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30. August 2011 |  Panorama

BSE-Erreger auch über die Luft übertragbar

Der BSE-Epidemie (Bovine spongiforme Enzephalopathie) fielen in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 280.000 Rinder zum Opfer. Die Übertragung von BSE auf den Menschen, etwa durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch, verursacht die Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die durch einen fortschreitenden und ausnahmslos tödlichen Verfall von Hirnzellen gekennzeichnet ist. Bekannt ist, dass Prionen über kontaminierte chirurgische Instrumente und seltener durch Bluttransfusionen von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Auch der Verzehr von Nahrungsmitteln, zu deren Herstellung das Fleisch BSE-infizierter Rinder genutzt wurde, hat mehrere Hundert Menschenleben gefordert. Anders als etwa beim Grippe- und Windpockenvirus wird eine Luftübertragung von Prionen aber gemeinhin als unwahrscheinlich erachtet.

Forscher um Prof. Adriano Aguzzi von den Universitäten Zürich und Tübingen sowie dem Universitätsspital Zürich haben nun herausgefunden, dass die Luft sehr wohl als Vektor von Prioneninfektionen dienen kann. Im Rahmen einer Studie (Aguzzi A, Haybaeck J, Heikenwalder M et al. Aerosols Transmit Prions to Immunocompetent and Immunodeficient Mice. PLoS Pathog. doi:10.1371/journal. ppat.1001257) wurden Mäuse in speziellen Inhalationskammern prionenhaltigen Aerosolen ausgesetzt. Gegen alle Erwartungen zeigte sich, dass die Inhalation dieser Aerosole zu einer erschreckend effizienten Infektion führte. „Eine nur einminütige Exposition reichte aus, um 100 Prozent der Versuchstiere mit der Krankheit zu infizieren“, erklärt Aguzzi die im Open-Access-Journal PLoS Pathogens publizierten Resultate. Je länger die Expositionszeit war, umso kürzer fiel die Inkubationszeit aus. Diese Ergebnisse sind laut Aguzzi überraschend und widersprächen der weit verbreiteten Ansicht, Prionen seien nicht über die Luft übertragbar.

Offensichtlich konnten die Prionen bei diesem Experiment direkt über die Atemwege ins Gehirn gelangen und sich dort ansiedeln. Verschiedene Defekte des Immunsystems – von denen aus früheren Experimenten bekannt ist, dass sie den Durchlass von Prionen vom Verdauungstrakt zum Gehirn unterbinden – konnten die Infektion nicht verhindern.

Ein stringenter Schutz gegen Aerosole gehört bislang nicht zu den üblichen Vorsichtsmaßnahmen gegen Prioneninfektionen in wissenschaftlichen Laboren, Schlachthöfen und bei der Entsorgung von Schlachtabfällen. Die neuen Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass eine Ergänzung der entsprechenden Ordnungsvorschriften um diesen Aspekt ratsam ist. „Es empfiehlt sich, Vorkehrungen zu treffen, um das Risiko einer solchen Prioneninfektion bei Mensch und Tier zu minimieren“, rät Aguzzi. „Die Resultate beziehen sich allerdings auf die Produktion von Areosolen in Laborbedingungen und bedeuten nicht, dass Creutzfeldt-Jakob-Patienten Prionen mit der Atemluft ausscheiden“, präzisiert der Forscher.   

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