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30. Mai 2011 |  Panorama

Infektionskrankheiten durch Zecken nehmen zu

Und sobald die Plagegeister Wald- und Wiesenboden bevölkern, steigt die Infektionsgefahr für Menschen. Denn der kleine Stich kann schlimme Folgen haben: Zecken und die von ihnen übertragenen Krankheiten Lyme-Borreliose und die Hirnhautentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) bleiben auch weiterhin auf dem Vormarsch. Das belegen Daten der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK): So wurde 2006 bei 22.276 Versicherten eine Lyme-Borreliose diagnostiziert. 2007 waren es bereits 23.310. Insgesamt infizieren sich nach bisherigen Schätzungen jährlich mindestens zwischen 40.000 bis 60.000 Menschen in Deutschland. Die Lyme-Borreliose ist damit die in Deutschland am häufigsten vorkommende, durch Zecken übertragene Infektionskrankheit.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind etwa zehn bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien befallen. Da nicht nach jedem Zeckenstich eine Übertragung stattfindet, kommt es bei 1,5 bis sechs Prozent der Betroffenen zu einer Infektion und bei bis zu 1,4 Prozent zu einer Erkrankung. Während es Zecken, die Borreliose übertragen, in ganz Deutschland gibt, kommen Zecken, die den FSME-Virus in sich tragen, hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg vor. Inzwischen sind auch nördlicher gelegene Landstriche als Risikogebiete definiert, wie Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Wer eine Urlaubsreise nach Österreich, in die baltischen Länder, nach Polen, Tschechien, Slowakien, Ungarn, Kroatien, Albanien, Slowenien, Russland, Südschweden oder Finnland plant, muss wissen, dass diese Gebiete ebenfalls als FSME-Gebiete gelten.

Zecken leben in Bodennähe im hohen Gras, Unterholz, Sträuchern, Büschen sowie im losen Laub. Beim Spaziergang, beim Pilze sammeln oder auch beim Spielen im Freien gelangen die Spinnentiere auf die Kleidung oder Haut. Dort suchen sie nach einer warmen Körperstelle und saugen sich fest. Die DAK gibt Tipps, wie Sie sich und Ihre Kinder vor Zeckenstichen schützen können.

• Tragen Sie im Wald geschlossene Schuhe und Bekleidung, die Arme und Beine bedeckt. Die Kleidung sollte hell sein, denn so lassen sich die dunklen Zecken schon erkennen, bevor sie sich festgesaugt haben.
• Setzen Sie sich nicht ungeschützt auf den Boden, benutzen Sie immer eine ausreichend große Decke.
• Verwenden Sie insektenabweisende Mittel (Repellentien).
• Untersuchen Sie Ihren Körper gründlich auf Zecken, Kopf und Hals, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen. Bei Kindern sollten der Hals, die Ohren und der Bereich des Haaransatzes besonders gut untersucht werden. Kinder werden vor allem am Kopf gestochen.
• Entfernen Sie Zecken sofort. Je länger die Zecke nämlich in der Haut steckt und Blut saugt, desto größer ist das Ansteckungsrisiko. Deshalb ist es wichtig, Zecken schnell zu entfernen. Beim Entfernen darf die Zecke jedoch nicht gequetscht werden, damit der infizierte Mageninhalt der Zecke nicht in die Einstichstelle gedrückt wird. Mithilfe von Pinzetten oder Zeckenkarten aus der Apotheke können die Spinnentiere direkt am Beißwerkzeug gepackt und aus der Haut gezogen werden. Drehen ist allerdings nicht sinnvoll.  
• Nach dem Entfernen sollte die Stichstelle desinfiziert und einige Tage lang beobachtet werden.
• Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte gleich zu einem Arzt gehen.
• Die Zecke sollte auf gar keinen Fall mit Öl, Nagellackentferner oder anderen Chemikalien betäubt werden, weil sie dann vermehrt Magensaft absondert.
• Wer in Risikogebieten lebt oder eine Urlaubsreise dorthin plant, sollte überlegen, sich gegen den Erreger von FSME impfen lassen. Manche Kassen wie die DAK übernehmen die Kosten.

Erreger der Lyme-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Einmal in die Blutbahn des Menschen eingedrungen, wandert es vom Zeckenstich ausgehend nach außen. Erste Reaktionen zeigen sich meist zwischen ein bis zwei Wochen danach: „Rund um den Einstich bildet sich eine ringförmige Hautrötung, die sogenannte Wanderröte, auch Erythema chronicum migrans genannt“, erklärt DAK-Ärztin Dr. Waltraud Pfarrer. „Später klagen Betroffene über Kopfschmerzen, Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen und Lymphknotenschwellungen. In sehr seltenen Fällen kann im Frühstadium auch das Herz betroffen sein.“

Wer nach einem Zeckenstich eine solche Hautrötung an sich entdeckt, sollte sofort zum Arzt gehen. Das Erythema migrans ist ein eindeutiges Zeichen für eine Borreliose. In der nächsten Phase kann es zu neurologischen Störungen kommen, beispielsweise zu einer Lähmung der Gesichtsmuskeln. In dieser späten Phase spielt sich die Borreliose hauptsächlich an den Gelenken ab. Es kann zu einer chronischen Gelenkentzündung kommen. Typisch für das Spätstadium ist außerdem eine besondere Hautentzündung, bei der sich die Haut vor allem an den Fingern, Händen, Zehen, der Nase und am Kinn sowie an Ellenbogen und Knie zurückbildet. Sie wird dünn wie Zigarettenpapier und verfärbt sich violett. In sehr seltenen Fällen ist auch eine Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks möglich, die zu bleibenden Schäden wie beispielsweise Lähmungen führen kann.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) beginnt oftmals wie eine leichte Sommergrippe. „Erste Symptome bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen und Schwindelgefühl“, erklärt die DAK-Expertin. „Nach einer beschwerdefreien Zeit von einigen Tagen oder sogar Wochen entzünden sich bei rund zehn Prozent der Infizierten die Hirnhäute und das Gehirn. Bleibende Schäden wie Lähmungen oder lang anhaltende Kopfschmerzen können nach einer durchmachten FSME auftreten.“ Je älter der Patient ist, desto schwerer verläuft in der Regel die Erkrankung. Rund ein Prozent der Betroffenen sterben an FSME.

Bei der FSME sind Antibiotika wirkungslos, da es sich um eine Viruserkrankung handelt. Der Arzt kann nur versuchen, die Symptome zu lindern. Während es gegen Borrelien bislang keinen Impfstoff gibt, kann man sich gegen FSME insbesondere in den Risikogebieten impfen lassen. „Möglich ist eine vorbeugende Aktiv-Immunisierung, die drei Jahre wirkt, oder eine passive Immunisierung“, so Dr. Waltraud Pfarrer. „Diese bietet allerdings nur einen 70-prozentigen Schutz.“ Die beste Zeit für eine Impfung liegt zwischen April und Oktober.

Die DAK-Ärztin rät allen Betroffenen beim ersten Anzeichen einer Borreliose sofort zum Arzt zu gehen: „Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis sollte die Borreliose sofort mit einem Antibiotikum behandelt werden. Je früher die Therapie beginnt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie ebenso früh wieder vollständig ausheilt.“ In der Schwangerschaft muss der Arzt eine Borreliose ebenfalls mit Antibiotika behandeln, denn eine unbehandelte Borreliose kann für das Kind gefährlich werden. Inzwischen gibt es eine Reihe von Antibiotika, die dem Kind nicht schaden.    

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