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13. September 2011 |  Aus Wissenschaft und Praxis

Immer häufiger Osteoporose bei Männern

Wer bei Osteoporose immer noch von einer typischen Frauenkrankheit nach der Menopause ausgeht, muss umdenken: Von den mehr als acht Millionen Deutschen, die an Osteoporose leiden, sind etwa ein Drittel Männer – Tendenz zunehmend. Die Volkskrankheit des fortgeschrittenen Lebensalters steht eng in Zusammenhang mit dem sinkenden Spiegel an Sexualhormonen.

„Angesichts unserer häufig älteren männlichen Patienten sind Urologen für die Risikoabklärung von Osteoporose beim Mann gefragt“, sagt Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) sieht die Notwendigkeit, das Bewusstsein für Osteoporose beim Mann zu schärfen. Denn oft werde eine entsprechende Diagnose zu spät – nämlich erst nach Knochenbrüchen bei geringsten Anlässen – gestellt. Frühzeitige Kenntnis über das Osteoporoserisiko, das mit steigender Lebenserwartung zwangsläufig zunehme, ermögliche jedoch wirksame Präventionsmaßnahmen.

Bei der Osteoporose führen alters- und krankheitsbedingte Veränderungen im Stoffwechselhaushalt zu einer kontinuierlichen Verringerung von Dichte und Masse der Knochen. Im Gefolge des Abbaus der Knochensubstanz nimmt deren Brüchigkeit zu. Grundsätzlich wird zwischen primärer und sekundärer Osteoporose unterschieden. Bei der primären sind keine krankhaften Ursachen festzustellen, während bei der sekundären eine andere Erkrankung oder auch deren Therapie der Auslöser der Osteoporose ist.

Prof. Dr. Sabine Kliesch, Urologin und Andrologin am Universitätsklinikum Münster: „Bei Männern diagnostizieren wir mehrheitlich sekundäre Osteoporosen. Bei ihnen ist die Suche nach den krankheitsbedingten Ursachen vorrangig, um eine kausale Therapie einleiten zu können.“ Die DGU-Pressesprecherin sieht den Hypogonadismus, also den Mangel am Sexualhormon Testosteron, als einen wichtigen Risikofaktor für Osteoporose beim Mann. Besonders bei Prostatakrebs-Patienten werde ein solcher Mangel durch eine antiandrogene Therapie induziert. Da durch die Behandlung die Lebenserwartung dieser Patienten deutlich zunehme, steige deren Osteoporoserisiko im Alter. Hier gelte es, frühzeitig präventiv gegenzusteuern. Unter den zahlreichen weiteren Risikofaktoren weist Kliesch besonders auf Langzeittherapien mit Kortisonpräparaten sowie auf Nierenfunktionsstörungen hin, aber auch auf eine ungesunde Lebensführung mit falscher Ernährung, Nikotin, Alkohol und Bewegungsmangel.

Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. (BDU), empfiehlt Männern jenseits der 50, bei ihren Routineterminen beim Urologen auch ihr Osteoporoserisiko abklären zu lassen – besonders wenn sie zu den Risikogruppen gehörten oder typische Symptome zeigten. „Typische Symptome sind akut auftretende Schmerzen des Skeletts, ungewollter Gewichtsverlust um mehr als 10 Prozent sowie besonders das Schrumpfen der Körpergröße um mehr als vier Zentimeter in einem Jahr“, so der Urologe aus Neumünster. Eine Röntgenmessung der Knochendichte gebe klaren Aufschluss.

Die therapeutischen Schwerpunkte bei diagnostizierter Osteoporose liegen laut Schroeder für Männer und Frauen gleichermaßen in Ernährung und Bewegung sowie je nach Schwere des Befundes auch in verschiedenen Medikamenten. Bei sekundärer Osteoporose, wie sie beim Mann in etwa 60 Prozent der Fälle vorliege, biete eine Behandlung der auslösenden Ursachen weitere Möglichkeiten. Grundsätzlich hält er für ältere Männern eine Osteoporose-Prophylaxe mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen, kalziumreichen Ernährung für wichtig. Wie das ebenfalls notwendige Vitamin D könne die tägliche Kalziumdosis von etwa 1.300 Milligramm für ältere Menschen notfalls auch in Präparatform eingenommen werden. Der wichtigste präventive Faktor sei jedoch regelmäßige körperliche Aktivität – und zwar je früher, desto besser.    

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Kommentare

Gerald, 14.09.11 18:29:
Eine weitere stark unterschätzte Ursache für eine Osteoporose/Osteomalazie bei Männern ist ein erblich bedingter Aktivitätsmangel der gewebeunspezifischen alkalischen Phosphatase (Hypophosphatasie). Da dieses Phänomen zwar vererbt ist, aber häufig erst im Erwachsenenalter Symptome ausbildet, wird die Hypophosphatasie (HPP) häufig nicht diagnostiziert. Besonders wichtig: Neben einer Knochenschwäche kommt es bei der HPP auch zu einem massiven atraumatischen Zahnverlust, der prinzipiell nach einer schweren Parodontitis aussieht. Auch hier wird idR der zugrunde liegende Enzymdefekt übersehen.
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