
Kinderbehandlung sichert die Zukunft der Praxis
Kinder als Patienten, womöglich noch als Schmerz- oder Notfallpatienten, lösen in den meisten Zahnarztpraxen nur selten Begeisterung aus. Ganz im Gegenteil. Häufig wird ihre Behandlung als lästig oder auch als störend empfunden, weil sie den routinierten Praxisablauf durcheinanderbringt.
„Dabei gibt es viele gute Gründe, sich auf die Kinderbehandlung einzustellen“, so Prof. Dr. Stefan Zimmer, wissenschaftlicher Leiter des Curriculums Kinderzahnmedizin der Haranni Academie in Herne. „Der wichtigste ist selbstverständlich Kinderzähne gesund zu erhalten, sie – falls notwendig – so früh wie möglich zu therapieren und damit traumatische Zahnarzterlebnisse von vornherein zu vermeiden.“ Außerdem sichern Kinder die Zukunft der Praxis: „Sie sind die Erwachsenen von morgen und schon deshalb lohnt sich ihre Behandlung.“
Kinderbehandlung und die damit verbundenen Besonderheiten spielen im Studium der Zahnmedizin auch heute noch eine Nebenrolle. Dieses stiefmütterliche Vorgehen wird meist in der Praxis fortgesetzt. „Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte halten die Behandlung von Kindern für schwer planbar und bewerten sie deshalb als einen Bereich, der sich für ihre Praxis nicht lohnt.“ Häufig wird diese Behandlung von Assistenten durchgeführt oder es werden nur absolut unaufschiebbare Probleme therapiert. „Das macht die Situation nicht besser, denn sie führt dazu, dass vor allem Kinder mit Schmerzsymptomatik, die deshalb auch unkooperativ sind, behandelt werden.“
Die präventive Zahnheilkunde und zielgruppenorientierte Prophylaxeprogramme haben es ermöglicht, dass sich die Mundgesundheit sowohl bei Erwachsenen als auch bei Schulkindern seit Mitte der 1990er-Jahre deutlich verbessert hat. In der gleichen Zeit wurden aber auch Zahnprobleme wie das Nursing-Bottle-Syndrom festgestellt, die diese positive Entwicklung überschatten. Mit einer Verbreitung von mehr als 10 Prozent erfordert insbesondere die Milchzahnkaries bei Kleinkindern die besondere Aufmerksamkeit der Zahnärztinnen und Zahnärzte und eine frühzeitige zahnärztliche Intervention.
Auch wenn sie nicht ausschließlich Kinder behandeln wollen, in der Betreuung „vom ersten Milchzahn an“ sehen immer mehr Zahnarztpraxen einen wichtigen Aspekt. Kinderzahnmedizin erfordert allerdings spezielles Wissen und damit eine intensive fachliche Fortbildung. Beides wird durch praxiserfahrene Spezialisten und international anerkannte Wissenschaftler in der entsprechenden curricularen Fortbildung der Haranni Academie gewährleistet: Sie stellen die Schwerpunkte der Kinderzahnmedizin jeweils in den Mittelpunkt der neun einzelnen, eintägigen Fortbildungsmodule – angefangen bei der Diagnose und Therapie von Erkrankungen des marginalen Parodonts bei Kindern und Jugendlichen bis zur Milchzahnendodontie und Traumatologie. Selbstverständlich gehören die Vermittlung von kieferorthopädischen Spezialkenntnissen mit den Grundlagen der KfO-Diagnostik und -Frühbehandlung genauso in das Fortbildungsspektrum wie spezielle Restaurationen für das Milch- und Wechselgebiss und die Behandlung von angeborenen oder erworbenen Anomalien.
Zur Kinderbehandlung gehört auch die Kompetenz, mit Kindern (und ihren Eltern) zu kommunizieren und altersgerecht über Prophylaxe-Maßnahmen aufzuklären. Auch die Organisation der Kinderbehandlung in der allgemeinzahnärztlichen Praxis erfordert besondere Fähigkeiten. Erleben Kinder eine präventive, einfühlsame und geduldige Behandlung, bleiben sie ihrem Zahnarzt treu und bringen ihre Geschwister, ihre Eltern und Großeltern als „neue“ Patienten gleich mit in die Praxis. Kinderbehandlung lohnt sich also doppelt. Und letztlich lassen sich Erwachsene, die in ihrer Kindheit nie mit einem traumatischen Erlebnis in der Zahnarztpraxis konfrontiert wurden, viel unkomplizierter behandeln.
Hedi von Bergh, Berlin
Die Termine zu dieser Veranstaltung finden Sie in der DZW 28/11 auf Seite 11.
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