20. September 2011 |  Ankündigungen

Kieferorthopädische Therapie – Prophylaxe und Lebensqualität im Fokus

Vom 21. bis 25. September 2011 findet in Dresden die 84. wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) statt, zu der rund 2.000 Teilnehmer erwartet werden. Nach ihrem ersten Treffen vor 101 Jahren im Königlichen Belvedere und der Tagung 1994 hält die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie ihre Jahrestagung damit erneut in der Elbmetropole ab. Im folgenden Statement erläutert Prof. Andreas Jäger, Präsident der DGKFO und Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Bonn, Programm und Ziele dieser Veranstaltung.

Die Jahrestagung der DGKFO bietet traditionell allen Mitgliedern der Gesellschaft, aber zugleich auch allen an der Kieferorthopädie interessierten Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, sich exklusiv über die aktuellen Entwicklungen in unserem Fach zu informieren. Zugleich werden in vielen der vorgestellten Beiträge aber auch in der Kieferorthopädie bereits etablierte Konzepte und Verfahren auf ihre Bewährung in der Praxis geprüft.

Die Vorbereitung und Organisation der wissenschaftlichen Tagung ist eine wichtige Aufgabe der wissenschaftlichen Gesellschaft. Allgemein besteht die wesentliche Aufgabe in der Weiterentwicklung des Fachs durch Unterstützung und Förderung der Forschung sowohl als naturwissenschaftliche Grundlagenforschung als auch als klinische Forschung. Das Ziel dabei ist es, das Fach Kieferorthopädie langfristig stabil innerhalb einer modernen biomedizinisch orientierten Disziplin Zahnmedizin zu verankern. Auf der anderen Seite gilt es aber auch, die Umsetzung neuer Ideen und ihre klinische Anwendung angemessen zu transportieren. Hier sehen wir unsere Aufgabe in enger Kooperation mit dem Berufsverband der Kieferorthopäden (BDK).
Was die Forschungsförderung betrifft, so hat sich in der jüngeren Vergangenheit in der DGKFO das Instrument der Einrichtung eines „Wissenschaftsfonds zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ als besonders erfolgreich erwiesen. Hier werden Erfolg versprechende wissenschaftliche Projekte nach unabhängiger Begutachtung finanziell unterstützt. In diesem Rahmen wird aktuell eine Vielzahl an Untersuchungen gefördert, die thematisch von Studien etwa zu den biologischen Grundlagen der Zahnbewegung oder des Kiefergelenks bis hin zu der klinisch aktuellen Frage der Verankerung durch Minischrauben reichen. Erstmalig werden wir diesbezüglich auch anlässlich der Tagung in Dresden im Programm ein Parallelsymposium „Wissenschaftlicher Nachwuchs – experimentelle und klinische Forschung“ veranstalten.

Ein weiteres aktuell immer wichtiger werdendes Thema eines Fachs wie der Kieferorthopädie ist, gerade auch in einem sozialpolitischen Kontext, die Frage nach der prinzipiellen Bedeutung unseres Fachs für die Mundgesundheit oder darüber hinaus für die allgemeine Gesundheit. Mit diesem Thema beschäftigt sich zunehmend die Versorgungsforschung. Aus diesem Grund haben wir in Dresden das Thema „Kieferorthopädie und Mundgesundheit“ als erstes Hauptthema aufgenommen. Hier soll insbesondere der Wert der Kieferorthopädischen Therapie als Maßnahme der Prophylaxe diskutiert werden. Aber auch die langfristige Bedeutung für eine mundgesundheitsbezogene Lebensqualität soll herausgearbeitet werden. Hier eignet sich exemplarisch besonders gut auch das zweite Hauptthema unserer Tagung, das sich mit der „Angle-Klasse II/2“ auseinandersetzt. Die Rolle des frontalen Tiefbisses, vor allem auch im Zusammenhang mit funktionellen Erkrankungen des Kausystems oder als Ko-Faktor in der Ätiologie parodontaler Erkrankungen, wird ausführlich und mithilfe einer interdisziplinären Herangehensweise erörtert werden.

Den aktuellen Themen der Kieferorthopädischen Praxis wird dann sicherlich auch im Rahmen der „freien Themen“ sowie in den traditionell zahlreichen Poster- und Videopräsentationen angemessener Raum gewidmet. Hierzu gehören in der Kieferorthopädischen Diagnostik sicherlich vor allem die modernen Möglichkeiten einer dreidimensionalen Darstellung, zum Beispiel mit der Digitalen Volumentomografie (DVT). Hier fühlen wir uns als Fachgesellschaft vor allem in der Pflicht, neben der Darstellung der Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens zu einer Präzisierung in der Indikationsstellung beizutragen. Im Rahmen der Kieferorthopädischen Therapie betreffen sicherlich viele Fragen sowohl vonseiten der Patienten als auch der Kollegenschaft die Lingualtechnik oder die oben bereits erwähnte Technik der Verankerung mithilfe von Minischrauben, welche die von zahlreichen Patienten wenig geliebten extraoralen Behandlungsgeräte in vielen Fällen ersetzen können.

Prof. Andreas Jäger, Präsident der DGKFO, Bonn   


Mehr zum Thema KfO lesen Sie auf den Sonderseiten Kieferorthopädie auf den Seiten 25–34 in der DZW-Ausgabe 38/11.

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