IDS: „Dentalbranche wirtschaftlich stabil und stark“

Wirtschaftspressekonferenz (von links): Dr. Markus Heibach, Dr. Martin Rickert, Katharina C. Hamma, Uwe Breuer und Dr. Peter Engel.
20. März 2017
IDS: „Dentalbranche wirtschaftlich stabil und stark“
Wirtschaftspressekonferenz zur 37. Internationalen Dental-Schau in Köln

Wie jede IDS begann auch diese 37. mit der Wirtschaftspressekonferenz. Dr. Martin Rickert, Vorsitzender des VDDI, gab einen Überblick über die wichtigsten Kennziffern der Branchenleitmesse: „Exakt 2.305 Aussteller, davon mehr als 70 Prozent aus dem Ausland, unterstreichen den Charakter der IDS als dentales Weltereignis, ja, als Weltleitmesse.“

An keinem anderen Ort der Welt sei die Branche so vielfältig, umfassend und vollständig vertreten wir hier Köln, sagte Rickert. Man rechne bei dieser IDS mit mehr als 140.000 Fachbesuchern aus aller Welt, was einen neuen Besucherrekord bedeute.

Die Dentalbranche beschäftige derzeit rund 500.000 Mitarbeiter und präsentiere sich wirtschaftlich stabil und stark. So erwirtschaftete die Industrie 2016 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. Auf den wettbewerbsintensiven Weltmärkten sei die Deutsche Dental-Industrie auf Wachstumskurs, allerdings habe sich der Wettbewerbsdruck deutlich erhöht, das Tempo ziehe an.

Sorge vor Marktabschottung

Mit Sorge allerdings, so Rickert, beobachte man Tendenzen zur Abschottung einzelner Märkte. „Wir lehnen protektionistische Maßnahmen ab, weil sie den Weltmarkt behindern und uns alle zum Nachteil der Patienten zurückwerfen würden“, sagte er mit Blick auf die Entwicklung in den USA. Im vergangenen Jahr erreichte die Dental-Industrie eine Exportquote von mehr als 61 Prozent, dies sei ein Beleg für die herausragende Position der VDDI-Mitgliedsfirmen.

Digitalisierung ja, aber mit Sorgfalt wählen

Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, machte die Digitalisierung als weiterhin stärksten Trend der Dentalbranche aus. „Big Data, Social Media, Internet of Things – diese gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends spiegeln sich in gewisser Weise auch in den Entwicklungen der Dentalbranche und im Gesundheitswesen – Stichworte: eHealth, Telemedizin, Gesundheits-Apps“, so Engel. Das Gesundheitssystem werde tiefgreifende Veränderungen erfahren, die auch vor der Zahnmedizin nicht haltmachten. „Digitalisierung und Vernetzung werden oder sind schon dabei, unseren beruflichen Alltag, die Beziehung zu unseren Patienten und letztlich die Strukturen der Gesundheitsversorgung zu verändern.“

Vorsicht mit Patientendaten

Engel warnte aber davor, allzu leichtfertig mit Patientendaten umzugehen. „Ich warne bei allen Chancen der Digitalisierung und Vernetzung im zahnmedizinischen oder gesundheitlichen Bereich vor zwei Gefahren. Erstens: Persönliche, gesundheitsbezogene Daten sind besonders schützenswert und sollten nicht leichtfertig gewinnorientierten Unternehmen überlassen werden.“ Für Mediziner gelte nicht umsonst die ärztliche Schweigepflicht – das Arzt-Patienten-Verhältnis müsse auch unter „digitalen Bedingungen“ geschützt bleiben. „Verbindliche ethische und rechtliche Standards müssen im Umgang mit digitalen Gesundheitsdaten definiert werden. Hierbei sind auch wir (Zahn-)Mediziner gefragt, diesen Prozess aktiv mitzugestalten“, sagte Engel.

Neue Technologien gezielt einsetzen

Die zahnärztliche Praxis biete modernen Technologien viele Einsatzmöglichkeiten, um zur zahnmedizinischen Behandlungsqualität beizutragen, was auch diese IDS wieder demonstrieren werde. Aber, so Engel: „Jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt, die in neue Geräte investieren, sollten vorab prüfen, ob die Wirksamkeit der jeweiligen Technologie auch wirklich nachgewiesen ist. Die Gefahr hoher Investitionen bei geringen Vorteilen sollte man nicht unterschätzen.“ Gerade junge Kolleginnen und Kollegen, die eine Praxis übernehmen oder neu gründen und dafür mehrere 100.000 Euro investierten, brauchten eine hochwertige, langlebige und vor allem sinnvolle Praxisausstattung. „Nur durch den gezielten Einsatz von neuen Produkten lässt sich die Qualität der zahnmedizinischen Versorgung weiter verbessern – der Zahnarzt muss Herr der Therapie und der Patient der wichtigste Maßstab bleiben“, so Engel.

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