Berufskrankheit: Anerkennung von Eierstockkrebs durch Asbest möglich

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20. März 2017
Berufskrankheit: Anerkennung von Eierstockkrebs durch Asbest möglich
Wissenschaftliche Empfehlung des Bundesarbeitsministeriums

  Auch wenn Asbest schon seit mehr als 20 Jahren verboten ist geht ein Großteil der Todesfälle auf das Material zurück. Auch Eierstockkrebs kann dadurch ausgelöst werden. Die Krebserkrankung wird unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt.

Wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten seit 2015 um 6,3 Prozent gestiegen. Diese Entwicklungen lassen sich auf die Aufnahme neuer Berufskrankheiten in die Berufskrankheiten-Verordnung im vergangenen Jahr zurückzuführen, auf die zusammen 9.303 Verdachtsanzeigen und 2.192 Anerkennungen entfallen.

Todesfälle durch Asbest

Wie die BAuA mitteilt, sind 2015 2.415 Menschen an den Folgen einer Berufskrankheit gestorben. Trotz des Verbots von Asbest 1993 gehen noch immer fast zwei Drittel dieser Todesfälle auf den Umgang mit asbesthaltigem Material zurück. Vor kurzem hat das Bundesarbeitsministerium (BMAS) eine neue wissenschaftliche Empfehlung zu "Ovarialkarzinom durch Asbest" veröffentlicht. Damit liegen für ein weiteres Krankheitsbild ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse vor, um diese Erkrankungen künftig "wie eine Berufskrankheit" (§ 9 Abs. 2 SGB VII) anzuerkennen. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hin.

Hierbei handelt es sich bei dem Krankheitsbild um ein durch Asbestfasern verursachtes Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs). Ebenso wie für Lungen-und Kehlkopfkrebs durch Asbest gelten auch für das jetzt neu hinzugekommene Ovarialkarzinom folgende Bedingungen für eine mögliche Anerkennung als Berufskrankheit:

Das Ovarialkarzinom muss in Verbindung mit einer Asbestose (Asbeststauberkrankung der Lunge) auftreten 

Es muss in Verbindung mit einer durch Asbeststaub verursachten Erkrankung der Pleura auftreten

oder:

Die Betroffenen müssen eine Asbestfaserstaub-Dosis am       Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren nachweisen können. In internationalen wissenschaftlichen Studien wurde eine entsprechende Exposition mit Asbeststaub zum Beispiel bei Arbeiterinnen in der Textilindustrie (Fertigung von Schutzkleidung) nachgewiesen.

Als Berufskrankheiten kommen nur Erkrankungen in Frage, die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Maß als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind. Welche Erkrankungen in die Berufskrankheiten-Verordnung, speziell in die Berufskrankheitenliste, aufgenommen werden, entscheidet die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats. Die Liste umfasst derzeit 77 Positionen.

Die Bundesregierung wird dabei vom Ärztlichen Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales beraten. Dieser empfiehlt aufgrund seiner wissenschaftlichen Einschätzung die Aufnahme neuer Erkrankungen in die Liste. Aufgrund dieser Empfehlungen können entsprechende Erkrankungen "wie eine Berufskrankheit" (§ 9 Abs. 2 SGB VII) anerkannt werden, auch wenn sie noch nicht in die Liste aufgenommen worden sind. dzw