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25. Oktober 2011 |  Aus Wissenschaft und Praxis

Osteoporose betrifft auch Zähne und Zahnersatz

Anlässlich des Welt-Osteoporosetages am 20. Oktober meldet der Bundesverband der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa (BDIZ EDI), dass bei Patienten vor Implantation ein genaues Risikoprofil erstellt werden muss, um schwere Komplikationen bei der Behandlung zu vermeiden. Bisphosphonate, die gegen die altersbedingte Knochenerkrankung verabreicht werden, können den Knochenstoffwechsel verlangsamen und die Einheilung von Implantaten behindern.

Dass der Patient überhaupt an Osteoporose leiden könnte, wird häufig erst bei der zahnärztlichen Untersuchung vor einer Behandlung mit Implantaten festgestellt. Die Einheilung von Implantaten, die als künstliche Zahnwurzeln heute häufig den Zahnersatz tragen, ist abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten. „Vor der Implantation ist schon bei dem geringsten Zweifel eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt notwendig“, so Christian Berger, Präsident des BDIZ EDI.

Als wirksame Medikamente werden Bisphosphonate seit mehr als 20 Jahren erfolgreich bei Knochentumoren, Kalziumüberschusssyndrom, Morbus Paget, aber auch bei Osteoporose und anderen Knochenstoffwechselstörungen eingesetzt. Inzwischen lässt eine Vielzahl von Studien darauf schließen, dass hohe Dosen von Bisphosphonaten bei der Behandlung von Tumoren und Osteoporose zu Osteonekrose (Absterben von Knochenzellen) führen können. Der so verlangsamte Knochenstoffwechsel kann auch die Einheilung von Implantaten behindern.

„Nicht immer ist den Patienten bewusst, ob sie solche Medikamente erhalten oder erhalten haben, weil diese Arzneimittel oft intravenös verabreicht werden“, sagt Priv.-Doz. Dr. Jörg Neugebauer, Vorstandsmitglied im BDIZ EDI und langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Köln. Der negative Effekt auf den Knochen sei bei Einnahme oraler Medikamente wesentlich geringer als bei intravenöser Gabe.

Doch auch lange nach Absetzen der Medikamente kann der für die Knochenheilung schädliche Einfluss der Bisphosphonate noch nachwirken. Hinweise auf die Zugehörigkeit zur Gruppe der Bisphosphonate liefern die Endungen „-dronat“ oder auch „-dronsäure“ im Namen des Medikamentenwirkstoffs.

Der BDIZ EDI stellt drei Forderungen für die weitere interdisziplinäre Betreuung dieser Patienten:
1. Zunächst gelte es, in der allgemeinen Lebensführung der Patienten darauf hinzuwirken, dass Ernährungsgewohnheiten und Mundhygienemaßnahmen so verändert werden, dass chronische Belastungen reduziert werden, die sich durch die Mundhöhle auf den gesamten Organismus auswirken.
2. Der Zahnarzt werde eventuelle Risikofaktoren, wie Entzündungen der Zahnwurzelspitze (apikal beherdete Zähne) oder chronisch entzündetes Zahnfleisch sofort behandeln, um Beeinträchtigungen der Allgemeingesundheit durch Entzündungen im Mund- und Kieferbereich auszuräumen.
3. Besonderes Augenmerk gelte der Therapie der Osteoporose. Hier seien in den vergangenen Jahren durch die Anwendung der Bisphosphonate zahlreiche Kiefernekrosen beobachtet worden.

Wissenschaftlich abgesichert sei, dass das Risiko einer Bisphosphonatnekrose bei der Therapie von Krebserkrankungen im hochdosierten Bereich bei etwa 10 Prozent der Fälle liegt. Anders bei der Osteoporose-Behandlung: Hier werden sogenannte niederpotente Präparate verabreicht, die eine deutlich geringere Prävalenz (Häufigkeit) von Komplikationen im Kieferbereich zeigen. Das Risiko steige mit der Dauer der Einnahme der Präparate. Somit sei es erforderlich, bei allen Patienten, die eine intravenöse oder orale Medikation für die Osteoporose mit Bisphosphonaten erhalten (haben), ein genaues Risikoprofil zu erstellen, um schwere Komplikationen zu vermeiden.

Würden die oben genannten Kenngrößen berücksichtigt, könne eine erfolgreiche Implantattherapie auch bei Osteoporose-Patienten erfolgen, die eine Bisphosphonattherapie durchlaufen (haben), wie zahlreiche Studien inzwischen belegten. Zusätzlich sollten jedoch bei einer gering ausgeprägten Osteoporose immer auch alternative Therapien berücksichtigt werden, damit die Präparate für eventuelle spätere und stärkere Verläufe ohne ein erweitertes Risiko eingesetzt werden könnten.   

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