Chance Praxis - Das Fachmagazin für Praxisgründer

07. November 2011 |  Berichte

„Bewegung in die Zukunft“

Ein spannendes Wochenende veranstaltete die goDentis – Gesellschaft für Innovation in der Zahnheilkunde mit ihrem diesjährigen Anwendertreffen im Brühler Phantasialand. Rund 250 Anwender waren der Einladung gefolgt und genossen am 28. und 29. Oktober 2011 die Mischung aus fundierten Fachinformationen und abwechslungsreicher Unterhaltung.

Das zentrale Thema lautete „Bewegung“ – nicht ohne Grund, hat sich doch auch für das Kölner Unternehmen im Jahr 2011 viel getan: Allem voran die Neuausrichtung des goDentis-Mutter-Unternehmens DKV, die auch einen Wechsel in der Geschäftsführung der goDentis mit sich gebracht hat. Mit Dr. med. dent. Thomas Kiesel und Dr. med. dent. Björn Eggert stehen zum ersten Mal zwei Zahnärzte in der Verantwortung für das Unternehmen (siehe auch nebenstehenden Kasten). Dr. Kiesel übernimmt die Geschäftsleitung ergänzend zu seiner Funktion als Leiter der zahnärztlichen Fachabteilung der DKV. Außerdem erlangte goDentis den vierten Platz im Wettbewerb „Deutschlands Kundenchampions“, startete ein spannendes Pilotprojekt zum Thema „Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Zahnärzten“ zusammen mit der Stiftung IDI-Paro und dem Dentalunternehmen GlaxoSmithKline und schloss nicht zuletzt eine Kooperation mit der Deutschen Chirurgie-Stiftung.

„Miteinander funktionieren“ – in der Praxis und praxisübergreifend

Beim Pre-Kongress am 28. Oktober waren gleich zwölf interessante Workshops und Vorträge zu hören. Die praxisbezogenen Themen wie „Professionelles Beschwerdemanagement“, „Rückenschonendes Arbeiten im Alltag“ oder „Parodontitisfrüherkennung mit dem Periomarker“, aber auch das dreistündige Seminar „QM-Refresher“ veranschaulichten erneut das Credo der goDentis – „Exzellenz in Qualität und Service“ –, welches das Unternehmen auch nach der Neuausrichtung als ein zentrales Kernthema in den Fokus stellt.

Eine wichtige Säule, um in einer Zahnarztpraxis Qualitätsarbeit leisten zu können, ist ein gutes Team. Doch was macht ein Team zu einem begeisterten Team – und wie kann der Zahnarzt selbst sein Team begeistern? Welche Kriterien sind für ein funktionierendes Miteinander in der Praxis relevant? Antworten darauf vermittelte Klaus Schenkmann, Coach und Praxisberater der goDentis-Akademie, in seinem Vortrag „Teamanalyse – Baustein für den Praxiserfolg“. Erst durch eine genaue Teambefragung kämen die Defizite innerhalb des Teams zum Vorschein, erst durch Struktur und klare Rollenverteilung, aber auch die Fähigkeit, mit Kritik umgehen zu können, schaffe eine „Bewegung in die Zukunft“, so Schenkmann. (Mehr zum Thema Teamgeist von Klaus Schenkmann lesen Sie auch in der kommenden Ausgabe von Chance-Praxis. Das Magazin für junge Zahnmediziner 4/2011, das am 7. Dezember erscheint.)

Neben den hohen Qualitätsstandards, insbesondere für Prophylaxe und Prothetik, tritt bei goDentis auch ein Konzept für die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Hausärzten und Spezialisten in den Fokus. Dies zeigte sich ebenfalls schon beim Pre-Kongress im Vortrag von Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Joos, Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie der Universität Münster und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Chirurgie-Stiftung, mit der die goDentis eine Kooperation initiiert. Die Deutsche Chirurgie-Stiftung hat sich der Qualitätssicherung in der Chirurgie allgemein verschrieben, zahnärztliche Chirurgie bietet hier einen besonderen Schwerpunkt. Joos stellte in seinem Vortrag „ Postgraduale Fortbildung – Zeitverschwendung oder Chance?“ die Möglichkeiten und Angebote der Deutschen Chirurgie-Stiftung vor. Ziel der Initiative ist es, die chirurgische Spitzenversorgung flächendeckend sicherzustellen – und dies sei nicht grundlos notwendig, so Joos, denn die universitäre Ausbildung lasse klare Lücken erkenn. „Wir mussten in unserer Abschlussprüfung noch eine Wurzelspitzenresektion durchführen“, so Joos. „Heute wird leider nur noch sehr viel am Phantomkopf erarbeitet.“ Mit gemeinsamen Qualifizierungsprogrammen der Deutschen Chirurgie-Stiftung und der goDentis will man goDentis-Partnerzahnärzte unterstützen, hier eventuelle Wissenslücken zu schließen und auf dem aktuellen Stand der chirurgischen Forschung und Versorgung arbeiten zu können. Dazu sollen zum Beispiel eine Online-Fachberatung oder aber eine regelmäßige Fallpräsentation, bei der Zahnärzte ihre Problemfälle diskutieren können, dienen.

