
Keine Empfehlung für den Berufsstand
von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall –
Steht dem Freien Verband das Wasser schon so bis zum Hals, dass er jetzt in blanken Aktionismus verfallen muss? Diese Frage drängt sich angesichts der Aktivitäten, die der nach wie vor von Schwund bei der Mitgliederzahl betroffene Verband jüngst entwickelt, selbst altgedienten FV-Mitgliedern auf. Denn auch diese werden heftig angegriffen, so jüngst der mitgliederstärkste FV-Landesverband in Nordrhein. Gegenstand: die vorgezogene Vorstandswahl in der KZV Nordrhein.
Kann man nun über die vorgezogene Wahl geteilter Meinung sein, so sorgte der zweite Angriff auf das vom ehemaligen Vorstandsmitglied der KZV NR und jetzigen stellvertretenden KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer mit den Ersatzkassen ausgehandelte Papier zur vertragszahnärztlichen Vergütungsstruktur für erhebliche Verstimmung nicht nur in Nordrhein.
Dort sah man sich veranlasst, die Angriffe des FVDZ-Bundesvorsitzenden Dr. Karl-Heinz Sundmacher in einem Beschluss zurückzuweisen und „die einseitige und selektive Informationspolitik“ des BV „auf das Schärfste“ zu missbilligen (mehr unter www.adp-medien.de).
Die Kritik an Eßer und dem Vdek-Papier war zudem inhaltlich nicht stichhaltig. Hier wurden um des blanken Wahlkampfs in Bayern willen und im Vorfeld der KZBV-Vorstandskür Ängste bei den Kollegen geschürt, die durch das Papier in keiner Form zu begründen sind. Da wurde Sundmacher auf der KZBV-VV auch „mangelnde Sachkenntnis“ attestiert. Dass man diese FVDZ-Meldung, der ein ähnlich lautender BV-Beschluss vorausging, deshalb gleich als „Dünnschiss“ einstufen darf, den man vonseiten der KZBV nicht zu kommentieren braucht, wie es das für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige KZBV-Vorstandsmitglied in Berlin einschätzte, ist allerdings bei derart persönlichen und sachlich falschen Angriffen auf die KZBV schon fahrlässig.
Gerade jetzt braucht es ein gemeinsames Vorgehen der Zahnärzte gegenüber der Politik, um etwas in Sachen Vergütungsreform zu erreichen. Auch wenn das Vdek-Papier Risiken bergen kann, so ist doch eine Zusammenarbeit mit dem starken Ersatzkassenverband gegenüber der Politik in dieser Sache allemal sinnvoller und Erfolg versprechender als ein Alleingang der Zahnärzte gegen die Kassen. Hier darf die KZBV keine Spaltereien eines Berufsverbands aus reinen Wahlkampfgründen hinnehmen. Dafür steht für die Zahnärzteschaft zu viel auf dem Spiel. (Auch wenn klar ist, dass jetzt im KZBV-Vorstand die Pflöcke eingeschlagen werden, um für den Kampf um den Vorstandsvorsitz die beste Ausgangsposition zu haben.)
Dafür legt der FVDZ-BV den Zahnärzten mit seiner „kleinen Gesundheitsprämie“ für die zahnärztliche Versorgung ein viel gefährlicheres Ei ins Nest – wider alle FVDZ-Hauptversammlungsbeschlüsse. Das jetzt als Lösung für das Milliardenloch propagierte Drabinski-Modell mit Auskopplung der vertragszahnärztlichen Versorgung aus dem GKV-Beitragssatz und Verlagerung in eine kleine Gesundheitsprämie birgt für die Zukunft viel mehr gefährlichen Sprengstoff und lässt viele Fragen offen. Mit einer solchen Prämie stünde den Kassen ein schöner Hebel zur Verfügung, die Prämie durch Beschneiden der Vergütung für die Zahnärzte kleinzuhalten. Über Fragen der Honoraranpassung etc. steht leider nichts drin. Die gewählte Ausgangsbasis beschreibt nur – die jetzt schon im Honorarvolumen unzureichende – Ist-Situation, ein Mehr für eine moderne Zahnmedizin ist nicht vorgesehen. Dass es für die Umsetzung unbedingt der Kostenerstattung bedarf, findet man nur am Rande – und die will in voller Form auch die schwarz-gelbe Koalition nicht. Zum Glück ist das Thema Gesundheitsprämie in der Bundespolitik derzeit nicht en vogue, Seehofer sei in diesem Falle mal Dank.
„Die Kollegen sollen wählen gehen, und sie sollen dann wenigstens in beiden Wahlen einheitlich wählen“, so ein durch die oft kontraproduktiven Streitereien zwischen freiverbands-geführter Kammer, ZZB-geführter KZV und sowohl FV- als auch ZZB-geführten Bezirkszahnärztekammern in Bayern schwer genervter Standespolitiker. Aber wenn das heißen könnte, dass sich die dann einheitliche Politik auf dem jetzt gezeigten Niveau bewegt, können einen doch Zweifel an dieser Empfehlung beschleichen. Und das ist schade und traurig für die vielen Freiverbändler, die seit vielen Jahren in Körperschaften auf allen Ebenen erfolgreich, streitbar, aber sachlich und kreativ im Interesse aller Kollegen standespolitisch aktiv sind – oft allem Frust der vergangenen Jahre über den BV zum Trotz.
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