
„Jede körperliche Aktivität ist besser als keine“
Eine Woche umfasst 10.080 Minuten, bereits 150 Minuten moderate Aktivität und Bewegung pro Woche schützen Erwachsene laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor chronischen Krankheiten und dem vorzeitigen Tod. Ein Forscherteam um Günther Samitz, Bewegungswissenschaftler am Zentrum für Sportwissenschaft der Universität Wien, hat untersucht, welcher Zusammenhang zwischen dem Aktivitätsstatus in den verschiedenen von der WHO definierten Kriterien körperlicher Aktivität – Beruf, Alltag, aktiver Transport sowie Freizeit – und dem Gesamtsterberisiko besteht.
Zudem wollte man herausfinden, in welchem Ausmaß die derzeitige Mindestempfehlung der WHO das Gesamtsterberisiko bei Erwachsenen senkt. Obwohl zahlreiche Studien belegen, dass regelmäßige Bewegung die Gesundheit fördert und das Risiko für die Gesamtsterblichkeit senkt, ist der genaue Dosis-Wirkungs-Zusammenhang bisher nur in Ansätzen geklärt. Diesen Zusammenhang haben die Forscher anhand einer Meta-Studie mit mehr als 1,3 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht. Von den weltweit etwa 7.000 Quellen erfüllten 80 epidemiologische Studien aus Europa, Kanada, den USA und Asien die strengen Einschlusskriterien der Meta-Analyse. Studienteilnehmer durften zu Studienbeginn keine Herz-Kreislauf-Erkrankung, keinen Krebs oder eine andere schwerwiegende chronische Erkrankung haben und wurden durchschnittlich elf Jahre nachbeobachtet. „Die Ergebnisse der Einzelstudien wurden kombiniert und für wichtige andere Einflussfaktoren, wie etwa Zigaretten- und Alkoholkonsum, Body-Mass-Index, Blutdruck, Ernährungsverhalten, Bildung und Einkommen korrigiert“, erklärt Samitz. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts in Kooperation mit Public-Health-Medizinern und Epidemiologen der Universitäten Bern und Bristol wurden im International Journal of Epidemiology (Samitz G, Egger M, Zwahlen M. Domains of physical activity and all-cause mortality: systematic review and dose-response meta-analysis of cohort studies. Int J Epidemiol 2011;1–19. doi: 10.1093/ije/dyr112) veröffentlicht.
Frauen profitieren stärker
Derzeit erfüllt nur rund ein Drittel der erwachsenen Europäerinnen und Europäer die Mindestvorgaben der WHO. Dabei ist eine höhere körperliche Aktivität mit einem niedrigeren Gesamtsterberisiko verbunden – egal ob in Beruf, Alltag, Haushalt und Freizeit oder bei aktivem Transport. Dieser Zusammenhang war für körperliche Freizeitaktivitäten und Alltagsaktivitäten jedoch größer als für berufsbezogene Aktivitäten und bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. „Frauen und Personen höheren Lebensalters profitierten selbst von mäßig intensiven Alltagsaktivitäten, wie etwa Haushalts- oder Gartenarbeit und Besorgungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad“, so der Bewegungswissenschaftler. Warum der Gesundheitseffekt bei Frauen größer ist als bei Männern, ist derzeit noch nicht geklärt, könnte aber mit der speziellen Hormon- und Stoffwechselsituation der Frau zusammenhängen.
Etwas Bewegung ist gut – mehr ist besser
In einem weiteren Schritt berechneten die Forscher den Gesundheitsnutzen im Verhältnis zur wöchentlichen Bewegung. Bei leicht bis mäßig intensiven Alltagsaktivitäten war im Vergleich zu keiner Bewegung jede Steigerung der wöchentlichen Bewegungsdosis um eine Stunde mit einer um 4 Prozent reduzierten Gesamtsterblichkeit verbunden. „Bei mäßig intensiven Freizeitaktivitäten wie Nordic Walking, Tanzen, Radfahren und Wandern betrug die Risikoreduktion bereits 6 Prozent und bei intensiverem Ausdauertraining oder Sport, etwa Laufen, Tennis und Ballsportarten, sogar 9 Prozent“, sagt Experte Samitz.
Das Erreichen der von der WHO empfohlenen Mindestdosis von 150 Minuten moderater Alltags- oder Freizeitbewegung pro Woche war mit einer Reduktion des Gesamtsterberisikos um 10 Prozent verbunden. Die Risikoreduktion war aber bei intensiverem Ausdauertraining oder Sport mit 22 Prozent mehr als doppelt so hoch. Bei 300 Minuten pro Woche – diese Dosis wird für einen weiter reichenden gesundheitlichen Nutzen empfohlen – betrug die Risikoreduktion bei moderat intensiver Alltagsbewegung 19 Prozent und bei höher intensivem Ausdauertraining und Sport 39 Prozent. Aber selbst unterhalb der WHO-Mindestempfehlung war noch ein signifikanter Gesundheitsnutzen zu beobachten.
„Jede körperliche Aktivität ist also besser als keine und selbst banale Alltagsaktivitäten bewirken einen Überlebensvorteil. Mehr und intensivere Bewegung bringen aber einen höheren Gesundheitsnutzen“, resümiert Samitz, und empfiehlt: „Wer bisher körperlich inaktiv war, sollte trotzdem zunächst mit moderat intensiven Aktivitäten beginnen und sich erst schrittweise an mehr und intensivere Bewegung herantasten. Denn gerade bei Neueinsteigern ist bei intensiver Belastung das Risiko für Verletzungen und unerwünschte kardiale Ereignisse höher.“
DZW im Abo
Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement
DZW TV
Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf
interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.



Eigenen Kommentar hinzufügen