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28. Juni 2010 |  Panorama

Highlight: Von Hermanus die Garden Route entlang

Dr. med. Jürgen Konetschny, Eltville, mit einem Reisebericht über

die Perlen Afrikas (4) –

 

Nachdem Stellenbosch und das Weinland (siehe DZW 24/10) erforscht waren, ging es weiter in Richtung der berühmten Garden Route, die sich von Hermanus bis Port Elizabeth erstreckt. Gleich ein klares Statement: Schon Hermanus ist eine Reise wert, allein schon wegen der Gastfreundlichkeit im Schulphoek Seafront Guesthouse. Wer hier übernachtet, macht sicher alles richtig. Das 5-Sterne-Guesthouse liegt direkt am Meer und etwa von Juli bis November, Anfang Dezember, können Sie hier vom Frühstückstisch aus direkt die Wale in der Bucht beobachten.

Blockhaus-Charme im Knysna River Club: Wenn Sie das Haus Nummer 1, das Honeymoon Chalet, wählen, ist es weniger rustikal und zudem modern weiß gekalkt, mit Grill auf der Terrasse und alles direkt am Wasser.

Man sieht und spürt, dass das Haus von Frauenhand eingerichtet wurde. Wie, ist schwer zu beschrieben, vielleicht am ehesten noch mit „kalifornischem Landhausstil“. Die Eigentümer Petro und Mannes verwöhnen ihre Gäste vorbildlich, der Herr des Hauses herrscht über 12.000 Flaschen Wein, die göttliche Köchin heißt Rebecca, und was sie uns servierte, war Küchensterne wert. Es fiel uns wirklich schwer, die Weiterreise anzutreten …

Shark diving gefällig?

Der nächste Teil der Reise führte über Gansbaai – mit Zwischenstopp zwecks Shark Cage Diving, das noch im Atlantik stattfindet – ein gutes Stück weiter nach Mossel Bay, das schon am Indischen Ozean gelegen ist. Dazwischen liegt Kap Agulhas, das Bartolomeu Diaz, ein portugiesischer Seefahrer, als erster auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien schon 1488 umschiffte und bemerkte, dass ab hier das Meer ruhiger und langsam auch wärmer wird: Diaz hatte den südlichsten Punkt von Afrika entdeckt, der rund 50 km südlicher gelegen ist als das Kap der Guten Hoffnung, und er entdeckte auch den Indischen Ozean, der hier den Atlantischen ablöst.

Erholung im King-fisher Restaurant

Da wir gerade beim Sinnlichen sind: Essen waren wir in Mossel Bay im Kingfisher Restaurant, das wir uneingeschränkt empfehlen können. Als Vorspeise teilten wir zwei uns ein Tuna Sashimi, also rohen Thunfisch mit Wasabi – grünem japanischem Meerrettich – und Sojasoße, danach gab’s Butterfisch (ein sehr leckerer Tiefseefisch) mit Salat und Pommes frites, dazu einen halben Liter Mineralwasser (sparkling) und eine Flasche Chardonnay, für zwei Personen alles zusammen 25 Euro, ca. 10 Prozent Trinkgeld extra. Nachtisch mussten wir dankend ablehnen, er passte einfach nicht mehr in den gefüllten Magen.

Knysna ist ein Traum

Weiter ging’s Richtung Knysna (gesprochen Neisna). Der Name soll „Platz mit Holz“ bedeuten, und davon gibt es jede Menge hier – und Wasser und Lagunen. Wir fahren durch eine Landschaft, die streckenweise so aussieht wie man sich Kanada oder, wenn die Weite abnimmt, den Schwarzwald zu seinen besten Zeiten vorstellt, allerdings angereichert mit – leider nur noch ganz wenigen – Waldelefanten.

Knysna wurde als beliebteste Kleinstadt Afrikas ausgewählt und als eines der Top-100-Reiseziele der Welt bei den „Tripadvisor Travellers’ Choice Destinations Awards“. Das kann ich leicht nachvollziehen: Knysna ist charmant und liebenswert, zudem als Stadt der kulinarischen Genüsse bekannt und bietet ferner eine hochwertige medizinische Versorgung und eine gute Anbindung an die Welt durch den Flughafen von George. Das Wetter ist ganzjährig perfekt, die Umgebung ein Naturparadies mit zahlreichen Wanderwegen, und zusätzlich können Sie Wale beim Kalben beobachten, etwa von Juni bis November.

Endlich kommen wir nach 100 km Fahrt im Knysna River Club an, einer Selbstverpflegerunterkunft mit zumeist rustikalem Blockhauscharme. Hier ist es ganz entscheidend, in welchem Blockhaus Sie unterkommen, wenn Sie den gleichen Eindruck mit nach Hause nehmen wollen wie wir. Wir haben es uns im Haus Nummer 1 gemütlich gemacht, direkt vorne am Wasser, ganz modern eingerichtet, weiß gekalkte Holzwände, sehr gelungen. Es ist das Honeymoon Chalet, das wir wärmstens empfehlen können. Die Chalets haben alle eine Küche und einen Holzkohlegrill auf der Terrasse, Holzkohle und Lebensmittel gibt’s im Kwikspar gleich oben rechts an der Ampel. Der Knsyna River Club ist sehr beliebt und war bei unserem Besuch trotz Nebensaison fast ausgebucht.

