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„Die internationale Dentalbranche lebt die Zukunft“

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Frank A. Schloße (Telekom), Mark Stephen Pace (VDDI), Gundula Gause (Fernsehmoderatorin) und Gerald Böse (Koelnmesse) auf der Podiumsdiskussion in der „Telekom Design Gallery“   

Die Internationale Dental-Schau (IDS) ist für die meisten Mitglieder der Dentalfamilie ein Pflichttermin. Vom 12. bis 16. März 2019 werden mehr als 2.300 Aussteller aus 60 Ländern in Köln erwartet. Die Veranstalter rechnen damit, dass die IDS 2019 in puncto Besucherzuspruch an das Ergebnis der Vorveranstaltung anknüpfen kann; 2017 kamen mehr als 155.000 Fachbesucher aus 156 Ländern.

Am 23. Januar 2019 luden der Verband der Deutschen Dental-Industrie e.V. (VDDI) und die Koelnmesse GmbH zur europäischen Fachpressekonferenz in die „Telekom Design Gallery“ nach Bonn ein. Dort gaben die Initiatoren den Schwerpunkt der IDS 2019 bekannt: Im Fokus stehen die Digitalisierung und die Vernetzung der Branchenzweige im globalen Kontext.

Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für Zahnärzte, Zahntechniker, Industrie und Handel? „Der andauernde Wandel, der stetige Fortschritt in der Erkenntnis wird in ganz besonderer Weise in der internationalen Dentalbranche deutlich. Die Zahnheilkunde und die für sie entwickelte Medizintechnik spiegeln die Epochen der stürmischen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wider“, so Mark Stephen Pace (Vorsitzender des Vorstands VDDI). Auch Dr. Bernd Rebmann sieht die Dentalbranche in einer Vorreiterrolle. Der Marktanalyst veröffentlicht zur IDS 2019 den „Atlas Dental“, eine 80 Seiten starke Studie, die Strukturen und relevante Marktdaten in Europa und ausgewählten Ländern – unter anderem mit Blick auf die Digitalisierung in Zahnarztpraxen – analysiert.

Ob Telematikinfrastruktur, elektronische Patientenakte oder digitale Workflows – die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in den Praxen angekommen. „Digitale Technologien bieten große Chancen, aber sie sollten sicher sein“, betonte Frank A. Schloße (Deutsche Telekom Healthcare), und plädierte für digitale Standards. Ziel sei es, Insellösungen zu vermeiden und den Nutzen für Arzt und Patient nicht aus den Augen zu verlieren.

„Die digitale Transformation eröffnet große Chancen für mehr Lebensqualität, neue Geschäftsmodelle und effizienteres Wirtschaften. Die internationale Dentalbranche denkt digital, entwickelt digitale Produkte und lebt die Zukunft“, so Gerald Böse (Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH). Für ihn ist die IDS das „Davos der Dentalindustrie“, und er ist überzeugt, dass das einst totgesagte Messegeschäft auch weiterhin Bestand haben wird. „Das Wesen des Handels ist nun mal, dass man sich in die Augen schaut und die Hand reicht.“ Mobile Informationen, eine App und weitere digitale Tools machten die Messetrends vor, während und nach der IDS erlebbar.

Dr. Peter Engel äußerte sich kritisch zur Digitalisierung der Zahnarztpraxis. Der Präsident der Bundeszahnärztekammer gab zu bedenken, dass man sich über das Tempo der Digitalisierung Gedanken machen müsse, bei dem nicht jeder mithalten könne. Digitale Technologien seien immer nur Hilfskonstrukte, und man müsse zwischen „must have“ und „nice to have“ differenzieren. Im Zentrum stehe der Patient. Klar wurde an dieser Stelle, dass dem Megatrend Digitalisierung eine ethische Auseinandersetzung folgen muss.

Eine vom digitalen Wandel besonders betroffene Sparte der Dentalbranche ist die Zahntechnik. Dominik Kruchen (Präsident der Verbands Deutscher Zahntechniker-Innung, VDZI) betonte, dass sich das Zahntechnikerhandwerk bereits seit Ende der 1990er-Jahre mit digitalen Verfahren auseinandersetzt. Der Experte riet, nicht jedem Hype zu folgen. Beim Thema Auslandszahnersatz blieb Kruchen entspannt: Der Billigmarkt existiere zwar, aber gerade Technologien wie der 3-D-Druck holten Aufträge zurück nach Deutschland. Digitale Verfahren eröffnen den Laboren große Chancen, so die Prognose des Zahntechnikermeisters. Den Handwerker werden sie nicht ersetzen.

Neben rasanten technologischen Fortschritten fordern auch politische Entwicklungen die Branche heraus. Aktuelles Beispiel: der Brexit. Ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU könnte Zulassungsverfahren, Logistik und Verzollung stark verkomplizieren. Laut Dr. Martin Rickert (stellvertretender Vorsitzender VDDI) leiden im schlimmsten Fall die Patienten darunter, die von neuen Medizinprodukten nicht mehr profitierten, weil Hersteller auf die Zulassung für Großbritannien verzichten. Der britische Industrieverband CBI ist „not amused“ und spricht sich deutlich gegen einen harten Brexit aus.

Die IDS, die vom olympischen Gedanken und dem internationalen Austausch lebt, ist im Gegenzug hierzu ein Positivbeispiel für globale Vernetzung. „Durch ihren Wettbewerbsgeist ist die IDS anderen internationalen Messen immer eine Nasenlänge voraus“, meinte Pace. Große Marken hofften im Vorfeld der Messe auf mehr Präsenz. Diesen Wunsch konnten die Initiatoren mit einer zusätzlichen Halle erfüllen. Die IDS 2019 belegt die Hallen 2, 3, 4, 5, 10 und 11 mit einer Fläche von mehr als 170.000 m². In Halle 5 werden unter anderen mehrere große Anbieter von Consumer-Prophylaxe ausstellen, und es wird einen Food-Court geben.

Die IDS 2019 wird also größer als ihre Vorgängerveranstaltung. Welche digitalen Fortschritte präsentiert werden, bleibt (noch) eine Überraschung.