
Mit Hygiene EHEC vorbeugen
Um eine Ansteckung mit dem gefährlichen EHEC-Durchfallerreger zu vermeiden, rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) zu besonderer Vorsicht. In den vergangenen Wochen erkrankten ungewöhnlich viele Menschen in Deutschland an einer schwer verlaufenden Infektion mit dem enterohämorrhagischen Escherichia-coli-Bakterium. Die DGIM empfiehlt, Lebensmittel – besonders Obst und Gemüse – gründlich zu waschen, wenn möglich sogar zu kochen oder zu braten, da Keime anhaften könnten.
Darmbakterien der Gattung Eschericha coli verursachen häufig Durchfälle. Die enterohämorrhagischen Stämme sind besonders gefährlich. Denn sie können sich in der Darmwand festsetzen und erzeugen zudem Gifte, die Nerven und Blutzellen schädigen. Hauptquelle für Erreger sind Wiederkäuer wie Kühe oder Schafe. Sie tragen die Keime im Darm. Menschen nehmen die Bakterien in der Regel mit rohem Fleisch oder Rohmilch auf. Dies scheint jedoch nicht die Ursache der aktuellen Erkrankungen zu sein. Erkrankungen mit EHEC sind in Deutschland meldepflichtig. Das RKI registriert jährlich 800 bis 1.200 Erkrankungen.
Ob Frauen tatsächlich empfänglicher für eine Ansteckung mit dem Darmbakterium sind als Männer, ist bisher nicht nachgewiesen. Menschen mit Blut im Stuhl rät die DGIM, unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Ein EHEC-Infekt hat Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfall zur Folge. Derzeit tritt in Deutschland gehäuft der besonders schwere Verlauf der Infektion auf – das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Das Syndrom geht mit Blutarmut und Nierenversagen einher und kann tödlich enden. Bei Säuglingen und Kleinkindern wirkt es sich besonders gravierend aus. Doch aktuell sind vor allem erwachsene Frauen erkrankt, was mit der Zubereitung von Lebensmitteln zusammenhängen könnte, schlussfolgerte der Generalsekretär der DGIM, Prof. Ulrich R. Fölsch. „Die hohe Zahl schwerer Verläufe und das eher untypische Erkrankungsalter erhöhen die Brisanz der aktuellen Situation und machen die Suche nach der Quelle und der Epidemiologie des Erregers besonders dringlich“, so der Internist und Gastroenterologe weiter.
Einen Tag, nachdem das RKI vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und Blattsalaten aus Norddeutschland gewarnt hatte, machte das Hamburger Hygiene-Institut Salatgurken aus Spanien als Träger der gefährlichen EHEC-Erreger als Ansteckungsquelle aus. Forscher des Uni-Klinikums Münster hatten kurz zuvor den grassierenden Darmkeim als Vertreter des Typs HUSEC 41 des Sequenztyps ST678 identifiziert. Den Angaben zufolge ist dies einer von 42 repräsentativen EHEC-Typen, die seit dem Jahr 1996 in Deutschland bei Patienten aufgetreten sind. Mit diesem EHEC-Typ sei es bislang weder in Deutschland noch weltweit zu dokumentierten Ausbrüchen gekommen. Nach ersten Erkenntnissen ist der EHEC-Typ besonders resistent und spricht unter anderem nicht auf Penicillin an.
In wenigen Tagen soll ein Test zur Verfügung stehen. Dieser soll helfen, die Epidemiologie von HUSEC 41, über die man noch nichts weiß, aufzuklären.
Verbraucher könnten aber das Ansteckungsrisiko verringern, indem sie Hygienemaßnahmen, wie häufiges Händewaschen berücksichtigten Lebensmittel erhitzten. Diese müssen im Inneren zehn Minuten lang eine Temperatur von mindestens 70 Grad Celsius erreichen. Zudem sollten leicht verderbliche Lebensmittel im Kühlschrank gelagert werden.
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) meldete Norddeutschland bislang die Mehrzahl der Fälle. „Bemerken Menschen Blut im Stuhl oder blutigen Durchfall, sollten sie dies unbedingt und ohne zu zögern ärztlich abklären lassen“, empfiehlt Fölsch. Falls sich beim Hausarzt ein Verdacht abzeichnet, werde dieser umgehend weitere nötige Schritte einleiten, an spezielle Zentren überweisen und das Gesundheitsamt kontaktieren.
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