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29. Juni 2010 |  Politik aktuell

Orale Medizin – die Zukunft in der Zahnmedizin

Initiative „Gesund im Mund bei Diabetes“ gestartet –

 

Das Risiko für Diabetes-Patienten, an Parodontitis zu erkranken, ist gegenüber Nicht-Diabetikern dreifach erhöht[1]. Das Wissen um diesen Fakt ist jedoch unzureichend und wird daher in der Behandlung von Diabetikern vernachlässigt. Dies möchte die Initiative „Gesund im Mund bei Diabetes“ ändern, die Anfang des Jahres von Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Colgate-Palmolive gegründet wurde. Präsentiert wurde diese Initiative kürzlich auf einer Pressekonferenz in Hamburg.

Präsentierten die Initiative „Gesund im Mund bei Diabetes“ in Hamburg: Dr. Dietmar Oesterreich, Prof. Dr. Jörg Meyle, Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, und Dipl.-Biol. Michael Warncke (v.l.). Foto: Gerd Eisentraut

Ein interdisziplinärer Wissenschaftsausschuss unter der Leitung von Prof. Dr. Hellmut Mehnert, Institut für Diabetesforschung in München, mit Zahnmedizinern, Diabetologen und einem Dipl.-Biologen hat sich das Ziel gesetzt, ein Konsensuspapier zu erarbeiten, um dieses Thema in die Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) aufnehmen zu lassen. So soll auf das Thema „Prophylaxe und Therapie von Parodontitis bei Diabetikern“ aufmerksam gemacht und sowohl Fachkreise als auch Patienten über die Risiken und Wechselbeziehungen von Parodontitis und Diabetes informiert werden.

Die Bedeutung der Mundgesundheit für die Allgemeingesundheit wachse ständig. Systemische Erkrankungen können frühzeitig erkannt werden. Erfolge bei der Prävention oraler Erkrankungen seien eine gute Chance für die Verbesserung der Allgemeingesundheit. Vor dem Hintergrund steigender Zahlen bei Diabetespatienten als auch bei Patienten mit parodontalen Erkrankungen und vor allem der hohen Dunkelziffer bei Diabetes, sei ein Umdenken in der Zahnmedizin und in der Medizin nötig, welches ein interdisziplinäres Teamwork und Kommunikation der unterschiedlichen Kompetenzen fordere. Die Orale Medizin werde die Zukunft in der Zahnmedizin sein und solle integraler Bestandteil der universitären Ausbildung werden, hieß es in Hamburg.

Präsentiert wurden Initiative und Zusammenhänge zwischen Diabetes und oraler Gesundheit von Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, Dipl.-Biol. Michael Warncke, Colgate-Palmolive, Hamburg, Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen/ Ruhr-Universität Bochum, und Prof. Dr. Jörg Meyle, Universität Gießen.

Zum Thema Zusammenhang und Wechselbeziehung von Diabetes und Parodontitis wurden bereits viele Studien veröffentlicht [2]. Eine Studie von Emerich et al. [1] zeige, dass Diabetiker (untersucht wurden vor allem Typ-2-Diabetiker) ein dreifach höheres Risiko haben, an Zahnlockerungen und Alveolarknochenverlust zu erkranken, als Nichtdiabetiker. Studien wiesen zudem darauf hin, dass die Dauer der Diabeteserkrankungen und eine schlechte metabolische Kontrolle zu einem gesteigerten Risiko führen, an einer Parodontitis zu erkranken. Grundsätzlich stehe fest, dass bei Diabetikern im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes das Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken, um das Dreifache erhöht sei.

Im Parodont sei eine hohe Konzentration von AGEs festgestellt wurden, die die Entstehung von Parodontitis begünstige. Parodontitis und Diabetes stünden in einer Wechselbeziehung. Die Parodontitis erhöhe die Insulinresistenz der Gewebe und die Prävalenz diabetischer Komplikationen. Der hohe Blutzuckergehalt verstärke die Parodontitis. Bei einem schlecht eingestellten Diabetes sei die Gefahr der Wundheilungsstörungen und der Periimplantitis gegeben.
Wichtige Hinweise auf nicht diagnostizierte oder schlecht eingestellten Diabetes seien häufige oder rezidivierende parodontale Abszesse, unerklärliche Zahnfleischwucherungen, schneller Rückgang des Alveolarknochens, verzögerte Heilung nach parodontalen oder chirurgischen Eingriffen.

Interessant sei auch, dass Patienten mit einem nicht gut eingestellten Diabetes mehr Zahnverluste aufweisen als Diabetiker mit einer guten Stoffwechselkontrolle. Dies liege daran, dass bei diesen Patienten eine gesteigerte Konzentration von katabolischen Enzymen in der Sulkusflüssigkeit zu erkennen sei.

Die Folgen einer unbehandelten Parodontitis seien die Verstärkung der Insulinresistenz und dadurch die Erhöhung der Blutzuckerwerte. Eine erfolgreiche Therapie der Parodontitis verringere systemische Entzündungen und die Insulinresistenz.

Susan Röse/DZW   

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