Für alle, die es in Knysna etwas moderner und fast direkt am beliebten Quai, der Waterfront, gelegen haben möchten, ist das Rex eine Alternative: sehr modern, sehr stylisch, sehr bezahlbar. Verpflegungsmäßig werden Sie am Quai sicherlich im 34 South glücklich: Seafood, auch mediterran, Pastrami-Sandwiches, mexikanische Küche mit köstlich überbackenen Nachos, natürlich Fleisch, wirklich gute Cocktails, zum Beispiel vorzügliche gefrorene Margarita, und die sind schwer zu finden, da oft lieblos und unwissend zusammengepanscht, nicht hier, und Leffe Bier aus Belgien. Die Karte bietet eine extrem reichhaltige Auswahl, und das, was in solchen Situationen oft passiert, dass nämlich alles da, aber alles auch wirklich gewöhnlich und nichts Besonders ist, das müssen Sie hier nicht erleben. Sie werden zufrieden sein, wir waren es jedenfalls im höchsten Maße, und viele Reiseführer versprechen das Gleiche – diesmal können wir es bestätigen.

Urwald in Südafrika
Urwald in Südafrika: Tsisikamma

„Plett“ ist in

Als nächstes geht’s nach Plettenberg Bay, oder auch nur Plett, wie es die abkürzungsverliebten Südafrikaner nennen. Soeben sind wir im Fynbos Ridge Country House and Cottages angekommen, hier durften wir wieder einmal eine ganz andere Welt erleben. Altes holländisches Landhaus, so der erste Eindruck. Stimmt aber gar nicht, das Haupthaus ist erst zehn Jahre alt, aber es ist liebevoll in alter Tradition erbaut, deren gestalterischen Aufwand man sich heute bei Neubauten aus Kostengründen gerne spart – und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Blumen wohin das Auge reicht, im Kontrast zum alten Haus modernste stylische Bäder, eine Umgebung, in der ich mich spontan sehr wohlgefühlt habe.

Urwald hinter Plettenberg Bay: Tsitsikamma

Streckenweise hat meine Frau die Landschaft und ihre Küste mit Südfrankreich verglichen. Sie sehen, es geht recht europäisch zu hier unten an der Südspitze von Afrika und drum herum. Aber gleich um die Ecke ist auch der Urwald zu Hause: Auf dem Weg nach Cape St. Francis, unserem nächsten Ziel, bot es sich an, im Tsitsikamma-Nationalpark einige Strecken abzuwandern. Es ist herrlich da, Urwald am Wasser, Gischt, eine Hängebrücke und moderate Gipfel zum Stürmen. Ein Besuch lohnt sich, planen Sie mindestens einen halben Tag (gerne auch zwei ganze Tage) ein, auch wenn Sie wenig Zeit haben. Bei dieser Gelegenheit können Sie sich auch schnell noch den weltweit höchsten kommerziellen Bungeesprung von der „Bloukrans bridge“, der mit 216 Metern höchsten Einbogenbrücke der Welt, absolvieren, wenn Ihnen danach ist.

Ankunft in St. Francis

Wie rau hier die See sein kann, können Sie im Internet unter www.doctors-choice.de sehen. Beeindruckend hoch, beeindruckend beständig. Hier haben wir uns wieder einmal für eine Selbstverpflegerunterkunft entschieden, das Beach Break Cape St. Francis, eine 5-Sterne-Luxus-Anlage direkt am Meer. Frühstück wird trotzdem serviert im großen Gemeinschaftsraum mit Küche im Erdgeschoss des Hauses, neben dem Pool. Wir hatten vom Bett aus einen phantastischen Blick direkt aufs Wasser, fühlten uns pudelwohl und gut aufgehoben. Eine Fahrt auf dem Fluss sollten sie unbedingt einplanen. Ganz in der Nähe erkundeten wir auch eine Pinguin-Reha-Station, die sich um kranke und verletzte Tiere kümmert. Einem Pinguin – Lorna – gefiel es dort so gut, dass er nach seiner Freilassung, die auf seine Genesung folgte, schnurstracks wieder zurückkam und gar nicht mehr in der freien Natur selbst auf Nahrungssuche gehen wollte. Sind eben auch nur Menschen, die Pinguine. Wo es ihnen gutgeht, wollen sie bleiben. Wir auch.

Tierleben in Afrika

Übrigens: Im Tsitsikamma-Nationalpark wäre ich beinahe auf eine Schlange getreten. Bin ich aber nicht, ich habe sie statt dessen fotografiert. Ob sie giftig war, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Serie. Thema: Das Tierleben von Südafrika, Safari hautnah.

Dr. med. Jürgen Konetschny, Eltville   

(Artikel gekürzt)

Den vollständigen Artikel mit weiteren Abbildungen lesen Sie in der DZW 26/10 ab Seite 24.

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