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15. Juni 2010 |  Aus Wissenschaft und Praxis

Knochenkiller Kortison

Ursache der glukokortikoid-bedingten Osteoporose aufgeklärt –

 

Osteoporose ist eine häufige Nebenwirkung bei Langzeittherapien mit Kortison. Wissenschaftler vom Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena haben nun die Ursache dieses Knochenschwundes entdeckt: Glukokortikoide hemmen die Knochenneubildung (Rauch A, Seitz S, Schütz G, Tuckermann J. et al. Glucocorticoids suppress bone formation by attenuating osteoblast differentiation via the monomeric glucocorticoid receptor, Cell Metabolism, 2010, 11[6]: 517–531). Neue Hoffnung richtet sich demnach auf nebenwirkungsarme Kortison-Therapien.

Kortison wirkt entzündungshemmend und wird daher zur Behandlung von allergischen Erkrankungen und von starken beziehungsweise chronischen Entzündungen wie Rheuma eingesetzt. Als körpereigenes Glukokortikoid-Hormon Cortisol reguliert es eigentlich den Glukosestoffwechsel, als stark dosiertes oder über längere Zeit verabreichtes Medikament kann es zu Knochenschwund, Muskelschwäche und dünner Haut führen.

Wissenschaftler des FLI haben nun die molekularen Mechanismen der kortisonvermittelten Osteoporose aufgedeckt. Nach dem Informationsdienst Wissenschaft (IDW) konnten die Molekularbiologen aus der Forschergruppe um Dr. Jan Peter Tuckermann nachweisen, dass der durch Langzeittherapien mit Kortison hervorgerufene Knochenschwund eine Folge des gestörten Knochenaufbaus ist. Der Knochenaufbau erfolgt in einer delikaten Balance zwischen Osteoblasten, den knochenaufbauenden Zellen, und Osteoklasten, die Knochensubstanz abbauen.

Die Forscher vom FLI konnten nun nachweisen, dass die Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Glukokortikoid-Hormonen über einen zelltyp-spezifischen Mechanismus vermittelt werden. Überraschenderweise sind nur die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) für den kortisonbedingten Knochenschwund entscheidend und eben nicht die knochenabbauenden Osteoklasten. Bei der Entstehung dieser Osteoporose-Art spielt die molekulare Form des Glukokortikoid-Rezeptors eine Schlüsselrolle. An diesen Rezeptor dockt das Glukokortikoid-Hormon an, wodurch unterschiedliche genetische und molekulare Mechanismen in Gang gesetzt werden können.

Entscheidend für seine biologische Funktion ist die molekulare Form dieses Rezeptors, in der dieser aktiviert wird. Als Doppelmolekül (Dimer) spielt er bei der Regulation des Zuckerstoffwechsels eine Rolle. Als Einzelmolekül (Monomer) ist er entscheidend für die entzündungshemmende Wirkung der Glukokortikoid-Hormone. Die Jenaer konnten zeigen, dass die Hemmung der Knochenbildung über den Glukokortikoid-Rezeptor als Einzelmolekül vermittelt wird. Die kortisonbedingte Osteoporose hängt also von der monomeren Form des Rezeptors ab.
„Die schlechte Nachricht ist also, dass hier die positive Therapiewirkung und die negative Nebenwirkung sehr eng miteinander verbunden sind“, so Tuckermann. „Wir sind aber zuversichtlich, dass es bald gelingt, diese ‚unheilige Allianz‘ zwischen Therapieeffekt und Nebenwirkung durch die Entwicklung neuer Glukokortikoide aufzubrechen.“  

Ein ausführlicher Bericht folgt in der DZW Die ZahnarztWoche 25/10.

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