
In Wiesbaden demonstrierten 250 Zahnmediziner des Carolinums gegen Sparzwang und Ungewissheit
Professoren, Ärzte, Mitarbeiter und Studierende des Zentrums der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität sowie Gewerkschaftsvertreter haben am 23. Mai 2011 einen „Betriebsausflug“ in die hessische Landeshauptstadt genutzt, um ihrem Ärger ein weiteres Mal Luft zu machen.
Mit Transparenten und Trillerpfeifen bekräftigten die in weiß gekleideten Aktivisten ihre Forderung nach einem runden Tisch. Der Grund: Seit Jahren leidet die Zahnklinik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt unter chronischer Unterfinanzierung und Unterbesetzung. Während im übrigen Bundesgebiet Zahnärzte an Universitätskliniken an tarifliche Regelungen des Marburger Bundes angeschlossen sind, gilt dies nach dessen Angaben für die rund 130 Zahnärzte an hessischen Universitätskliniken nicht. In Frankfurt, wo das universitäre Lehrinstitut für Zahnmedizin von der Stiftung Carolinum getragen wird, unterlägen die Arbeitsbedingungen dem schlechteren Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Landes Hessen. „Deshalb verfolgen wir weiter das Ziel, dass mit uns Tarifverhandlungen über die Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder aufgenommen werden“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Hessischen Landesverbands des Marburger Bundes, Andreas Wagner, in einem Gespräch mit der DZW.
Zum Dilemma Unterfinanzierung und Unterbesetzung kommen die sich immer weiter verschlechternden Bedingungen für die Studierenden noch hinzu. Mehrfache Gesprächsangebote von Seiten der Belegschaft an den Stiftungsvorstand und die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität sowie das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst über die finanzielle Zukunft der Zahnklinik blieben ohne Resonanz.
Die Zuständigkeit zwischen Stiftungsvorstand und Johann-Wolfgang-Goethe-Universität scheint ungeklärt. Hintergrund ist die schon seit längerem geplante Übernahme des Lehrinstituts durch die Universität, die ursprünglich schon im Frühjahr 2011 umgesetzt werden sollte.
Auf dem Wiesbadener Luisenplatz war alles für ein gemeinsames Gespräch vorbereitet. Dort stand ein runder Tisch, der aber nur zum Teil besetzt war. Platz genommen hatten Vertreter des Betriebsrats, der Zahnmediziner und Studierenden sowie der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Sie warteten vergeblich auf ihre geladenen Gäste. Die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, der Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl und Prof. Dr. Thomas Heimer, Vorstandsmitglied der Stiftung Carolinum, waren nicht erschienen.
„Aufgrund der jahrelangen Unterfinanzierung nehmen wir die Lage sehr ernst“, sagte der Vorsitzende des Betriebsrats, Dr. Werner Betz, und ergänzte: „Die 31 Beteiligten des Aktionsbündnisses ProCarolinum fordern nach wie vor einen runden Tisch, um die Zukunft des Carolinums mit Universitäts-Präsidium und Ministerium zu klären und den Betrieb auf einer sicheren und hinreichenden finanziellen Basis garantieren zu können.“
Das Aktionsbündnis ProCarolinum plant weitere Aktionen. Der „Betriebsausflug“ war nur ein Schritt in einer Reihe weiterer Aktionen. So sollen etwa Unterschriften gesammelt und Postkartenaktionen durchgeführt werden. Betz: „Für uns alle steht viel auf dem Spiel. Deshalb sind Gespräche unumgänglich.“
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