre mit Erfolg praktiziert wird.

DZW: Es ist – im Rahmen dieser Kooperation – jetzt schon seit einigen Jahren realisiert worden, dass die beiden Landesverbände gemeinsam tagen. Wie kommen diese Kongresse bei Ihren Zahnärzten und Zahntechnikern an?
Rumpf: Unser großer rheinland-pfälzischer Zahnärztetag, der alle zwei Jahre stattfindet, ist so geplant, dass er für alle Beteiligten, also Zahnärzte, Zahntechniker und Mitarbeiter, ein breit gefächertes Programm bietet, das von allen Teilnehmern gemeinsam besucht werden kann. Wir stellen uns schon in der Vorbereitung gemeinsam mit der Zahntechniker-Innung der Herausforderung, Themen zu finden, die von allen Kongressteilnehmern eine gute Akzeptanz finden.
Heckens: Der erste Teil der Frage hat sich bereits alleine beantwortet. Die Zahntechniker-Innung Rheinland Pfalz hat einen erfreulich hohen Organisationsgrad, obwohl die Mitgliedschaft freiwillig ist und keine Zwangsmitgliedschaft; ca. 70 Prozent der Betriebe sind in der Innung organisiert. Das ist für das Handwerk ein überdurchschnittlich hoher Organisationsgrad.

DZW: Im Laufe der Jahre haben die gesundheitspolitischen Reformen nicht zuletzt auch in beiden Berufsbereichen zu erheblichen Problemen geführt. Wie stellt sich die Situation in Ihrer Region heute dar?
Rumpf: Ich glaube, dass wir gerade in jüngster Vergangenheit erleben mussten, dass die Politik den berechtigten Forderungen der Zahnmedizin in keinster Weise Rechnung trägt und die Interessen nach einer präventionsorientierten Ausübung der Zahnheilkunde geradezu missachtet.
Heckens: Für die rheinland-pfälzischen Betriebe gilt die Situation genauso wie für die Betriebe in der gesamten Bundesrepublik. Es gibt hier keine rheinland-pfälzischen Sonderwege. Auch in Rheinland-Pfalz bestehen die gleichen Probleme wie in Berlin oder in Bayern.

DZW: Es sind aber nicht nur die sozialpolitischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die zu Verunsicherungen, ja Rezessionen geführt haben, sondern auch Entwicklungen, die in gewisser Weise auf der Globalisierung auch im Gesundheitswesen beruhen. Die Tendenz – auch von Krankenkassen –, Zahnersatz aus dem Ausland zu forcieren, kann Ihnen sicherlich nicht gefallen. Ist dies auch für Ihre Region ein besonderes Problem oder sind da gerade die rheinland-pfälzischen Zahnärzte ihren einheimischen Partnern treu?
Rumpf:
Hier sehen wir in der Entwicklung gerade im Bereich der Selektivverträge, die von einigen Krankenkassen verstärkt angeboten werden, eine zur Gänze abzulehnende Einflussnahme auf unsere zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen. Nach meinem Wissensstand findet aber dieses Unterfangen – Gott sei Dank – in der Kollegenschaft so gut wie keine Resonanz. Was ich auch im Interesse der Zusammenarbeit mit unseren einheimischen Laborpartnern überaus positiv bewerte und was für das vernünftige Verhalten unserer Kollegen spricht.
Heckens: Erstaunlicherweise stellen wir in Rheinland-Pfalz einen hohen Grad an partnerschaftlicher Treue mit unseren Zahnärzten im Lande fest. Selbstverständlich gibt es auch Ausreißer, die aber nicht generell zur Verschlechterung der Situation führen.

DZW: Die Zahntechniker-Innung Rheinland-Pfalz hat eine Philipp-Pfaff-Medaille als besondere Auszeichnung geschaffen, die anlässlich des Innungsjubiläums erstmals an den LZK-Präsidenten Dr. Michael Rumpf verliehen wurde. Warum wurde der Name des Hofzahnarztes Friedrichs des Großen für die doch regionale Ehrenerweisung gewählt? Und waren Sie, Herr Kollege Rumpf, über diese besondere Ehrung sehr überrascht?
Rumpf: Ich habe mich über diese große Ehrung sehr gefreut, zumal der Preis ja zum ersten Mal vergeben wurde. Diese Ehrung ist für mich Anspruch, die begonnene und erfolgreiche Zusammenarbeit weiter fortzusetzen und die freundschaftliche Basis unseres gemeinsamen Wirkens zu stabilisieren.
Heckens: Zunächst möchte ich feststellen, dass wir mit der Philipp-Pfaff-Medaille kein regionales Instrument zur Auszeichnung von herausragenden Persönlichkeiten aus der Zahnheilkunde gewählt haben, sondern ein Ehrenzeichen, das die Verbundenheit von Zahnheilkunde und Zahntechnik im Sinne Phillip Pfaffs dokumentiert. Phillip Pfaff legte den Grundstock für eine funktionierende zahnärztliche/zahntechnische Versorgungsstruktur. Genau das ist unsere gedankliche Verbindungslinie von der Zahnmedizin zur Zahntechnik. Und genau diese Verbindungslinie soll mit der Auszeichnung der Philipp-Pfaff-Medaille hervorgehoben und gestärkt werden.

DZW: Die DZW – Die ZahnarztWoche ist ja ein Medium, das sich an Zahnärzte und Zahntechniker richtet. Abgesehen von der guten fachlichen und standespolitischen Situation zwischen Kammer, Kassenzahnärztlicher Vereinigung und Innung in Rheinland-Pfalz – haben Sie den Eindruck, dass die früher Einbahnstraße zwischen Praxis und Labor vor allem bei den jüngeren Generationen der Vergangenheit anpgehört? Und was können wir – von Ihnen aus gesehen – noch tun, die Lage zu optimieren?
Rumpf: Eine gemeinsame Publikation, ein gemeinsames Sprachrohr, das beide Berufe erreicht, macht nicht nur Sinn, sondern ist auch eine politische Aussage. Wir stehen voll hinter diesem Konzept.
Heckens: Ich habe nie an eine solche Einbahnstraße geglaubt. Das ist eine völlig verfehlte Vorstellung, die oftmals Standesfunktionären oder berufspolitisch Tätigen, von welcher Seite auch immer, unterstellt wird. Ich denke, auch im Sinne von Philipp Pfaff wäre das Denken in Einbahnstraßen eher ungeeignet, in einer partnerschaftlichen Verbindung zwischen Zahnmedizin und Zahntechnik bei der Versorgung von Patienten, wie wir sie heute leben und immer wieder praktizieren. Die entscheidenden Qualitätsziele von Praxis und Labor sind zufriedene und optimal versorgte Patienten. Nur ein „zufriedener“ Patient wird sich immer wieder im Bedarfsfall an sein Behandlungsteam zurückwenden.  

(Artikel gekürzt)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 40/11 auf Seite 3.


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