Moderne Lokalanästhesie – gezielt, schnell, tief
ZA Michael Krannich über den medizintechnischen Fortschritt bei der intraligamentären Anästhesie –
Vor gut 100 Jahren wurde die intraligamentäre Anästhesie (ILA) erstmalig – in Frankreich – angewandt. Von dem französischen Zahnarzt Granjeon wird berichtet (Bourdain, 1925), dass er bereits 1903 die Injektionsnadel entlang der Wurzel ins Ligament führte – um eine Lokalanästhesie zu erreichen, was ihm wohl gelungen ist. Trotz ihrer vielfältigen Vorteile für den Patienten und den zahnärztlichen Anwender wird sie – 100 Jahre später – nur von wenigen Praktikern als Standardmethode der Schmerzausschaltung angewandt. Berechtigte Vorbehalte von Parodontologen gegen die intraligamentalen Injektionen haben zu einer kritischen Indikationsstellung geführt.
Erst der medizintechnische Fortschritt der vergangenen zehn Jahre – sensible mechanische und elektronisch gesteuerte Injektionssysteme – ermöglicht einen minimal-invasiven Zugang ins Desmodont. Zur Injektion von Anästhetikum ins Desmodont genügen geringe Drücke; eine Krafteinwirkung von unter 5 Newton kann bereits zu einer Zahnauslenkung in der Alveole führen (Huber, 1988).
Die häufig beobachteten, ungewünschten Effekte, wie Druckschmerz und Elongationsgefühl nach ILA und auch Drucknekrosen, sind Ergebnisse zu hoher Injektionsdrücke. Mit den in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführten Druckspritzen – etwa Pistolen- und auch Dosierhebelspritzen – wurden Injektionsdrücke gemessen, die bei mehr als 300 Newton lagen (Leilich et al., 1985). Die generierten ungewünschten Effekte sind iatrogen, wenn der Behandler in zu kurzer Zeit die erforderliche Menge Anästhetikum ins Desmodont injiziert.
Die heute zur Verfügung stehenden Injektionssysteme, zum Beispiel die Dosierradspritze SoftJect oder auch das elektronisch gesteuerte STA-System, ermöglichen es dem Zahnarzt, kontrolliert und zuverlässig die benötigte Menge Lokalanästhetikum gezielt langsam – den anatomischen Gegebenheiten des Patienten angepasst – zu applizieren.
Durch eine Kraftübertragung ohne Hebelwirkung vom Finger/ Daumen des Behandlers über ein Dosierrad und eine Zahnstange auf den Stopfen der Anästhetika-Zylinderampulle wird das Anästhetikum mit einem Druck von unter 0,1 Megapascal und einer Kraft von weniger als 3 Newton ins Desmodont injiziert. Dieser Druck muss – und kann leicht – während der gesamten Dauer der Injektion (etwa 20 Sekunden lang für 0,2 Milliliter je Zahnwurzel) aufrechterhalten werden.
Die neue Generation der ILA-Injektionssysteme ist im Laufe des vergangenen Jahrzehnts evidenzbasiert klinisch bewertet worden (Zugal, 2001; Dirnbacher, 2003; Weber, 2006; Prothmann, 2009; Csides, 2009). Die Ergebnisse von Klinikern und niedergelassenen Zahnärzten bestätigen die Hypothesen, dass die intraligamentäre Anästhesie – lege artis angewandt – den konventionellen Lokalanästhesiemethoden signifikant überlegen ist. Nach einer kurzen Zeit der Einübung von einigen Tagen mit ausreichenden Injektionen wird eine sichere Schmerzausschaltung eines einzelnen Zahns ohne die ungewünschten Effekte von Leitungs- und Terminalanästhesie erreicht.
Das SoftJect-System wird beim Anwender medizintechnisch durch MDS Medical & Dental Service (www.MDS-Dental.de) begleitet. Durch praktische Übungen am Schweinekiefer kann die neue Technik eingeübt werden, bevor man anfängt, sie am Patienten anzuwenden.
Moderne Lokalanästhesie – gezielt, schnell, tief, von kurzer Dauer und mit nur geringen Beeinträchtigungen für den Patienten – wird durch die modernen Injektionssysteme allgemein verfügbar.
ZA Michael Krannich, Neustadt/Wied
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