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22. Juni 2010 |  Politik aktuell

Vertreterversammlung unterstützt Weg des neuen Vorstands

Apo-Bank-VV bekundet Pfennig Vertrauen und Respekt – Alt-Vorstände um Günter Preuß vorerst nicht entlastet –

 

Große Zustimmung, Vertrauen und Respekt erfuhr der Vorstandssprecher der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apo-Bank), Herbert Pfennig, von den Delegierten der Vertreterversammlung der Genossenschaftsbank der Heilberufe am Freitag vergangener Woche in Düsseldorf. Während seines Berichts herrschte im Großen Saal des Maritim-Hotels am Flughafen konzentrierte Stille bei den Vertretern der Genossenschafter – Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte.

Herbert Pfennig, Vorstandssprecher der Apo-Bank –

Pfennig, der seit 1. April 2009 Mitglied im Vorstand der Bank ist und zum 1. Juli 2009 das Amt des Vorstandssprechers von Günter Preuß übernommen hat, steht seitdem vor der Aufgabe, die Bank aus ihrer bislang schwersten Krise zu führen. Und so erfuhren die Delegierten von ihm noch einmal detailliert, was der Vorstand bereits Ende des vergangenen Jahres und zur Bilanzpressekonferenz im April 2010 in einer neuen kommunikativen Offenheit bereits mitgeteilt hatte: Die Apo-Bank hat das erste Mal in ihrer Geschichte Verlust gemacht, eine Dividendenzahlung entfällt daher für dieses Jahr (die DZW berichtete mehrfach). Das Engagement der Bank in sogenannte strukturierte Finanzprodukte, vom vorherigen Vorstand unter Preuß durch das Vorstandsmitglied Günther Herion betrieben, ist Ursache für diese unerfreuliche Situation.

Insgesamt 588,4 Millionen Euro an Risikovorsorge, das heißt in diesem Fall Risikokosten überwiegend für diese Papiere, so Pfennig, habe die Bank nach einer gründlichen Analyse unter Beteiligung externer Berater festhalten müssen. Insgesamt 1,1 Milliarden Euro Abschreibungen auf die eigenen Wertpapierbestände seien in den Jahren 2007 bis 2009 entstanden, davon etwa 800 Millionen endgültig. „Das zweite Halbjahr 2009 war sicher das schwärzeste in der Geschichte dieser Bank“, so Pfennig. Er kündigte unter Beifall der Delegierten an, die Bank werde keine derartigen Investments in strukturierte Finanzprodukte mehr vornehmen. Das Portfolio aus diesen Papieren werde jetzt konsequent abgebaut, bereits 2009 konnte es um 1,1 Milliarden Euro auf 4,5 Milliarden Euro verkleinert werden, bis 2014 solle es auf 2,5 Milliarden Euro schrumpfen, so Pfennigs Ankündigung.

Dabei hat man im klassischen Kerngeschäft der Bank das beste Jahr überhaupt verzeichnen können. Die ersten fünf Monate dieses Jahres hätten diesen Aufwärtstrend erneut bestätigt. Und so zeigte sich Pfennig optimistisch, die Krise auch weiter erfolgreich meistern und die Bank im Kreis der Genossenschaftsbanken wieder zu einem starken und gesunden Partner für ihre Genossen, die Heilberufler, zu machen.

Im Kerngeschäft gibt es aktuell nur einen etwas kritischeren Posten, die Finanzierung von neuen medizinischen Versorgungsstrukturen. Hier habe man bei den ersten Engagements im Jahr 2004 die Konzepte der Investoren zu optimistisch beurteilt und so höhere Risiken generiert: „Angestellte Ärzte bringen weniger Umsatz als selbstständige“, so Pfennig. Freiberuflich tätige Ärzte erzielten „auch durch Selbstausbeutung“ höhere Umsätze, was bei Angestellten durch arbeitsrechtliche Regelungen etc. in dieser Form nicht gegeben sei. Man habe aber inzwischen entsprechende Erfahrungen gesammelt und könne diese Investments jetzt realistischer bewerten, sodass die Risiken hier nicht größer seien als im sonstigen Kreditgeschäft.

Eine wichtige Aufgabe der Bank sei es, die Eigenkapitalsituation deutlich zu verbessern, so Pfennig. Dazu legte er ein Konzept zur Auflage einer stillen Beteiligung vor, dem die VV zustimmte. Sie ermächtigte den Vorstand, Verträge über eine stille Beteiligung an der Bank mit einem Volumen von 50 bis maximal 200 Millionen Euro abzuschließen. „Damit wappnet sich die Bank für perspektivisch steigende Kapitalanforderungen und schafft mit einer starken Kapitalbasis die notwendige Voraussetzung, ihr geplantes Kreditwachstum sicherzustellen. Die stille Einlage, die in einzelnen Tranchen vor allem bei ärztlichen Versorgungswerken platziert werden soll, ist ein weiterer Baustein zur nachhaltigen Verbesserung der Eigenkapitalsituation“, heißt es dazu.

Aus der VV kam allerdings auch immer wieder die Frage, wie es so weit kommen konnte. Wie Keller in seinem Bericht als Aufsichtsratsvorsitzender mitteilte, hat der Aufsichtsrat eine renommierte Kanzlei damit beauftragt zu untersuchen, ob es Verfehlungen von Vorständen beim Eingehen von Geschäften mit strukturierten Wertpapieren gegeben hat und ob Schadenersatzforderungen gegen den ausgeschiedenen Risikovorstand Günther Herion und eventuell weitere Personen bestehen. Daraufhin wurde den alten, bereits ausgeschiedenen Vorständen Günter Preuß, Gerhard K. Girner und Herion sowie dem noch im Amt befindlichen Vorstand Werner Albert Schuster bis zum Ergebnis dieser Untersuchungen die Entlastung durch die VV nicht erteilt und auf die nächste VV verschoben. Preuß und Herion waren zur VV übrigens nicht erschienen.

Bereits Ende 2009 ist die Vergütung für die Vorstände gemäß den Vorgaben des Bundesamts für Finanzdienstleistungen (BaFin) auf eine transparentere Fassung umgestellt worden, soweit das bei den Verträgen möglich war. Die Vertreterversammlung verabschiedete zudem eine neue Vergütungsordnung des Aufsichtsrats ab 2011. Apotheker Herrmann Stefan Keller, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe und Dr. med. dent. Helmut Pfeffer wurden als Aufsichtsratsmitglieder wiedergewählt.

Positiv und dankbar vermerkt wurde eine kleine Veränderung: Pfennig verzichtete angesichts der schwierigen Situation der Bank auf langatmige Ausführungen zur Gesundheitspolitik und zum Umfeld der Heilberufler. Er werde dies auch künftig tun, „denn Sie wollen wissen, wie es um Ihre Bank steht“.

(Artikel gekürzt)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 25/10 auf Seite 1.

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