Anästhesie

Braucht Ihr Patient eine dentale Sedierung?

Die dentale Sedierung ist eine sichere und bewährte Möglichkeit, bestimmten Patientengruppen zu einer effektiven Zahnbehandlung zu verhelfen. Dazu gehören nicht nur sehr ängstliche Patienten, die generell Angst vor dem Zahnarzt beziehungsweise der Behandlung haben, sondern auch solche, die Routinebehandlungen gut tolerieren, aber Angst vor längeren oder komplizierten Eingriffen haben. Doch für den Behandler ist es nicht immer einfach zu erkennen, wann eine Sedierung tatsächlich angebracht ist.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Bei der Entscheidung für oder gegen eine Sedierung verlässt sich der Zahnarzt im hektischen Praxisalltag meist stark auf seine Beobachtungen und Erfahrung, gekoppelt mit den Angaben im Anamnesebogen. Problematisch ist dabei, dass Zahnärzte den Grad der von Patienten empfundenen Angst häufig nicht korrekt einschätzen; meist wird die Angst unterschätzt. Doch inzwischen gibt es ein Tool, um die Sedierungs-notwendigkeit genauer zu erfassen.

IOSN-Fragebogen besteht aus drei Teilen

Der ‚Indicator of Sedation Need‘ (IOSN) ist ein von Zahnmedizinern entwickeltes Werkzeug, das Zahnärzten eine detailliertere Entscheidungsgrundlage als einfache Fragebögen bietet, wenn es um die dentale Sedierung geht. Denn das IOSN erfasst nicht nur die Angst des Patienten, sondern bezieht medizinische beziehungsweise Verhaltensindikatoren sowie die Komplexität der auszuführenden Behandlung in das Scoring mit ein. Den ersten Teil füllt der Patient aus, Teil 2 und 3 der Zahnarzt, wobei der Zeitaufwand für das Ausfüllen und Auswerten auf ein Minimum beschränkt bleibt (Der IOSN kann als PDF hier heruntergeladen werden).

Der Patientenfragebogen entspricht dem Modified Dental Anxiety Scale (MDAS) von Humphris et al. (1995) zur Erfassung des Grades der Zahnbehandlungsangst und einer möglichen Spritzenphobie. Er besteht aus fünf Fragen mit jeweils fünf Antworten (aufsteigend von ‚keine Angst‘ bis zu ‚extreme Angst‘) und erlaubt eine Differenzierung der Angstausprägung in hoch, mittelgradig und wenig ängstliche Patienten. Nach dem Ausfüllen wertet der Zahnarzt die Antworten gemäß festgelegter Scores und vergibt einen Gesamtscore (maximal 25), der in die Gesamtwertung einfließt.

Zahnarzt sollte sich mit ASA-Klassifikation auskennen

Der zweite Teil des IOSN wird vom Zahnarzt ausgefüllt und bezieht sich auf medizinische beziehungsweise Verhaltensindikatoren, die Einfluss auf die Sedierungsnotwendigkeit nehmen können.

Der Fragebogen enthält dazu unter anderem eine Auswahl an Beschwerden, die sich unter einer Behandlung verschlechtern oder die Fähigkeit zur Kooperation beeinträchtigen können. Zahnärzte sollten dazu mit den Grundlagen der Klassifizierung des körperlichen Zustandes nach ASA (American Society of Anesthesiologists) vertraut sein, da deren Kenntnis die Vergabe eines belastbaren Scores (1 bis 4) erleichtert.

So erhalten beispielsweise Patienten ohne jegliche Beschwerden (ASA I) einen Score von 1. Systemische Beschwerden wie zum Beispiel Bluthochdruck, Angina, Asthma und Epilepsie, die sich unter dem Stress einer Zahnbehandlung verschlimmern könnten, erhalten je nach Schweregrad einen Score von 2 bis 4. Als Faustregel gilt, dass ASA-II-Patienten einen Score von 2 bis 3 erhalten, während ASA-III-Patienten als 4 eingestuft werden. Während die im Fragebogen aufgeführte Beschwerdeliste naturgemäß nicht erschöpfend sein kann, gelingt die Klassifizierung mit etwas Erfahrung und bildet somit eine gute Grundlage der weiteren Entscheidungsfindung.

Im Zweifelsfall den höheren Score-Wert wählen

Im dritten Teil des IOSN vergibt der Zahnarzt ebenfalls einen Score-Wert anhand der Komplexität der geplanten Behandlung. Diese reicht von Routinebehandlungen wie zum Beispiel Zahnsteinentfernung oder einfache Extraktionen (Score 1), bis zu komplexen beziehungsweise sehr komplexen Behandlungen, die auch chirurgische Komponenten umfassen können (Score 4). Auch hier können nicht alle möglichen Eventualitäten im Vorfeld abgebildet werden. Im Zweifelsfall ist der Zahnarzt angehalten, den höheren Score auszuwählen.

Zum Schluss werden alle drei Scores zu einem Gesamtscore addiert, der zwischen 3 und 12 Punkten liegen kann. Gesamtscores zwischen 3 und 6 spiegeln eine minimale bis moderate Notwendigkeit für eine dentale Sedierung wider. Bei einem Gesamtscore höher als 7 sollte eine Sedierung ernsthaft in Betracht gezogen werden, wobei sich die Frage nach der am besten geeigneten Form der Sedierung (oral, intravenös, Lachgas) direkt daran anschließt.