Prophylaxe – richtig oder gar nicht

Den Kongress am 29. Oktober eröffnete Silke Lautenschläger, Mitglied des Vorstands der DKV Deutsche Krankenversicherung AG und verantwortlich für den Bereich Leistung und Versorgung. Auch Lautenschläger betonte, dass trotz der Einstellung des aktiven Vertriebs der goDentis auch weiterhin zahnmedizinische Partner gesucht würden, um eine bundesweite Flächendeckung zu gewährleisten. Wichtig sei dabei aber, dass neue Partner auch zur Qualitätsauffassung der goDentis passen müssten. So könne es passieren, dass eine interessierte Praxis schon einmal abgelehnt würde. Dennoch sei das Interesse bei den Praxen groß: So interessieren sich aktuell mehr als 100 weitere Zahnarztpraxen für die Leistungen und das Angebot der goDentis.

Zum Thema „Prophylaxe als Zukunft“ referierte Dr. Dirk Stockleben, Hannover. „Warum Prophylaxe?“ fragte Stockleben zu Beginn seines Vortrags. „Weil es hip ist? Weil es die Kollegen tun, oder weil es Geld bringt?“ Letztlich müsse dies der Zahnarzt selbst entscheiden. Dennoch solle man sich ins Bewusstsein rufen, dass beispielsweise ein Parodontitispatient eine rund sechs Jahre kürzere Lebenserwartung hat. „Ein Parodontitispatient ist immer wieder auf zahnmedizinische Hilfe angewiesen“, so Stockleben. Dennoch versäumten es seiner Meinung nach viele Zahnärzte, gerade Patienten mit kariesfreiem Gebiss auch auf Parodontitis zu untersuchen, die dennoch häufig vorhanden sei. „Nutzen Sie die PA-Sonde“, so Stocklebens Rat. Habe sich ein Zahnarzt für Prophylaxe entschieden, solle sie aber auch richtig und umfassend durchgeführt werden. „Investieren Sie in eine konsequente Betreuung mit der nötigen Diagnostik, Information zur Basistherapie sowie in eine umfassende Gesamtplanung, Zieldefinition und Umsetzung“, empfahl Stockleben. Auch die Mitarbeiter seien in der Pflicht, die Praxisphilosophie mitzuleben, so der Referent abschließend, denn: „Schlechte Kompromisse bezahlen wir am Ende immer mit Misserfolg“.

Prof. Dr. Nicole Arweiler, Direktorin der Abteilung Parodontologie der Universität Marburg, stellte in ihrem Vortrag die „Möglichkeiten der Frühdiagnostik parodontaler Erkrankungen“ vor. „Die Parodontalerkrankung ist den meisten Patienten, aber auch Zahnärzten bekannt“, so Arweiler. In den vergangenen Jahren habe es zahlreiche Entwicklungen gegeben. Dennoch liege ein eklatanter Unterschied zwischen der Anzahl der PA-Behandlungen und dem Vorkommen der Parodontalerkrankung vor: So stünden einer Million PA-Therapien rund 35 Millionen PA-Fälle gegenüber. Arweiler fasste die vier Phasen der Entstehung der Parodontis zusammen und gab einen Überblick über die klassischen diagnostischen Indizes wie Plaque- und Gingiva-Index.
Der BOP-Test (Bleeding on Probing) werde als prädikativer Parameter heiß diskutiert, so Arweiler, denn die Blutung weise lediglich eine Sensitivität von 20 bis 30 Prozent nach. Auch der Nachweis paropathogener Bakterien sei als alleiniger prädikativer Parameter zu wenig aussagekräftig.

Dagegen seien genetische Tests wie der Interleukin-ß-Test als Frühwarnsystem geeignet, denn durch das Testergebnis, dem quantitativen Nachweis der aktiven Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) in der Sulkusflüssigkeit, erhalte der Zahnarzt wichtige Informationen über die zu erwartende Progredienz der Erkrankung sowie über die notwendige Intensität der Therapiemaßnahmen, und das, noch bevor klinische Zeichen sichtbar werden. Derzeit seien die Speicheltests dentoTest sowie der PerioMarkerTest auf dem Markt, die non-invasiv ein schnelles Ergebnis liefern. Als Indikation für den Test erachtete Arweiler Risikopatienten mit Gingivitis und Parodontits, aber auch vermeintlich Gesunde – zum Beispiel vor KfO-Behandlungen, Implantationen oder bei Risikopatienten wie Diabetikern oder Frauen mit Kinderwunsch. Aber auch in der Nachsorge von Parodontitispatienten und Patienten mit Implantaten hätten sich die Tests bewährt, so Arweiler.

Des Weiteren stellte goDentis sein Pilotprojekt zur interdisziplinären Zusammenarbeit vor. Dr. Björn Eggert, Geschäftsführer goDentis, Köln, Dr. Thomas Nahde, GlaxoSmithKline, Bühl, Sylvia Fresmann, leitende Dentalhygienikerin der goDentis-Akademie, Dortmund, Dr. med. dent. Torsten Strenger, Dortmund, und Zahnarzt Jan-Philipp Schmidt, Vorsitzender der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland e.V. (BdzA) und seit 2011 Geschäftsführer der Initiative für Parodontitisfrüherkennung Stiftungs-GmbH (IDI-Paro) und goDentis-Partnerzahnarzt Jürgen Heiermann aus Hamburg erläuterten Konzept, Chancen und Erfahrungen mit dem Projekt. Dabei zeigte sich, dass das Wissen der Allgemeinmediziner und Mediziner anderer Fachrichtungen in Bezug auf die Auswirkungen von Parodontitis auf Allgemeinerkrankungen zwar vorhanden ist, aber für nicht so wichtig gehalten wird. Und das macht deutlich, wie viel Aufklärungsarbeit und Bewusstmachen im Bereich der Interdisziplinarität noch notwendig ist. Eine Herausforderung – aber eine sinnvolle!
  
MG

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