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05. Dezember 2011 |  Aus Wissenschaft und Praxis

Auch im hohen Alter noch sinnvoll: keine Altersgrenze für Implantate

25. DGI-Kongress in Dresden – nur wenig Studiendaten zu durchmesserreduzierten Implantaten –

 

Nicht nur für die Publikumspresse interessant waren die drei Kurzpräsentationen auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich (DGI) anlässlich des diesjährigen Jahreskongresses in Dresden zu den Einsatzmöglichkeiten und offenen Fragen in der modernen Implantologie.

Prof. Dr. Frauke Müller, Abteilung für Gerodontologie und Prothetik der Universität Genf, erläuterte, dass der Einsatz von Implantaten auch im hohen Alter medizinisch sinnvoll und für die Patienten in gesundheitlicher und psychosozialer Hinsicht von hohem Nutzen sei.

Die Verankerung einer unteren Totalprothese mit Implantaten kann die Schrumpfung des periimplantären Knochens verlangsamen, die Kaueffizienz signifikant steigern und somit indirekt sogar einen positiven Einfluss auf die Ernährung haben. Auch die Kaumuskeln werden durch die erhöhte Kauaktivität besser trainiert. Das belegten Untersuchungen von Professor Müller und ihren Kollegen. „Aus der Literatur ergibt sich keine Altersgrenze für die Insertion von Implantaten, die Überlebensraten sind gleich oder sogar besser als bei jüngeren Patienten“, so Müller.

Allerdings müssten Therapiekonzept und Prothetik entsprechend an Allgemeinzustand und Fähigkeiten der Patienten angepasst werden. Müller empfahl daher Konzepte, die leicht umzubauen, zu erweitern und bei Bedarf auch leicht reversibel sind.

Um eine bessere Ernährung zu erreichen, genüge ein „fester“ implantatgetragener Zahnersatz aber in der Regel allein nicht, hier müsse eine Ernährungsberatung hinzukommen. Die Genfer Universität unterhält fünf Satellitenkliniken in Pflegeheimen, in denen auch die Studenten bereits in der Behandlung alter Patienten ausgebildet werden.

Zahnmedizinische Behandlung ist in der Schweiz Privatleistung, das Kanton Genf übernimmt aber für bedürftige Patienten die Kosten für bis zu zwei Implantate. Im Augenblick kämpfe man darum, dass auch die Kosten für die professionelle Mundhygiene bezahlt würden, so Müller. Die Pflegekräfte müssten zudem entsprechend in die Pflege der Implantate und der Prothetik eingewiesen werden.

PD Dr. Eva Engel, Poliklinik für Prothetik der Universität Tübingen, sprach über die Möglichkeiten, mit Implantaten Tumorpatienten ihr Gesicht wiedergeben zu können. Im Laufe der Erkrankung verlieren die Patienten viele oder sogar sämtliche Zähne.

Im Schnitt dauert es dreieinhalb Jahre, bis sie wieder Zähne besitzen. Aufgrund der Komplexität der nötigen Maßnahmen sei dies nur in enger interdisziplinärer Arbeit möglich; die aufgrund des schlechten Knochenangebots trotz Knochenaufbau selten optimalen Implantatpositionen verlangten oft prothetisch und zahntechnisch anspruchsvolle und ungewöhnliche Konstruktionen. „Hier stoßen Zahnarztpraxen oft an ihre Grenzen“, berichtete Engel über ihre Erfahrungen.

Auf dem Kongress demonstriert Engel anhand einer Auswertung der Therapieergebnisse von 75 prothetisch versorgten Tumorpatienten, wie komplex die prothetische Rehabilitation bei diesen Patienten sein kann. Zwei Drittel der Patienten hatten Mundhöhlenkrebs, ein Drittel andere Tumoren. Die Experten hatten die Patienten mit 90 Prothesen versorgt, getragen von ca. 340 Implantaten. Rund zehn Prozent des Zahnersatzes ging innerhalb von fünf Jahren verloren. „Hier spielen verschiedene Gründe eine Rolle“, sagt Engel. Der Verlust von Implantaten, die teilweise auch aufgrund erneuten Tumorwachstums entfernt werden mussten, ist ein Grund. Ein anderer ist der Verlust von Zähnen, die als Pfeilerzähne in die prothetische Konstruktion mit einbezogen waren, was eine Erneuerung des Zahnersatzes notwendig machte. Insgesamt waren bei den untersuchten Patienten binnen fünf Jahren 20 Prozent der Implantate verloren gegangen. Das Risiko, ein Implantat zu verlieren, erhöhte sich um den Faktor 3,5, wenn ein Patient bestrahlt worden ist.

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Mainz, ging auf die durchmesserreduzierten Implantate ein, zu denen es noch kaum Studien gebe. „Es ist unser Ziel, eine implantatprothetische Versorgung auch jenen Patientinnen und Patienten anzubieten, die keinen größeren Knochenaufbau haben können oder wollen, oder bei denen solche Eingriffe nicht möglich sind“, so Al-Nawas.

Eine aktuelle randomisierte Doppelblindstudie mit dünnen Implantaten aus einer Titan-Zirkon-Legierung habe nach einem Jahr vergleichbare Erfolgsraten wie bei normaldimensionierten Implantaten gezeigt. Implantate mit weniger als drei Millimetern Durchmesser seien nur mit Indikationseinschränkungen einsetzbar, mehr Potenzial versprächen Implantate ab 3,3 Millimetern Durchmesser, so Al-Nawas. „Diese durchmesserreduzierten Implantate müssen aus der jetzigen Grauzone heraus, das ist längst kein Randthema mehr. Wir müssen uns damit wissenschaftlich auseinandersetzen“, so Al-Nawas. Man freue sich daher, wenn Anbieter solcher Implantatsysteme ihre Implantate für Studien zur Verfügung stellen.

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