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29. September 2011 |  Aus Wissenschaft und Praxis

Lachgas-Sedierung und zahnärztliche Kommunikation gehen Hand in Hand

Die vom Zahnarzt durchgeführte inhalative Sedierung mit Lachgas wird wegen der fehlenden Beeinträchtigung der Atmung und des Erhalts der kardiovaskulären Stabilität in Deutschland immer populärer. Unterstützend zur pharmakologischen Sedierung können geeignete Kommunikationsformen ein noch entspannteres Arbeiten für den Arzt und ein positiveres Erlebnis für den Patienten bedeuten [1].

Dr. Frank Mathers

Zahnarzt und Teammitglieder sollten ängstlichen Patienten mit System begegnen und mit ihrem Auftreten Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Folgende Schritte können beim ersten Besuch des Patienten hilfreich sein:
• Anamnesebogen einsetzen mit Fragen zur Angstausprägung,
• Besprechung vor der Behandlung in einem Büro ohne zahnärztliches Gerät,
• Vorbesprechung mit zunächst nur einem kompetenten Teammitglied und dann mit dem Arzt,
• ärztliches Gespräch mit ausreichend Raum für Fragen und Antworten von beiden Seiten,
• ärztliche Ausstrahlung von Fürsorge und Empathie für den Patienten,
• aktives Zuhören mit Rückmeldung an den Patienten, was gesagt wurde (paraphrasieren),
• Zahnarzt sollte zeigen, dass er die Einwände beziehungsweise die Ängste des Patienten akzeptiert, das heißt, den Patienten da abholt, wo er ist.

Manche Patienten empfinden nicht so sehr Angst vor der eigentlichen Behandlung, sondern haben ein ungutes Gefühl, weil sie ein schlechtes Behandlungsergebnis befürchten, zum Beispiel bei Implantaten. Diese Menschen sind oft schon lange vor dem Tag der Behandlung leicht zu identifizieren. Sie äußern ihre Befürchtungen bereits am Telefon oder beim ärztlichen Beratungsgespräch. Ungünstig wäre es, solche Personen einfach als „Problempatienten“ abzustempeln und eine negative Eskalation im Arzt-Patienten-Verhältnis zuzulassen. Dies erhöht den Stress für beide Seiten, macht ein positives Behandlungsergebnis weniger wahrscheinlich und kann dazu führen, dass der Patient anderswo nach einem aus seiner Sicht eher geeigneten Behandler sucht.

Der gut vorbereitete Zahnarzt wird die Einwände und Ängste aufnehmen und den Patienten durch positive Informationen unterstützen, um seine Befürchtungen zu bannen und um eine entsprechende Compliance zu erzielen.

Neben einem tragfähigen Vertrauensverhältnis bedarf es oft einer pharmakologischen Unterstützung, das heißt, Sedierung, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen [2]. Weltweit ist die zahnärztlich geleitete Lachgas-Sedierung die führende Sedierungsmethode mit den niedrigsten Komplikationsraten und der höchsten Zufriedenheit bei Arzt und Patient [3].
Lachgas verursacht eine Bewusstseinsänderung und erhöhte Aktivität der rechten Hirnhälfte. Die Abschirmung des Patienten nach außen und die Unterdrückung des limbischen Systems im zentralen Nervensystem gehen einher mit einer erhöhten Aufmerksamkeit für die eigenen Gefühle und Gedanken. Der Zahnarzt kann diesen Zustand nutzen, um durch eine geeignete Sprache ein positives Arzt-Patienten-Verhältnis zu verstärken und Ängste des Patienten weiter zu reduzieren.

In Vorbereitung auf die Sedierung ist oft feststellbar, dass Patienten beim Aufsetzen der Nasenmaske zur Lachgasapplikation ängstlich sind. Erfahrene Zahnärzte lassen Patienten, insbesondere solche mit Kontrollverlustängsten, selbst die Nasenmaske aufsetzen, um deren Kooperationsbereitschaft zu stärken. Das ärztliche Gespräch vor der Einleitung und die praktische Beteiligung des Patienten am Geschehen können hier außerordentlich hilfreich sein. Ärztliches Auftreten ohne Hast und der behutsame Umgang mit dem Patienten schaffen eine positive Atmosphäre, die bestimmend ist für die weitere Behandlung. Patienten, deren Fragen beantwortet und deren Hemmungen und Ängste wertfrei vom Arzt angenommen werden, sind leichter zu führen und akzeptieren eher komplexe Behandlungen.

Bei jeder Lachgasapplikation muss der Zahnarzt das Gasgemisch durch die Titration der Lachgasbeimischung individuell bestimmen. Beginnend mit 20 Prozent Lachgas/80 Prozent Sauerstoff wird im einminütigen Abstand die Lachgaskonzentration um 10 Prozent erhöht. Maximal kann 70 Prozent Lachgas mit dem 30 Prozent korrespondierenden Anteil an Sauerstoff verabreicht werden. Diese sogenannte titrierende Dosisfindung hat zum Ziel, einen entspannten und bequemen Zustand für den Patienten zu erreichen.

