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29. Juni 2010 |  Politik aktuell

Back to the roots, oder: Marktplatz der Eitelkeiten

Unter „Spektakuläre Implantation im Flugzeug“ verfolgte ich kürzlich unter anderem im Spectator Dentistry die Aktion des Dr. Armin Nedjat. Nun sind wir als Berufsstand wohl doch wieder dort angekommen, wo wir seit noch nicht einmal zwei Jahrhunderten froh sind, nicht mehr agieren zu müssen: am Marktplatz (der in diesem Falle ein Flugzeug ist), umgeben von einer Schar Schaulustiger (die in diesem Falle Journalisten sind) und einem Künstler (der in diesem Falle jenseits des ethischen Verständnisses unseres Berufsstands agiert, um sein Produkt zu preisen).

Der Autor dieses Beitrags, Prof. Dr. Thomas Hoffmann

Dies zeigt einmal mehr, wie notwendig die Gründung des Arbeitskreises Ethik in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde war, um derartigen Entgleisungen entgegenzuwirken.  Und es zeigt, wie wichtig das Engagement von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung für pflegebedürftige Menschen, die aktuellen Industriespenden von Dentsply Friadent und anderen für die Ärmsten der Armen und das Wirken des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte sowie weiterer ähnlich ausgerichteter Hilfsaktionen von Zahnärzten sind, um die gesellschaftliche Verantwortung unseres Berufsstands deutlich zu machen.

Das wirft jedoch andererseits die Frage auf, wie es um das ethische Selbstverständnis der Verlage und Journale bestellt ist, die derartige Spektakel kommentarfrei transportieren, die unsere Patienten zu Kunden degradieren und damit, um den Kreis zu schließen, die Zahnheilkunde eben zurück zu den Marktplatzwurzeln führen.

Etwas weniger Spektakel, etwas mehr kritische Distanz und ein Zurückfinden zu den ethisch fundierten Werten würden die deutsche Zahnmedizin, so wie sie in der freiberuflichen Berufsausübung ebenso wie an den Universitäten praktiziert wird, weitaus besser spiegeln und ihr darüber hinaus weitaus weniger Schaden in der politischen wie öffentlichen Wahrnehmung zufügen.

Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Dresden  

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Kommentare

Wilfried, 30.06.10 13:39:
Kennzeichen eines freien Berufes ist der Vorrang des Interesses des Patienten (Mandanten, Klienten etc.) vor Eigeninteressen des Freiberuflers.
Die hier zitierte Selbstinszenierung zeigt, dass große Gefahr für die Freiberuflichkeit der Zahnärzte aus den eigenen Reihen droht. Damit werden nicht allein freiberufliche Privilegien in Frage gesteltt, schwerer wiegt der Verlust des Vertrauens unserer Patienten.
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Armin, 02.07.10 13:08:
Müssen wir ‚Ethik‘ neu definieren?
Der im Flugzeug operierte Zahnarzt- Kollege war zuvor in einer deutschen Klinik und sollte zunächst eine Knochenaugmentation erhalten. Nach der ‚Einheilzeit‘ sollte ‚klassisch‘ weiter operiert werden (unzweifelhaft mit einem zweiteiligen System und wieder mit Einheilungszeit). Das ganze Procedere sollte sich bis zu einem Jahr hinziehen. Eine medizinische Indikation, zumindest für die Augmentation, war nicht gegeben. Die Kosten (inklusive dem Material) wären auf mehr als das Doppelte gekommen, von den unnötigen Operationen und erhöhten Komplikationsmöglichkeiten ganz zu schweigen. Übrigens: Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Reiner Gradinger, führte im April 2010 u.a. vor dem Berliner Chirurgen- Kongress aus: „Es werden unnötige Eingriffe vorgenommen, weil sie Kliniken oder auch Praxen Geld bringen.“ Ich bin der erste, der in diesem Zusammenhang einem ‚DGZMK- Ethik- Arbeitskreis‘ begrüßen würde. Auch unsere Patienten in unseren Praxen werden respektvoll, nach bestem Wissen und Gewissen behandelt, über wahre Statistiken und Erfolge aufgeklärt, finanziell nicht über den Tisch gezogen und- ja natürlich- auch als ‚Kunde‘ angesehen. Herr Professor: Verlieren Sie bitte nicht den Kontakt zu uns niedergelassenen Zahnärzten und den Patienten, sonst wird die Lethargie der Zahnärzteschaft immer größer!
Wir wissen alle, dass ca. 80 % aller Implantat- Versorgungen minimal- invasiv und erfolgreich in jeder Zahnarztpraxis und von jedem Zahnarzt (nach entsprechender Ausbildung) durchführbar sind- sogar eben in einem Flugzeug! Ich habe unzählige E-Mails auch von Nicht- Champions- Kollegen erhalten. Sie berichteten, dass sie seitdem sehr viele Anfragen für Implantat- abgestützten Zahnersatz seitens ihrer Patienten haben und bedankten sich bei uns. Was nützt es denn, wenn wir fachlich in der Lage sind, hochwertige Zahnmedizin zu betreiben, wenn die Öffentlichkeit nicht weiß‘, was wir in der Lage sind, anzubieten? Die Implantologie kommt historisch ‚aus der Praxis‘ und sollte, meiner Meinung nach, in den meisten Fällen auch dort bleiben. Implantologie mit der dazugehörigen Prothetik sollte sich zu keiner elitären Behandlungsweise weniger hochspezialisierter Kollegen entwickeln und im wahrsten Sinne ‚in unseren Händen‘ bleiben, genau wie z.B. die Fachbereiche Parodontologie, Prothetik und Endodontie auch. Ich sehe die Gefahr, dass uns Zahnärzten und den Patienten suggeriert wird, dass nur bestimmte Zahnärzte/ Chirurgen (mit entsprechender, übertriebener, übertechnisierter ‚Aufrüstung‘ wie standardmäßige DVT, Navigation, Piezosurgery) in der Lage sind, Implantologie generell in ihren Fachkliniken durchzuführen. Es wird mit unseren und mit den Ängsten der Patienten gespielt! Dazu wünsche ich mir eine kritische Distanz! Wo bleibt die Ethik? Ich erinnere nur an das Bestreben der MKG- und Oralchirurgen im Jahre 1999, dass uns Zahnärzten die Implantologie quasi untersagt werden sollte. Der Bedarf an Implantologie ist so enorm, dass eigentlich keiner Angst haben muss, dass ihm nicht viel übrig bleibt. Fakt ist jedoch auch: Die Patienten stimmen mit ihren Füßen ab!
Wer in Mainz auf dem 4- Tages- Kongress dabei war und vor allem die Flugzeug- Pressekonferenz ‚live‘ erlebt hat, der wird unzweifelhaft festgestellt haben, dass sowohl die breite Öffentlichkeit als auch der „Allround“- Zahnarzt ein großes Interesse an innovativen, modernen- und ausgereift- erfolgreichen Methoden der Zahnmedizin haben. Ich habe nachweislich die Flugzeug- OPs nicht als Champions- Implants Promotion genutzt, sondern als Information für die Patienten, die zum Großteil eben nicht über die Möglichkeiten minimal- invasiver Implantation aufgeklärt sind. Ich betonte immer wieder, dass die OPs im Flugzeug keine „Zirkus- Attraktion“ darstellen sollten und wir ganz bewusst auf den ‚Weltrekord‘- Eintrag verzichteten, um Nachahmer spektakulärer Aktionen abzuhalten. Da bin ich ebenfalls ganz auf Ihrer Seite, Herr Professor Dr. Hoffmann. Nicht akzeptieren kann ich Ihre offensichtliche Neudefinition von ‚Ethik‘, Moral und Ihre Fachpresse- Schelte. Auch bin ich mir sicher, dass wir durch unseren Kongress inklusive der Flugzeug- OPs der deutschen Zahnmedizin in der politischen wie öffentlichen Wahrnehmung ganz viel „frischen Wind“ und neue, positive Maßstäbe gegeben haben: ‚Mehr Lenas braucht das Land‘, mehr Mut zur offen- ehrlichen Diskussion und mehr Selbstvertrauen!
Auch der alte Spruch: „Großer Chirurg – große Schnitte“ gilt nicht mehr! Wörter wie ‚Schlüssel- Loch- Chirurgie‘ und ‚MIMI‘ sind längst bei den Patienten angekommen. Dies ist jetzt wiederum eine Sache für unsere Standespolitik, die ich auch in Funktion als Präsident des Vereins innovativ- praktizierender Zahnärzte (‚VIP-ZM‘) kritisiere: Stellung zu beziehen und dafür zu kämpfen, dass wir nicht nach Minuten und GOZ/ GÖÄ- Handgriffe bezahlt werden sollten, sondern nach Leistung und Verantwortung. Da sind Sie auch, Herr Professor, als unser DGZMK- Präsident gefordert…
Das Wichtigste ist und bleibt unser Patient in unseren Praxen, der ein Recht auf Information, gute, ausgereifte, langzeiterprobte und minimal- invasive Therapien hat! Und da sind wir uns wieder alle einig, oder?
Mit kollegialen Grüßen, Ihr Dr. Armin Nedjat, niedergelassener Zahnarzt, Präsident des VIP-ZM, CEO Champions- Implants GmbH

PS: Wir haben es nicht nötig, unsere Spenden aus Publicity- Gründen öffentlich zu machen und rekrutieren diese nicht aus überteuerten Verkaufspreisen zahnärztlicher Produkte… mit unserem Fußballspiel haben wir 4500 Euro gespendet, die längst an die Realschule Plus unserer Heimatgemeinde geflossen sind. Verglichen mit der 15.000 Euro Spende des Konzerns natürlich nur knapp 1/3, aber dafür ohne große Publicity im April in den Fachmedien!!
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Steffen, 14.07.10 12:01:
Unser Kollege Winfried erwähnt den Vorrang des Patienteninteresses vor den Eigeninteressen des Freiberuflers. Nach nunmehr 3 Jahren Championserfahrung kann ich nur hinterfragen, wo denn diese Patienteninteressen bei den Kollegen Berücksichtigung fanden, die mit fünfstelligen Kostenvoranschlägen und teils unnötigen Begleitleistungen eine notwendige ZE-Versorgung auf hohem Niveau von vornherein abwürgten.
Ich habe mit erfolgreicher Versorgung auf Champions-Implantaten mehr Vertrauen bei meinen zufriedenenPatienten gewonnen, als alle von denen vorher besuchten High-Tech Praxen zusammen....denn diese hatten die Möglichkeit einer MIMI-Versorgung nicht einmal erwähnt.....wo ist hier die Ethik ????
Erklärungsnöte habe ich dann allerdings bei der Frage: Warum hat mir das nicht der andere Implantologe empfohlen ???...
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