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31. August 2010 |  Politik aktuell

Vorwurf der Abzocke bei PZR ist absurd

Bundeszahnärztekammer nimmt Stellung zu Bericht in der

Bild-Zeitung vom 21. August 2010 –

 

Der in der Bild-Zeitung vom 21. August 2010 erhobene Vorwurf der Abzocke bei der Professionellen Zahnreinigung ist für die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) absurd. Die Zeitung hatte mit Berufung auf einen „Test“ von geld.de, einem Internetportal, auf dem vor allem Versicherungen und Finanzdienstleistungen angeboten werden, berichtet. Das Internetportal hatte behauptet, dass jeder dritte Zahnarzt zu viel für eine PZR berechne. Außerdem kritisiert das Portal, dass eine PZR mit durchschnittlich 98 Euro in München am teuersten ist.

Geld.de hält maximal 60 Euro für angemessen. In der umfangreicheren Pressemitteilung des Portals gibt der „Experte“ auch gleich Empfehlungen zum Abschluss von Zahnzusatzversicherungen, die PZR-Leistungen umfassen.

Die BZÄK stellt dazu korrigierend fest: „Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist eine hinsichtlich ihres medizinischen Nutzens wissenschaftlich anerkannte, zahnmedizinisch präventive Maßnahme. Sie beinhaltet ein komplexes Leistungsgeschehen, welches aus Befunderhebung, der Entfernung harter und weicher Zahnbeläge, der Politur und anschließenden Fluoridierung der Zahnoberflächen sowie der Aufklärung des Patienten zur Optimierung der häuslichen Mundhygiene besteht.

Der zeitliche Aufwand einer Professionellen Zahnreinigung variiert ganz erheblich: er hängt ganz wesentlich vom Alter, der Mundhygiene und dem Erkrankungsrisiko des Patienten, aber auch vom Zustand der Zähne und des Zahnhalteapparates sowie von der Anzahl der Zähne und der Art beziehungsweise Menge der vorhandenen Zahnbeläge ab.“

Da die PZR im Leistungskatalog der zwischenzeitlich veralteten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) nicht enthalten sei, werde die Leistung in der Regel analog berechnet. Der Zahnarzt sei aber auch hier in der Gebührenfindung nicht frei, sondern den Regeln der amtlichen Gebührenordnung unterworfen. „Er ist verpflichtet, die Gebühren unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten und des Zeitaufwands sowie den Umständen nach billigem Ermessen zu bestimmen“, so die BZÄK.

„Tatsächlich bestätigen die Daten der GOZ-Analyse der Bundeszahnärztekammer, dass in Deutschland im Durchschnitt für die Professionelle Zahnreinigung ein Honorar von 77 Euro berechnet wird. Die oben dargestellten individuellen Patientenbesonderheiten führen naturgemäß zu Abweichungen von diesem Mittelwert. Die Behauptung, ab einer willkürlich fixierten finanziellen Grenze sei eine zahnärztliche Rechnung ‚Abzocke‘, ist fachlich wie betriebswirtschaftlich unsinnig“, heißt es im aktuellen Klartext der BZÄK.

Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns reagierte auf den Bericht: „Solche Aussagen zeigen, dass die Betreiber dieses Internetportals keine Ahnung von Zahnmedizin haben. Eine professionelle Zahnreinigung ist eine aufwendige Behandlung, bei der Beläge an Stellen entfernt werden, die man mit dem normalen Zähneputzen nicht erreicht. Das Säubern von Zahnzwischenräumen und Zahnhälsen unterhalb des Zahnfleischs erfordert hohe Konzentration und viel Fingerspitzengefühl. Außerdem kommen bei einer PZR teure Instrumente wie Ultraschall und Airflow zum Einsatz. Schon deshalb muss eine solche Behandlung deutlich mehr kosten als eine Handwerkerstunde“, so KZVB-Vorsitzender Dr. Janusz Rat. „Die Schwankungsbreite der Honorare zeigt auch, dass Zahnärzte richtigerweise die Kosten individuell kalkulieren. Eine PZR ist bei zehn noch vorhandenen Zähnen natürlich weniger aufwendig als bei 32“, so Rat.

Dass eine PZR in München mehr kostet als in anderen Städten, ist für Rat zwangsläufig. „München ist eine der teuersten Städte Deutschlands. Zahnärzte müssen dort sehr hohe Praxismieten zahlen. Auch das Personal verdient in einer Metropole wie München mehr als in einer Kleinstadt. Das spiegelt sich natürlich in den Preisen wider. Eine Tasse Kaffee kostet in München auch mehr als in Gera.“

Rat rät gesetzlich versicherten Patienten dazu, das Geld für eine PZR auf jeden Fall auszugeben. „Niemand sollte hier am falschen Ende sparen. Eine PZR ist eine sinnvolle Investition. Man kann mit regelmäßigen Zahnreinigungen und einer guten Mundhygiene die eigenen Zähne bis ins hohe Alter erhalten.“

Die BZÄK stellt auf ihrer Homepage detaillierte Informationen für Patienten zur PZR vor:
www.bzaek.de/patienten/patienteninformationen/prophylaxe-zahnerhaltung.html.   

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