17. Juli 2009 |  Ankündigungen

Gesund beginnt im Mund – krank sein oftmals auch

„Tag der Zahngesundheit“ 2009 verdeutlicht die Zusammenhänge

PD Dr. James Deschner

Nachdem der Tag der Zahngesundheit (TdZ) 2008 mit dem Schwerpunkt „Speichel“ die Bedeutsamkeit einer engen Zusammenarbeit von Allgemeinmedizin und Zahnmedizin in die Öffentlichkeit getragen hat, stehen verbindende Themen auch in diesem Jahr wieder im Mittelpunkt: Deren Zusammenspiel ist eine wichtige Grundlage für Diagnose und Therapie verschiedenster Erkrankungen – woraus die Notwendigkeit zu mehr und besseren Informationen hierüber für die Bevölkerung und die Fachöffentlichkeit folgt.

Im Vorfeld der zentralen Pressekonferenz am 11. September 2009 in Berlin, die den Auftakt zu vielen regionalen Veranstaltungen zum TdZ 2009 bildet (der „Tag der Zahngesundheit“ selbst ist seit 1991 in Deutschland stets der 25. September), hat der wissenschaftliche Referent des Aktionskreises, PD Dr. James Deschner von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, einige Beispiele zum Thema zusammengestellt:

„In der Mundhöhle sind zahlreiche Infektions- und Entzündungsherde möglich. Eine folgenschwere und besonders gut untersuchte Erkrankung der Mundhöhle ist die Parodontitis, bei der es aufgrund der Bakterien am Zahnhals und weiterer Faktoren zur Ausbildung von Zahnfleischtaschen, zum Abbau des zahnumgebenden Knochens und letztlich auch zum Zahnausfall kommen kann.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Patienten mit Parodontitis ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und eine schlechtere Blutzuckereinstellung bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) aufweisen. Obwohl die genauen Krankheitszusammenhänge noch nicht vollständig erforscht sind, nimmt man an, dass bei einer Parodontitis Bakterien und Entzündungsmoleküle aus dem Mund in die Blutgefäße des Zahnhalteapparats gelangen und über das Blut zu anderen Stellen des Körpers transportiert werden. In den Gefäßen, die das Herz oder das Gehirn versorgen, können die Bakterien und Entzündungsmoleküle zu Schädigungen, Verdickungen und Verkalkungen der Gefäßwände führen. Zusätzlich können diese Entzündungsmoleküle die Wirkung von Insulin, das unter anderem die Aufnahme von Zucker in Zellen fördert, hemmen. Dadurch verbleiben mehr Zuckermoleküle im Blut, das heißt, der Blutzuckerspiegel steigt an, was besonders bei Diabetikern kritisch ist.“

Andererseits haben Krankheiten Auswirkungen auf die Mundgesundheit: „Obwohl es zahlreiche weitere Erkrankungen (Blutkrebs, Aids) gibt, die einen schädigenden Einfluss auf die Mundhöhle ausüben, sei hier als Beispiel aufgrund der enormen Verbreitung in der Bevölkerung noch einmal der Diabetes erwähnt. Patienten mit einem schlecht eingestellten Diabetes leiden häufiger an einer Parodontitis als Nichtdiabetiker. Bei einem schlecht eingestellten Diabetes können die hohen Blutzuckerspiegel zu einer Veränderung von Proteinen führen.

Solche veränderten Moleküle lagern sich bei schlechter Blutzuckereinstellung vermehrt in den Geweben des Körpers und auch im Zahnhalteapparat ab. Da diese Moleküle entzündungsfördernd sind, wird die durch die Parodontitis hervorgerufene Entzündung im Zahnhalteapparat zusätzlich verstärkt. Als Folge der exzessiven Entzündung kommt es dann zu einem verstärkten Abbau des Zahnhalteapparats, denn mit Zunahme der Entzündung entstehen auch mehr gewebeauflösende Moleküle. Bei übergewichtigen Diabetikern werden außerdem noch Moleküle aus dem Fettgewebe ins Blut freigesetzt, die ebenfalls im Zahnhalteapparat die Entzündung und den Abbau des Zahnhalteapparats fördern.“

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