Neuer Wirkstoffcocktail gegen Krebs

18. April 2017
Neuer Wirkstoffcocktail gegen Krebs
Effektive Kombination aus Antidiabetikum und Blutdrucksenker

Mit einer Kombination aus einem Diabetesmedikament und einem Blutdrucksenker lassen sich bestimmte Krebszellen effektiv bekämpfen. Forscher vom Biozentrum der Universität Basel haben das jetzt herausgefunden.

Der Wirkstoff Metformin ist demnach das am häufigsten verschriebene Mittel zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Neben seiner blutzuckersenkenden Wirkung zeige es aber auch krebshemmende Eigenschaften. Die übliche therapeutische Dosis sei jedoch zu gering für eine effektive Krebsbekämpfung.

Laut dem Forscherteam unter Leitung von Prof. Michael Hall vom Biozentrum der Universität Basel entfalte sich die krebshemmende Wirkung von Metformin bereits bei geringen Dosen, wenn gleichzeitig der Blutdrucksenker Syrosingopine verabreicht werde. Wie sich herausgestellt habe, treibe die Wirkstoffkombination Krebszellen in den «Selbstmord».

Arzneistoff-Cocktail tötet Tumorzellen

In höheren Dosen bremst das Antidiabetikum zwar das Wachstum von Krebszellen, damit gehen aber auch unerwünschte Nebenwirkungen einher, so die Wissenschaftler. Deshalb haben die Forscher mehr als tausend Wirkstoffe dahingehend untersucht, ob sie die krebshemmende Wirkung von Metformin verstärken können.

Bei diesem Screening habe sich ein Favorit herauskirstallisiert: Syrosingopine, ein Mittel gegen Bluthochdruck. Wie die Studie zeigte, wirkte der Cocktail aus beiden Arzneistoffen bei einem breiten Spektrum von Krebsarten.

"In Proben von Leukämie-Patienten konnten wir zum Beispiel nachweisen, dass nahezu alle Tumorzellen durch den Cocktail getötet wurden und dies bei Dosen, die eigentlich nicht toxisch für die Zellen sind“, sagt Erstautor Don Benjamin. "Und die Wirkung beschränkte sich auch ausschließlich auf die Krebszellen, denn Blutzellen von gesunden Spendern waren unempfindlich für die Behandlung."

Medikamente drehen Krebszellen den "Saft“ ab

Bei Mäusen mit bösartigem Leberkrebs habe sich die Lebervergrößerung nach der Therapie wieder zurückgebildet. Auch die Tumorknoten seien weniger geworden – bei einigen Tieren sei  der Tumor sogar gänzlich verschwunden.

Ein Blick auf die molekularen Vorgänge in der Tumorzelle erkläre die tödliche Wirkung der Kombi-Therapie: So senke Metformin nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern blockiere auch die Atmungskette in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien. Der Blutdrucksenker Syrosingopine hemme unter anderem den Abbau von Zuckern.

Beide Wirkstoffe störten also die Vorgänge, die in der Zelle die lebenswichtige Energie liefern. Krebszellen hätten aufgrund ihrer gesteigerten Stoffwechselaktivität und des schnellen Wachstums einen besonders hohen Energieverbrauch, daher reagierten sie extrem empfindlich, wenn man ihre Energieversorgung kappt.

Wegweisend für klinische Anwendung

Dass die Hemmung der Atmungskette in den Mitochondrien ein zentraler Mechanismus sei, zeigten die Wissenschaftler bei einer Reihe weiterer Substanzen mit dem gleichen Wirkprinzip. Auch diese hätten das Krebswachstum in Kombination mit dem Blutdrucksenker gebremst.

"Wir konnten nun nachweisen, dass beide Medikamente zusammen einen größeren Effekt auf die Proliferation von Krebszellen haben, als jeder Wirkstoff für sich allein“, so Benjamin. "Unsere Ergebnisse belegen, dass es sinnvoll ist, die Entwicklung kombinierter Ansätze zur Behandlung von Krebspatienten voranzutreiben.“

Diese Studie liefert zudem wichtige Hinweise für zukünftige klinische Anwendungen von kombinierten Therapien, die auf den Energiebedarf von Tumorzellen abzielen.