Die vom kompetenten Zahnarzt korrekt gewählte patientenspezifische Lachgas-/Sauerstoffdosierung ist eine obligate Voraussetzung für die weitergehende Anwendung von psychologischen Techniken und Kommunikationsstrategien. Patienten, die Zeichen einer relativen Lachgasüberdosierung zeigen, zum Beispiel Exzitationssymptome wie Unruhe, Schwitzen oder Tachykardie, sind zunächst nicht zugänglich und müssen durch eine Dosisreduktion vom Arzt zunächst pharmakologisch korrekt eingestellt werden.

Die Lachgas-Sedierung sollte für jeden Patienten zu einem umfassend positiven Erlebnis werden [4]. Dies umfasst mehr als nur die Verabreichung des Gasgemisches. Der Patient möchte mit allen Emotionen ernstgenommen werden, und die Wahrhaftigkeit des Teams und des Arztes zeigt sich in der stets positiven Begegnung und positiven Sprache der Beteiligten.
Im Austausch mit sedierten Patienten ist es wichtig zu wissen, dass die Patienten später oft nicht mehr wissen, was sie selbst gesagt haben. Dagegen erinnern sie sich oft sehr wohl an Kommentare des Zahnarztes oder der Teammitglieder. Dem sedierten Patienten sollten deshalb nur solche Dinge gesagt werden, die später erinnert werden „dürfen“.
Dazu einige positive und negative Beispiele:

„Ich fange erst an, wenn alles taub ist“

Möglicherweise haben Patienten in der Vergangenheit schmerzhafte Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht. Beruhigende Aussagen wie diese werden ihre Furcht verringern. Lachgas hat nur eine geringe analgetische Potenz, kann aber den Bedarf an Lokalanästhetika eventuell senken.

„Sie werden keine Schmerzen verspüren“

Sedierte Patienten benötigen immer eine zusätzliche lokale Anästhesie. Dennoch kann es gelegentlich zu unangenehmen Empfindungen kommen. Die Aussage des Arztes, dass der Patient keine Schmerzen verspüren wird, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient diese Missempfindungen auf Dauer nicht weiter zur Kenntnis nimmt.

„Wie geht es Ihnen?“

Sedierte Patienten sollten regelmäßig angesprochen werden, um sicherzustellen, dass sie bei Bewusstsein sind. Neben der Information, dass die Patienten kommunikationsfähig sind, kann auch festgestellt werden, ob sich der Patient wohl fühlt. Negative Äußerungen des Patienten sollten keinesfalls vom Team oder Arzt wiederholt werden. Der Patient sollte vielmehr informiert werden, dass Maßnahmen zur Abhilfe getroffen werden.

„Alles läuft wunderbar“

Gelegentlich können sedierte Patienten in eine Phase kommen, wo sie die Geschehnisse in ihrer Umgebung aufmerksam verfolgen und dabei Angst verspüren. Eine kurze Information, dass alles positiv und nach Plan verläuft, leistet effektive Abhilfe. Detailinformationen können sedierte Patienten nicht verarbeiten; diese sind kontraproduktiv und sollten deshalb ärztlicherseits vermieden werden.

„Liegen/Sitzen Sie bequem?“

Wenn ein sedierter Patient eine Frage stellt, die nicht in einem positiven Kontext zu beantworten ist, kann die Aufmerksamkeit mit einer Gegenfrage oft in eine andere Richtung gelenkt werden.

Vermeiden sollte man dagegen Aussagen wie die folgenden:

„Ihr Blutdruck ist zu hoch!“

Medizinische Detailinformationen, die vom Patienten unbeeinflussbar sind und zu einem negativen Erlebnis führen, sind kontraproduktiv. Ruhiges professionelles Auftreten und der ruhige Austausch von relevanten Informationen ohne die Beteiligung des sedierten Patienten sind vorzuziehen.

„Reißen Sie sich mal zusammen!“

Patienten, die unruhig sind und sich unkooperativ verhalten, werden ihr unvorteilhaftes Benehmen nur noch weiter intensivieren, wenn dies bestätigt wird. Besser ist es, das Verhalten zu ignorieren oder gar das Gegenteil zu behaupten: „Sie sind aber ganz ruhig.“

„Wie heißen Sie noch mal?“

Wir Menschen reagieren immer positiv, wenn wir mit unserem Namen angesprochen werden. Patienten sollten daher immer mit ihrem Namen angesprochen werden, ohne dass sie danach gefragt werden.

Grundsätzlich ist es im Umgang mit Lachgas-sedierten Patienten wichtig, immer positiv zu agieren und Zuversicht auszudrücken. Gerade bei ängstlichen Patienten muss jeder Zahnarztbesuch ein Erfolg sein. Dieser Erfolg wird ausschließlich durch den Arzt und sein Team definiert. Eine grundsätzlich wertschätzende Haltung vom Zahnarzt und von seinem Team wird sich in der Sprache niederschlagen und kann schließlich beim Patienten zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Dr. Frank Mathers, Köln, Dr. med. dent. Wolfram Arndt, Wesseling  

Das Literaturverzeichnis kann unter leserservice@dzw.de angefordert werden.

(Artikel gekürzt)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 40/11 auf Seite 12.

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