Chance Praxis - Das Fachmagazin für Praxisgründer

05. Oktober 2011 |  Hochschule

„Luthers Waschsalon“ mit der Hochschulperle ausgezeichnet

Im Südosten des Ruhrgebiets tut man einiges, um die gravierendsten Auswirkungen von Obdachlosigkeit und Armut auf die Gesundheit abzumildern. Hier erhalten Menschen, die am Existenzminimum leben, auch ohne Krankenversicherung eine adäquate Gesundheitsversorgung. Hierfür zeichnete der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die Universität Witten/Herdecke (UWH) mit der Hochschulperle für den August 2011 aus.

Zahnmedizin-Studentin Anna Daugs und Dr. Hans Ritzenhoff behandeln in „Luthers Waschsalon“ einen Patienten.

In der Einrichtung „Luthers Waschsalon“ engagieren sich Studenten der Fakultät für Gesundheit der UWH und behandeln bedürftige Kranke kostenlos. Unter der Aufsicht eines erfahrenen Arztes erweitern sie dabei zusätzlich ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten.
Ursprünglich von der Bahnhofsmission Hagen und der Lutherkirchengemeinde gegründet, stellte „Luthers Waschsalon“ vor allem Waschgelegenheiten für Wohnungslose zur Verfügung. Auch akut von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, ehemals Wohnungslose und Geringverdiener, nutzen das Angebot.

Für Zahnmedizinstudenten, die seit dem Jahr 2007 am Projekt teilnehmen, gehört die Arbeit in „Luthers Waschsalon“ zum Ausbildungspflichtprogramm. Die Studierenden der Humanmedizin bringen sich bereits seit dem Jahr 2003 im Rahmen der allgemeinmedizinischen Ausbildung freiwillig ein und ernten ebenfalls durchweg positive Rückmeldungen auf ihren Umgang mit den Patienten.

Der Stifterverband würdigt mit der Hochschulperle eine Initiative, die sich um ein drängendes gesellschaftliches Problem genauso verdient macht wie um die Bereicherung der Medizinerausbildung mit wichtigen sozialen Kompetenzen. Durch die Veränderungen im Gesundheitssystem – von der Praxisgebühr bis zur steigenden Kostenbeteiligung bei Medikamenten – ist gerade für Wohnungslose und Bedürftige der Zugang zur medizinischen Versorgung deutlich erschwert worden. Deshalb war und ist es Ziel des Projekts, diesen Patienten ein niedrigschwelliges und kostenloses Angebot zur Gesundheitsversorgung zu bieten. „Von dem Projekt profitieren aber nicht nur die Patienten“, macht Dr. Paul Jansen vom Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Familienmedizin deutlich, der das Projekt der studentischen Beteiligung zusammen mit Heike Spielmann, Leiterin des Waschsalons und der Hagener Bahnhofsmission, aus der Taufe hob. „Auch unsere Studierenden werden so hervorragend auf die auf sie zukommenden Aufgaben vorbereitet und lernen die Bedeutung sozialen Engagements kennen.“

Dr. Ute Gerhards vom Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der UWH dazu: „Wir freuen uns über die Auszeichnung und sehen sie als Bestätigung des Engagements unserer Studierenden aus der Human- und der Zahnmedizin, die sich dort mit viel persönlichem Einsatz einbringen.“

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stellt jeden Monat eine Hochschulperle – innovative, beispielhafte Projekte, die in einer Hochschule realisiert werden – vor. Am Ende des Jahres wird eine zur Hochschulperle des Jahres 2011 gekürt.    

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