Parodontale Erkrankungen müssen stärker im Fokus stehen

20. April 2017
Parodontale Erkrankungen müssen stärker im Fokus stehen
Kommentar von DZW-Chefredakteurin Dr. Marion Marschall

Die Frage nach einem Rückgang parodontaler Befunde duch die professionelle Zahnreinigung wird kontrovers diskutiert. Warum parodontale Erkrankungen stärker im Fokus stehen müssen, erläutert DZW-Chefredakteurin Dr. Marion Marschall im Kommentar.

Über die tatsächliche Prävalenz parodontaler und vor allem schwerer parodontaler Erkrankungen wird hinter den Kulissen nach der Veröffentlichung der Zahlen der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) im Sommer 2016 unter Fachleuten und Standespolitikern immer noch gerne diskutiert – ebenso über die Frage, ob die deutlich gestiegene Inanspruchnahme der Professionellen Zahnreinigung zum Rückgang parodontaler Befunde in der DMS V beigetragen hat und in welchem Umfang. Das ist alles wichtig für die Bemühungen um eine Neubeschreibung und Aktualisierung der PAR-Behandlung in der Gesetzlichen Krankenversicherung, die trotz des überaus ärgerlichen IQWiG-Vorberichts dazu (die DZW berichtete) hoffentlich vorankommen wird.

Parodontale Erkrankungen sollen ernst genommen werden

Entscheidend für die Patienten und für die Zahnärzte mit Blick auf die Mundgesundheit ist, dass parodontale Erkrankungen auch in ihrer Verbindung zu allgemeinmedizinischen Erkrankungen ernst genommen und möglichst frühzeitig entdeckt werden, um sie erfolgreich behandeln zu können. Dazu braucht es auf der einen Seite eine größere Sensibilität der Patienten für dieses Thema – noch immer fokussiert sich bei vielen Menschen Mundgesundheit allein auf die Karies.

Die breite Aufklärung der Zahnärzte zum Thema Karies und das Propagieren von fluoridhaltiger Zahnpasta und regelmäßiger Mundhygiene in Kombination mit den passenden Werbebotschaften der Hersteller haben sich über die Jahrzehnte tief ins kollektive Bewusstsein eingebrannt – und so dazu beigetragen, die Karieshäufigkeit deutlich zu reduzieren.

Die jetzt von der EFP in vielen europäischen Ländern und der DG Paro in Deutschland zum zweiten Mal zum Tag der Parodontologie am 12. Mai 2017 gestartete Aufklärungskampagne ist daher zusätzlich zu anderen Initiativen ein guter Anlass, mit Patienten über dieses Thema ins Gespräch zu kommen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und das Bewusstsein für die Mundgesundheit zu erweitern.

Parodontalerkrankungen stärker in Fokus rücken

Auf der anderen Seite geht der Appell an die Zahnärzte in den Praxen und an ihre Teams – vom Azubi bis zur DH –, Parodontalerkrankungen im Praxisalltag im Gespräch mit den Patienten stärker in den Fokus zu rücken. Noch längst nicht in allen Praxen gehört das regelmäßige Erheben des Parodontalen Screening-Indexes alle zwei Jahre zur Routine bei Kassenpatienten.

Zwar ist laut KZBV-Jahrbuch in den vergangenen zehn Jahren ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen, aber die Zahl der abgerechneten Untersuchungen ist mit Blick auf die Zahl der dafür infrage kommenden Patienten immer noch ausreichend. Eine echte Alternative zum PSI gibt es nicht, alle Testverfahren erweisen sich als nicht sensitiv und spezifisch genug, und die klinisch-optische Inspektion allein führt bei Patienten mit einer guten Mundhygiene häufig in die Irre, so Experten.

Der 12. Mai ist daher ein guter Anlass, zum einen die Patienten zu informieren und die durch die Aktionen dazu erhöhte Aufmerksamkeit für Gingivitis, Parodontitis und Co. zu nutzen. Zum anderen aber auch das eigene Vorgehen in der Praxis kritisch zu hinterfragen und vielleicht zu verbessern. Die ganz überwiegende Zahl parodontal erkrankter Patienten leidet unter leichten bis mittleren Formen, die sich mit regelmäßigem Recall und Mundhygieneinstruktionen gut in den Griff bekommen lassen.

Das kann eigentlich jede Praxis leisten – im Interesse der Patienten. Tipps und praxistaugliche Konzepte, wie sich ein parodontales Betreuungskonzept in der Praxis erfolgreich realisieren lässt, gibt es heute in breiter Auswahl.

Ähnliche Beiträge

Kommentare

Sehr gut gesprochen. Vielen

Sehr gut gesprochen. Vielen Patienten wird leider die Chance verwehrt, ihr Parodont gesund zu erhalten oder ihr (meist moderates) parodontales Problem frühzeitig in den Griff zu bekommen. Patienten mit erhöhtem Risiko zu identifizieren, ist allerdings schwieriig: Dafür gibt es (noch) keine verlässliche Screening-Möglichkeit. Im Zweifel sollte an erfahrene Kollegen überwiesen werden. Dr. Jan H. Koch, regelmäßiger Autor dzw