Nicht nur Einser-Abiturienten: Medizinische Fakultät Heidelberg setzt auf den TMS
Medizinstudenten in Heidelberg sind heute bei Weitem nicht nur „Einser-Abiturienten“. Seitdem die Medizinische Fakultät im Auswahlverfahren den Test für Medizinische Studiengänge (TMS) wertet, können auch Bewerber mit einem Abiturdurchschnitt bis zur Note 2,3 durch ein sehr gutes Testergebnis ihre Chance wahren. Diese Studierenden sind, das haben jetzt erste Auswertungen gezeigt, besonders motiviert, brechen seltener das Studium ab und haben zum Teil bessere Prüfungsergebnisse in den ersten Semestern als Kommilitonen mit einem besseren Abitur.
Eine weitere Konsequenz der TMS-Gewichtung: In Heidelberg ist das Verhältnis von männlichen und weiblichen Studierenden mittlerweile ausgeglichen, im Gegensatz zur Mehrzahl der Medizinischen Fakultäten in Deutschland, wo der Frauenanteil bei bis zu 70 Prozent liegt. „Vermutlich kommen die Abitur-Anforderungen Schülerinnen besonders entgegen, während den männlichen Testteilnehmern die Testfragen eher liegen“, erklärt Privatdozentin Dr. Martina Kadmon, die als Leiterin der Koordinierungsstelle des TMS an der Medizinischen Fakultät Heidelberg wesentlich zur Einführung des TMS beigetragen hat und für seine wissenschaftliche Evaluation zuständig ist.
Benjamin Thaler (24) und Sanjar Bekeran (23) studieren im zweiten Semester Medizin in Heidelberg. Beide haben den TMS mit großem Erfolg absolviert. Ihr Testergebnis hat ihnen einen Studienplatz verschafft, da der Abi-Schnitt von 2,2 nicht ausgereicht hätte. Thaler hat sich nach dem Abitur zum Physiotherapeuten ausbilden lassen, was ebenfalls positiv angerechnet wurde, Bekeran hospitierte in einer Arztpraxis.
Nur an den Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim wird dem Testergebnis in dieser Form Rechnung getragen. Neben anderen Kriterien wie einer abgeschlossenen medizinnahen Berufsausbildung, einem Freiwilligen Sozialen Jahr sowie kompetitiven bildungsbezogenen Preisen wie „Jugend forscht“ wird er zu 39 Prozent angerechnet. „Wir sind davon überzeugt, dass wir so einem viel breiteren Kandidatenprofil die Chance auf einen Studienplatz einräumen und dadurch auch ein breiteres Spektrum an Ärzten ausbilden“, sagt Prof. Dr. Franz Resch, Studiendekan an der Medizinischen Fakultät Heidelberg.
Der auf Multiple Choice beruhende TMS war in den neunziger Jahren als verbindlicher Test für die Medizinerauswahl eingesetzt worden. Mit dem Rückgang der Bewerber wurde er aufgegeben. Als im Jahr 2007 die Fakultäten für 60 Prozent der Studenten eine eigene Auswahl treffen konnten, beschlossen die Baden-Württembergischen Fakultäten, den Test in überarbeiteter Form wieder einzuführen. Ab dem Jahr 2012 werden 13 der insgesamt 34 Medizinischen Fakultäten teilnehmen. In diesem Jahr meldeten sich 11.353 Kandidaten zu dem bundesweit durchgeführten Test für Medizinische Studiengänge an.
In sechs Stunden sind neun Testteile zu bearbeiten. So geht es um das Erkennen komplexer Muster, räumliches Vorstellungsvermögen, Gedächtnisleistung, rasche Auffassungsgabe, Konzentration und Sorgfalt sowie naturwissenschaftliche Grundkenntnisse. Thaler und Bekeran sind sicher, der Test überprüft Kompetenzen, die im Medizinstudium gefordert werden.
Die Heidelberger Fakultät untersucht nun, wie sich die TMS-Studenten während des Studiums entwickeln. Beim Studienabbruch gab es eindeutige Ergebnisse. Wer über die ZVS-Quoten, insbesondere die Wartezeit, zugelassen wurde, brach das Studium eher ab als TMS-Einsteiger.
„Wir haben gesehen, dass das Alter beim Einstieg ins Medizinstudium eine wichtige Rolle spielt“, erklärt Kadmon. „Jüngere halten eher durch als Studenten und Studentinnen, die ihr Studium erst später aufnehmen.“
Derzeit studieren etwa 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (Heicumed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Informationen über den „Medizinertest“ TMS im Internet unter www.tms-info.org.
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