Mit Gefühl – oder mit 3-D
DGI-Fortbildung zu Chancen und Grenzen bei der Implantat-Planung –
Ein interessantes Manöver boten Prof. Dr. Bernd D’Hoedt und Prof. Dr. Nikolaus Behneke gemeinsam mit Chirurgin PD Dr. Alexandra Behneke den Teilnehmern des DGI-Curriculums Ende 2009 an der Uni Mainz: Innerhalb eines Kursus zeigten beide Professoren anhand von Live-OPs, wie man mit beziehungsweise ohne 3-D an die Planung herangehen kann.
Während Prof. D’Hoedt seine langjährige Erfahrung als „Instrument“ einbrachte und zu einem guten Abschluss seiner Planung kam – bei kleineren Korrekturen beim Vorgehen aufgrund der realen Situation im Mund – diskutierte Prof. Dr. Behneke mit den Kursteilnehmern Schritt für Schritt die 3-D-Aufnahme seines Patienten hinsichtlich vieler zu berücksichtigender Faktoren: „Welche Platzierungsmöglichkeiten gibt es, und welche davon ist hier die beste Lösung?“
Doch auch hier zeigte sich, dass bei der Live-OP von dem zuvor gewählten Vorgehen abgesehen werden musste: An der Stelle, wo an sich ein viertes Implantat im Unterkiefer eingeplant war, erwies sich die biologische Situation in der Realität als nicht ausreichend genug so wurde die geplante Steg-Konstruktion auf drei Stützen positioniert. Prof. Behneke: „Es ist immer abzuklären, ob das 3-D-Bild mit der Klinik korrespondiert.“
Für die Kursteilnehmer war dies eine wichtige Erfahrung, wie sich bei Pausengesprächen zeigte: Noch immer lässt sich die Natur offenbar nicht hundertprozentig in ihre Karten gucken, ständige Wachsamkeit und professionelle Flexibilität bei der Implantation sind und bleiben die Basis einer qualitätsbewussten Versorgung.
Mundhygiene ohne Zähne
Ausgiebig Zeit nutzten die drei gut aufeinander eingestimmten Dozenten für die zahlreichen Implantologie-Neueinsteiger im Kurs mit der Vermittlung wichtiger Grundbausteine, die bei Diagnostik und Implantatplanung zu beachten sind, hier nicht zuletzt mit dem Blick auf die Mundhygiene.
PD Dr. Alexandra Behneke verwies auf eine Mundhygiene-Studie, die einen signifikanten Zusammenhang von Mundhygiene-Qualität und Einfluss auf den marginalen Knochenverlust zeigte. Auch aus diesem Grund spiele die Prüfung der Mundhygiene des Patienten eine große Rolle. „Wie aber beurteilt man das Mundhygieneverhalten bei Zahnlosigkeit?“ fragte dazu Prof. Nikolaus Behneke und gab den Tipp, in solchen Fällen die Prothese zu kontrollieren. Zu beachten sei: „Wer zehn Jahre zahnlos war, hat oft jahrelang nicht mehr Zähne geputzt – das muss so ein Patient erst wieder lernen. Und bedenken Sie auch: Im fortgeschrittenen Alter sind viele Patienten auch manuell eingeschränkt.“
Nicht zuletzt bei Zahnlosigkeit, die oft zu Veränderungen in der Kieferstellung führe, sei es wichtig, vor der Implantatplanung die Kieferrelation, die intermaxilläre Beziehung und die Okklusion zu prüfen und auch auf parafunktionelle Defekte zu achten: „Ein Patient verliert seinen Bruxismus nicht, wenn er zahnlos ist.“
Zahnlosigkeit sei bei Befunderhebung und Planung eine große Herausforderung mit einer langen Liste an zu erhebenden Informationen, die auch systemische Erkrankungen beziehungsweise Medikation berücksichtigen müsse. Der Patient in seiner Gesamtheit sei relevant für die erfolgreiche Insertion und Einheilung. Auf einen anderen Aspekt diesbezüglich verwies Prof. D’Hoedt: „Ich bin ein sehr konservativer Mensch, man könnte auch sagen: Ich bin feige. Ich lasse lieber länger einheilen als das Unternehmen vorgibt. Das sind immer Mittelwerte, die man da erfährt, und so etwas verunsichert mich.“
Spannend wurde es dann für die mehrheitlich weiblichen jungen Teilnehmer im Praxisteil des DGI-Curriculums: Am Schweinekiefer wurden Knochenaugmentation und Transplantat-Entnahme trainiert – für viele jungen Zahnärzte eine erste Gelegenheit, unter fachkundiger Anleitung die Vielfalt verschiedener Instrumente und das richtige Vorgehen auszuprobieren.
„Vor allem auf diese praktischen Erfahrungen legen wir bei unseren Kursen im Curriculum viel Wert“, sagt DGI-Vizepräsident Dr. Gerhard Iglhaut, der als Fortbildungsreferent der DGI in den vergangenen Jahren für die Weiterentwicklung des Curriculums zuständig war: „Implantologie lernt man nicht an einem Wochenende – man sollte schon ausführlich Knochen gefühlt und bearbeitet haben, ehe man sich an seinen ersten Patienten heranwagt. Gerade Neueinsteiger können im Vorfeld nicht wirklich beurteilen, was auf sie zukommt. Hier müssen wir unsere Kolleginnen und Kollegen auf eine sichere Basis führen.“
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