
50 Jahre und noch so gut wie neu
Er ist einfach, aber effektiv: der Elastisch Offene Aktivator (EOA) nach Klammt, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Aus diesem Anlass fand am 29. Januar 2011 in Görlitz ein Symposium statt, das den bedeutenden deutschen Kieferorthopäden SR Dr. Georg Klammt in den Mittelpunkt stellte. Dabei betonten die Organisatoren Prof. Dr. Karl-Heinz Dannhauer (Universität Leipzig) und Dr. Andreas Kumpf (Görlitz) den Vorteil einer frühen funktionskieferorthopädischen Intervention mit geringen Risiken zur Vermeidung schwieriger Spätfälle.
Darüber hinaus rückten die Veranstalter die Integration herausnehmbarer, funktionskieferorthopädischer Geräte in moderne Behandlungskonzepte in den Fokus. Einen Höhepunkt der Veranstaltung bildete eine Tischdemonstration der originalen Klammtschen EOA-Modifikationen aus der Sammlung des kieferorthopädischen Fachlabors Orthos mit Standorten in Oberursel und Tröbsdorf, das das Klammt-Erbe seit seinem Tod bewahrt.
SR Dr. Georg Klammt gilt als Pionier der Funktionskieferorthopädie. Zwischen 1950 und 1960 leistete er einen maßgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung seines Fachgebiets. In einem ersten Schritt entwickelte er den Offenen Aktivator, einen klassischen Aktivator mit Dehnschraube, bei dem auf anteriore Kunststoffanteile bereits verzichtet wurde. In der täglichen Anwendung veränderte Dr. Klammt als geschickter und einfühlsamer Praktiker die Konfiguration des Geräts systematisch. Durch die Eliminierung weiterer Kunststoffanteile und die Verwendung der Coffinfeder vergrößerte er den Funktionsraum der Zunge, wodurch den Patienten das Sprechen einfacher fiel und somit die Tragedauer des Geräts erhöht werden konnte. Die Bedeutung der Zunge als aktiver Faktor für die biologische Wirkung des EOA spielte für Klammt eine bedeutende Rolle. Sein Ziel war es, nicht nur die Formabweichung von der Norm zu beseitigen, sondern Wachstums- und Entwicklungsprozesse biologisch zu steuern.

- Die lange Tragezeit von 14 Stunden pro Tag ist durch den hohen Tragekomfort für die Patienten kein Problem.
Klammts Ideen fanden auch in der Zeit der deutschen Teilung über die regionalen Grenzen hinaus deutschlandweit und international Verbreitung, Akzeptanz und Beachtung. Durch die einfache technische Herstellung und universellen Anwendungsmöglichkeiten des EOA hat er sich bis heute einen hohen Stellenwert in der Funktionskieferorthopädie gesichert. „Mit dem EOA steht uns ein bewährtes funktionskieferorthopädisches Behandlungsgerät zu Verfügung, das auch unter den Bedingungen einer modernen Multibracket-Praxis seinen festen Platz im breiten therapeutischen Spektrum der Kieferorthopädie behauptet“, bekräftigt Dr. Andreas Kumpf.
Während die meisten Therapien auf kräfteerzeugende Schrauben, Federn und Bogenelemente für die Ausformung von Zahnbögen und einer stabilen Okklusion setzen, verzichtet die Funktionskieferorthopädie auf diese, indem ein kieferorthopädischer Gewebeumbau durch eine funktionelle Reizwirkung angestrebt wird. Der EOA ist ein von Patienten als sehr verträglich eingeschätztes Therapiemittel mit hohem Tragekomfort. Durch die wesentliche Skelettierung der Aktivatorbasis ist ein Tragen des Geräts am Tag unproblematisch. Die dadurch mögliche, lange Tragezeit von etwa 14 Stunden pro Tag bewirkt auf biologische, formative Weise eine effiziente therapeutische Verbesserung.
Eines hat das Görlitzer Symposium laut Kumpf deutlich gezeigt: Der rege Zuspruch ist als positives Zeichen zu werten, dass der EOA nach Klammt und funktionelle Therapieansätze wieder zunehmend Beachtung in Zahnmedizin und Kieferorthopädie findet. Es sei vor allem aus Sicht des Patienten wünschenswert, sich auch künftig mit dem Thema wissenschaftlich konstruktiv auseinanderzusetzen.
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