Übergewicht: Ernährungsprogramm soll beim Abspecken helfen

Dicker Junge isst Burger
17. März 2017
Übergewicht: Ernährungsprogramm soll beim Abspecken helfen
Programm soll auch Kommunikation und Teamgeist fördern

Der Hang zum Übergewicht beginnt meistens schon in der Kindheit. Aus diesem Grund zielt ein Ernährungsprogramm einer Krankenkasse auf Kinder und Jugendliche ab. Doch das Abspecken steht nicht allein im Vordergrund.

Aktuelle Daten einer großen europäischen Studie mit mehr als 16.000 Kindern zwischen zwei und zehn Jahren aus acht Ländern, die bis zum Alter von neun bis 17 Jahren beobachtet wurden, zeigen alarmierende Ergebnisse. Darauf weist die Krankenkasse BKK 24 hin.

Übergewicht in sozial schwächeren Schichten

Demnach war in allen Ländern der Unterschied zum Körpergewicht abhängig von der sozialen Schicht. Beispiel Deutschland: Während in den obersten Einkommens- und Bildungsschichten etwa 14 Prozent der Kinder übergewichtig waren, betrug der Anteil der übergewichtigen Kinder in den weniger wohlhabenden Schichten rund 25 Prozent. Dabei ist seit langem bekannt, dass die Ess- und Ernährungsgewohnheiten der Kinder- und Jugendzeit auch im Erwachsenenalter beibehalten werden, mit allen Folgen für Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes.

Spezielles Programm der Krankenkasse

Aus diesem Grund hat die Krankenkasse das Programm "Länger besser leben." aufgelegt. Dieses richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche aus Familien, die ihr Ernährungsprogramm umstellen möchten. Die schon seit Februar laufende Frühjahrskur richtet sich an alle sozialen Schichten, weil das Ziel unabhängig vom Bildungsstand und Einkommen eine bessere Gesundheit für alle sein soll. Ernährung ist dabei eine Säule, die zweite ist Bewegung - bei Kindern und Jugendlichen eine Stunde körperlicher Betätigung pro Tag, so empfiehlt es die Weltgesundheitsorganisation.

Zur Förderung des Teamgeist

Solche Programme sollen laut Angaben der BKK 24 auch das Gefühl der Gemeinsamkeit fördern. Gemeinsam etwas für die eigene Gesundheit zu machen fördere den Teamgeist sowie die Kommunikation. Der wissenschaftliche Leiter der "Länger besser leben".-Institutes, Prof. Gerd Glaeske, will dieses Wohlfühl- und Gesundheitsprogramm fördern: "Wir haben mit diesem Programm die Chance, Kindern und Jugendlichen bessere Gesundheitschancen zu vermitteln - und oft genug färbt so etwas auch auf die Eltern ab. Es kann nicht gerecht sein, dass in unserer Gesellschaft ärmere Menschen kränker sind und früher sterben. Laut Angaben der BKK 24 richtet sich die Frühjahrskur auch an Kindergärten und Schulen.

Umfeld spielt große Rolle

Für Kinder und Jugendliche ist das Umfeld ausgesprochen prägend. Wenn die Eltern oft zu Pommes, Pizza und anderen kalorienreichen Nahrungsmitteln aus Dosen oder Kühltruhen greifen, machen Kinder das nach. Wenn Eltern viele süße Softdrinks und Limonaden trinken, werden ihre Kinder das auch als ganz normal empfinden. Sie lernen eben nicht frühzeitig, dass viel Obst und frisches Gemüse, Fisch und Nüsse, wenig gesüßte Getränke oder Obstschorlen die besseren Alternativen wären.

Dabei gibt es eindrucksvolle Vergleiche, die Kinder und Jugendliche gut verstehen könnten. So sind jeweils 100 Kilokalorien sowohl in 16 Gramm Schokolade oder 19 Gramm Chips, aber auch in 250 Gramm Äpfeln oder 530 Gramm Tomaten. Doch diese Zusammenhänge müssen vermittelt werden, weil sonst weiterhin rund doppelt so viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien in der Grundschule übergewichtig sind wie Kinder aus wohlhabenden Schichten - derzeit 20 Prozent zu 10 Prozent.  dzw