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31. Mai 2010 |  Hochschule

Befragung zu Ärztemangel und Karriereknick

Vereinbarkeit von Medizinstudium, Beruf und Familie muss dringend verbessert werden –

 

Arzt oder Ärztin zu werden und gleichzeitig eine Familie zu gründen, ist sowohl im Studium als auch später im Berufsleben schwierig. Das Land aber ist auf Ärztinnen und Ärzte angewiesen. Wie Aus- und Weiterbildung familienfreundlicher gestaltet werden könnten, soll eine großflächige Online-Befragung aller Medizinstudierenden mit Kind(ern) in Baden-Württemberg herausfinden, die am 7. Mai 2010 gestartet ist.

Der Anteil von Frauen im Medizinstudium liegt bei 60 Prozent, diese Zahl steigt seit Jahren. Einen idealen Zeitpunkt für die Familiengründung gibt es aber weder in der als Vollzeitstudium angelegten Ausbildung, noch in der Zeit der Facharztweiterbildung oder während der späteren Berufsausübung. Das Medizinstudium in seiner derzeitigen Organisationsform ohne strukturierte Teilbarkeit wird von betroffenen Eltern als familienunfreundlich charakterisiert. Klinische Lehre wird oft nur als ganztägige Blockveranstaltung oder am späten Nachmittag nach dem Klinikbetrieb angeboten. Dieser Mangel an Vereinbarkeitsstrukturen führt zu Nachwuchssorgen und verstärkt gleichzeitig die „gläserne Decke“, welche Frauen mit Kindern häufig von Karrierepositionen trennt.

Einerseits wird der Mangel an engagierten jungen Medizinerinnen und Medizinern, die sich für aufwendige Karrierewege in der Universitätsmedizin oder für fordernde Tätigkeiten etwa als Landarzt entscheiden, zunehmend beklagt. Andererseits nimmt der Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung stark zu – Teilzeitmodelle in Aus- und Weiterbildung sind aber eine Seltenheit. Die strukturellen Rahmenbedingungen in der medizinischen Aus- und Weiterbildung müssen dringend verbessert werden, damit Familiengründung und Karriereentwicklung vereinbart werden können und der Arztberuf attraktiv bleibt.

Hier setzt die baden-württembergische Online-Befragung an. Sie soll knapp 1.000 Medizinstudierende mit Kind(ern) erreichen und ihre Lebens- und Studienbedingungen erfassen. Aufbauend sollen nötige Veränderungen für ein familienfreundliches Medizinstudium erarbeitet werden. Die Studie setzt die landesweite Befragung einer Pilotstudie der Ulmer Projektgruppe des Universitätsklinikums fort, in der durch Einzelinterviews mit 95 Studierenden die Studien- und Lebensbedingungen studierender Eltern erhoben wurden. Am 29. September 2010 werden die Ergebnisse unter der Leitung des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart vorgestellt. Die Online-Befragung bezieht sich vorerst nur auf die Humanmedizin. Eine Ausweitung auf andere Studiengänge wird bei entsprechendem Interesse nicht ausgeschlossen.

Weitere Details, Hintergründe und Ergebnisse finden sich unter www.meduki.de.    

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